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Hottentottenente heißt offiziell Pünktchenente
Hottentottenente heißt offiziell Pünktchenente Foto: picture alliance / blickwinkel/M. Woike | M. Woike

„Umbenennungen an der Tagesordnung“
 

Rassismusverdacht: Ornithologen-Gesellschaft will Vogelnamen ändern

RADOLFSZELL. Die Deutsche Ornithologen-Gesellschaft hat angekündigt, die Namen weiterer Vogelarten zu ändern, da sie rassistisch seien. „Umbenennungen sind an der Tagesordnung“, sagte der Leiter der Kommission für die deutschen Vogelnamen bei der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft, Peter Barthler, laut der Ippen-Media-Gruppe. Allerdings wolle man „so wenig wie möglich an den eingebürgerten Namen europäischer Brutvögel drehen“.

In den vergangenen Jahren seien mehr als 1.000 Vogelnamen geändert worden, weil sie diskriminierend seien oder einen kolonialen Hintergrund hätten. Viele Namen mit der Vorsilbe „Mohr“ gingen auf das 19. Jahrhundert zurück, ergänzte Barthel. Der Zeitschrift Geo zufolge sind beispielsweise die Mohrenlerche und das Mohrenschwarzkehlchen in Schwarzsteppenlerche und Elsterschmätzer umbenannt worden. Vor drei Jahren wurde zudem aus der Hottentottenente die Pünktchenente, auch wenn sie bei Wikipedia immer noch unter dem angeblich herabwürdigen Begriff erwähnt werde, moniert das Magazin.

Auch in anderen Ländern wurden Vogelnamen geändert. In Schweden untersuchten Ornithologen 2015 rund 10.000 Namen und benannten anschließend zehn Arten um. Der Zigeunervogel heißt seitdem Hoatzin, der Kaffernsegler Weißbürzelsegler und der Weißbrust-Negerfink Weißbrust-Negrita.

Nestlé benennt Negrita um

Der Begriff Negrita beschäftigte vor kurzem auch den Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé. Ab Oktober soll dessen Keksmarke Negrita dann Chokita heißen. Als Grund für die Umbenennung gab Nestlé an, daß es ein gestiegenes Bewußtsein für Marken und ihre visuelle Sprache im Zusammenhang mit Stereotypen und kulturellen Darstellungen gebe, berichtete die Nachrichtenagentur AFP.

Wörtlich übersetzt bedeutet Negrita demnach „Kleiner schwarzer weiblicher Mensch“. In Uruguay werde der Begriff als Kosename und Anrede für hell- und dunkelhäutige Menschen verwendet. Die Umbenennung der Keksmarke reiht sich ein in eine Serie ähnlicher Maßnahmen von Unternehmen. Der Lebensmittelkonzern Bahlsen nannte seine Afrika-Waffel in Perpetum um. Die Firma Hansen verkauft das Eskimo-Eis nicht mehr unter diesem Namen. Im vergangenen Jahr kündigten bereits andere Lebensmittelhersteller – darunter „Uncle Ben’s“ und „Aunt Jemima“ – die Änderung ihrer Logos an. Als Grund gaben die US-Unternehmen, zu denen die Marken gehören, ihr gesteigertes Engagement gegen Rassismus an. (ls)

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