Der letzte Ritterkreuzträger, der in der Bundeswehr gedient hat, ist tot: Oberst a.D. Dr. Heinz Rafoth wurde am vergangenen Freitag (13. März 2026) mit militärischen Ehren in Margretshöchheim bei Würzburg beigesetzt. Dies war ein historisches Ereignis. Rafoth wurde 103 Jahre alt.
Heinz Rafoth war eine Persönlichkeit der Zeitgeschichte. Er war Träger der höchsten deutschen Tapferkeitsauszeichnung im Zweiten Weltkrieg – des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes. Von den etwa 18 Millionen Männern, die während dieses Krieges die Uniform der deutschen Wehrmacht trugen, wurden nur etwa 7.100 Soldaten mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Knapp 3.000 überlebten den Krieg. 836 von ihnen bauten die Bundeswehr mit auf. Heinz Rafoth gehörte dazu.
Heinz Rafoth kam am 6. Januar 1923 in Putzar, Kreis Anklam/Pommern als Sohn des Försters Max Rafoth und dessen Ehefrau Martha, geborene Wadephul, zur Welt. Der amtierende deutsche Außenminister Johann Wadephul ist ein Verwandter von ihm.
Rafoth erlitt mehrfach Verwundungen

Als 17jähriger Abiturient trat Heinz Rafoth freiwillig als Soldat in das Neustrelitzer Infanterieregiment 48 ein. Das war im Oktober 1940. Neun Monate später kämpfte er bereits in Russland. Der im christlichen Glauben tief verankerte Soldat Heinz Rafoth hatte während seines fast fünfjährigen Kriegsdienstes stets einen Schutzengel über sich. An der Ostfront stand Rafoth insgesamt drei Jahre im Fronteinsatz, an der Westfront gut ein halbes Jahr. Viermal griff der Tod nach ihm: Granatsplitter trafen ihn an den Armen und dem Hals. Durch einen Schuss in die Hüfte wurde er schwer verwundet.
Heinz Rafoth war ein außerordentlich tapferer Soldat. Davon zeugen seine vielen Auszeichnungen. Der Auszug aus einer Beurteilung des 21-jährigen Fahnenjunker-Feldwebel skizziert sein Wesen: „Gereifter, gefestigter Charakter. Passionierter Soldat. Draufgängernatur, umsichtig, tatkräftig, entschluss- und verantwortungsfreudig. Selbständiges, klares Urteil, gutes Allgemeinwissen. Körperlich sehr gut veranlagt, zäh und widerstandsfähig. Gewandter Sportsmann. Vorgesetzten gegenüber taktvoll und zuvorkommend. Im Kameradenkreis beliebt und anerkannt.“
Am 3. März 1945 führte der Infanterie-Leutnant Rafoth eine aus Versprengten und Troßangehörigen zusammengeraffte Kampfgruppe von 20 Mann nahe Köln. Die Männer standen in erbittertem Häuserkampf, als Rafoth sah, dass zwei gegnerische Kompanien mit etwa 200 Mann und Panzern auf einer wichtigen Straße vorstießen.
Rafoth verdiente sich Ritterkreuz durch Sturmangriff
Leutnant Rafoth brach sein Gefecht ab, kämpfte sich durch das feindbesetzte Gelände zu zwei unzerstörten, strategisch bedeutsamen Eisenbahnbrücken. Diese waren schon im Besitz der US-Truppen. Im Sturmangriff warf Rafoth mit seinen Männern die Amerikaner zurück. Der zahlenmäßig weit überlegene Gegner versuchte daraufhin, die Brücken zurückzuerobern. Zwei Stunden wehrte der 22jährige Leutnant mit seinen Soldaten alle Angriffe erfolgreich ab. Mit diesem kühnen Entschluss hatte Leutnant Rafoth den Vorstoß der US-Truppen auf die im Aufbau begriffene Front seiner eigenen Division vereitelt. Dafür erhielt er das Ritterkreuz.
ndesDie Kriegsauszeichnungen von Heinz Rafoth. Foto: PrivatZehn Tage nach dieser Tat wurde Rafoth am 13. März 1945 zum vierten und letzten Mal verwundet. Ein Granatsplitter traf seinen rechten Oberarm, beschädigte zwei Nerven. Er war 30 Prozent kriegsversehrt. Im Lazarett liegend, kam er in britische Gefangenschaft. Der Krieg war für ihn zu Ende – er hatte Heinz Rafoth geprägt.

Im Oktober 1946 begann er eine Lehre bei der Landwirtschaftsschule in Delmenhorst, um anschließend das Studium der Agrarwissenschaften an der Justus-Liebig-Hochschule in Gießen erfolgreich zu absolvieren. Während eines kurzen Intermezzos als Sachbearbeiter bei der Agripina-Versicherung in Düsseldorf promovierte Rafoth zum Dr. agr. Es schloss sich eine dreieinhalbjährige Tätigkeit beim Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen an.
Rafoth war an „Landshut“-Befreiung beteiligt
Am 4. Mai 1956 trat der passionierte Soldat in die im Aufbau begriffene Bundeswehr ein. Er wurde aufgrund seiner akademischen Vorbildung als Hauptmann eingestellt und fand bis Januar 1960 Verwendung im Militärischen Abschirmdienst (MAD). An der Hammelburger Infanterieschule gab der Ritterkreuzträger Rafoth, inzwischen zum Major befördert, als Hörsaalleiter jungen Offizieranwärtern seine reichhaltige Erfahrung weiter.

Es folgte eine 20jährige Verwendung im Bundesnachrichtendienst (BND). Fast neun Jahre arbeitete er als Oberst und BND-Repräsentant im Bonner Bundeskanzleramt. Rafoth war Mittler zwischen dem BND und der Politik. In seine Amtszeit fiel die Enttarnung des DDR-Spitzenspions und Kanzlerreferenten Günther Guillaume 1974 und der damit verbundene Sturz von Bundeskanzler Willy Brandt. An der Befreiung der deutschen Lufthansa-Maschine „Landshut“ 1977 in Mogadischu wirkte er – aus dem Hintergrund – maßgeblich mit.
Verkörperung preußischer Tugenden
Nach über 25jähriger Dienstzeit in der Bundeswehr wurde Oberst Dr. Rafoth am 31. März 1982 in den Ruhestand verabschiedet. Diesen wohlverdienten Ruhestand genoß er fast 44 Jahre. Am 20. Februar 2026 wurde Heinz Rafoth in Margetshöchheim zur großen Armee abberufen. Er war auch der letzte Ritterkreuzträger des Heeres der Wehrmacht.
Heinz Rafoth verkörperte preußisch-deutsche Tugenden wie Disziplin, Pflicht, Ehre, Professionalität, Verachtung für ideologischen Fanatismus. Seine Loyalität galt dem Militär, der Armee – und seiner Nation. Er diente Deutschland.
Anmerkung der Redaktion: Der letzte noch lebende Ritterkreuzträger der Wehrmacht ist Hugo Broch, der genau ein Jahr vor Heinz Rafoth geboren wurde.





