Schlacht von Frankenhausen
Tausende Bauern starben, Darstellung der Schlacht von Frankenhausen aus dem 19. Jahrhundert Foto: picture alliance/akg-images
Deutscher Bauernkrieg

Frankenhausen 1525: Mehr Abschlachten als Schlacht

Was als Aufbegehren gegen die adlige Obrigkeit begann, verselbständigte sich rasch in unkontrollierbare Raubzüge der Bauern im südlichen Teil des Deutschen Reiches. Im Rückblick mag es überraschen, wie es den Aufständischen im Bauernkrieg ab 1524 gelingen konnte, eine Reihe von Städten unter ihre Kontrolle zu bringen und über mehrere Monate plündernd durch die Lande zu ziehen. Dabei kam ihnen die Auseinandersetzungen des deutschen Kaisers Karl V. zugute.

Denn die Kämpfe auf dem italienischen Kriegsschauplatz banden dort zu jener Zeit die Truppen des Habsburgers. Die fehlten im Reich, um dort die Unruhen im Keim zu ersticken. Nach dem Sieg Karls bei Pavia am 24. Februar 1525 kehrten die nun beschäftigungslosen Veteranen wieder nach Norden zurück. Im Auftrag der Schwäbischen Reichsstände warb der Truchseß von Waldburg, Georg von Waldburg-Zeil, die ins Reich strömenden Landsknechte für den Kampf gegen die Bauern an. Zuvor hatte er mit unterlegenen Kräften die offene Schlacht gegen die Bauernhaufen vermieden und hatte sie durch Verhandlungen hingehalten. Doch im Frühjahr 1525 konnten die Werber des Truchseß aus den Vollen schöpfen und genügend Söldner verpflichten.

Die deutschen Landsknechte waren im 15. und 16. Jahrhundert als Söldner in ganz Europa wegen ihrer disziplinierten Kampfweise geschätzt, auch wenn sie bei ausbleibendem Sold zu Plünderungen neigten. Mit ihren Piken, Schwertern und frühen Handfeuerwaffen waren die gerüsteten Kämpfer den ungeordneten Bauernhaufen weit überlegen.

Müntzer predigte gegen die Obrigkeit

Georg von Waldburg-Zeil machte sich mit seinem Söldnerheer daran, in Schwaben die Bauernhaufen nach und nach zu zerschlagen. Er verfolgte auch die fliehenden Bauern bis in ihre Dörfer, ließ sie foltern und hinrichten. Wegen seines selbst für die damalige Zeit harten Vorgehens, bekam er bald den Spitznamen Bauernjörg.

Georg von Waldburg-Zeil zerschlägt mit seinen Reitern einen Bauernhaufen Foto: picture alliance/akg-images

Während im Südwesten des Reiches der Aufstand niedergeschlagen wurde, hatte sich Thüringen nicht nur zum Zentrum der Reformation, sondern auch zu einem Widerstandshort der Bauern entwickelt. Eine besondere Rolle kam dabei dem Theologen und Revolutionär Thomas Müntzer zu.

Müntzer, ein Weggefährte von Martin Luther, war mit Fortschreiten der einsetzenden Reformation immer radikaler geworden. Nach seiner Auffassung erfahre nur das einfache Volk Gott. Priester und Obrigkeit geißelte er als Gottlose, die bekämpft werden mußten.

Die angekündigte Verstärkung war gering

Unter Berufung auf die Bibel legitimierte er den Bauernaufruhr. „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert“ (Mt. 10,34), predigte er. Noch deutlicher wurde Müntzer, als er aus der Heiligen Schrift ableitete: „Ein gottloser Mensch hat kein Recht zu leben, wo er die Frommen behindert […] wie uns essen und trinken ein Lebensmittel ist, so ist es auch das Schwert, um die Gottlosen zu vertilgen.“ In diesem Glauben führte ihn sein Weg nach Frankenhausen, wo es am 16. Mai 1525 zu einer der bedeutendsten Schlachten des Bauernkrieges kam.

In der Stadt hatten sich Ende April neben den Bauern auch die Kleinbürger und Salzarbeiter erhoben. Sie erhielten Zulauf aus der Region und schon bald sammelten sich dort rund 4.000 Mann. Die Grafen von Schwarzburg und Stollberg unterwarfen sich den Aufständischen. Angespornt wurden sie von Müntzers Ankündigung, mit weiteren 10.000 Mann nach Frankenhausen zu ziehen. Jedoch traf der Prediger am 11. Mai nur mit einem 300köpfigen Aufgebot ein, das unter der Regenbogenfahne marschierte. Sie sollte den Bund Gottes mit seinem auserwählten Volk symbolisieren, wie er sich nach der Überlieferung der Sintflut im Alten Testament gezeigt hatte.

Weitere Verstärkung für die Aufständischen blieb aus. Denn inzwischen führten Landgraf Philipp von Hessen und Herzog Georg von Sachsen bereits ihre Truppen heran, um dem Spuk ein Ende zu bereiten. Zwar gelang es den Bauern am 14. Mai noch drei Angriffe eines hessisch-braunschweigischen Heeres abzuwehren, doch sie ließen die Gelegenheit ungenutzt, dem Feind nachzustellen.

Ein letzter Appell an den Kampfgeist

Landgraf Philipp hatte Müntzer und seine Männer offensichtlich zunächst unterschätzt. Er bot daraufhin Verhandlungen über einen Abzug der Bauern an, wenn sie ihm den Theologen auslieferten. Währenddessen nutzte er die Gelegenheit, ließ seine Geschütze in Stellung bringen und wartete auf weitere Einheiten. Die Bauern hatten nach ihren Anfangserfolgen eine Wagenburg außerhalb der Stadt gebildet und sich dort verschanzt.

Am 15. Mai war die Streitmacht Philipps bei voller Stärke und bereit zum Angriff. Seinen 6.000 Landsknechten und Reitern standen 8.000 Bauern gegenüber, die zumeist nur mit Sensen, Sicheln und Dreschflegeln bewaffnet waren. Immerhin hatten sie 15 Geschütze in ihren Besitz bringen können. Zunächst herrschte noch Uneinigkeit, ob man das Angebot des Adligen annehmen und Müntzer ausliefern sollte. Sie entschieden sich dagegen und der revolutionäre Theologe wandte sich mit einer Predigt an die Männer.

Thomas Müntzer predigt zu den Aufständischen vor der Schlacht Foto: picture alliance / akg

Trotz mangelhafter Bewaffnung würden sie den Sieg davontragen, versprach er den Bauern. Wie schon David über Goliath triumphierte, so würden auch sie ihre Feinde zerschlagen. „Laßt euch nicht erschrecken und greift die Feind kühnlich an, dörft das Geschütz nit förchten“, rief er ihnen zu. „Ja ihr sehent, daß Gott auf unser Seiten ist, denn er gibt uns jetz und ein Zeichen. Sehent ihr nicht den Regenbogen am Himmel? Der bedeut, daß Gott uns, die wir den Regenbogen im Banner führen, helfen will und dreuet den mördrischen Fürsten Gericht und Strafe. Darum seind unerschrocken und tröstet euch göttlicher Hilf und stellt euch zu Wehre“, appellierte er an ihren Kampfgeist.

Landsknechte richteten ein Blutbad an

Doch als der Angriff der Landsknechte mit Artilleriebeschuß begann, war vom Widerstandswillen der Bauern nicht mehr viel übrig. Die Attacke der fürstlichen Infanterie und Reiter traf sie unvorbereitet und Panik brach aus. Statt ihre Position zu halten, versuchten die Aufständischen, zu fliehen. Was folgte, war ein Gemetzel.

Schätzungen gehen davon aus, daß mindestens 6.000 Bauern an dem Tag zumeist ohne Gegenwehr beim Fluchtversuch getötet wurden. Nur wenige stellten sich überhaupt dem Feind. Einige gelangten noch in die Stadt, nur um dort in der Falle zu sitzen. Von insgesamt 600 Gefangenen ließen die Sieger noch am gleichen Tag 300 hinrichten. Unter den Gefangenen befand sich auch Thomas Müntzer, der von Landgraf Philipp an den Grafen Ernst von Mansfeld übergeben wurde und ihm nun ausgeliefert war.

Der nächste Teil der Serie zum Deutschen Bauernkrieg erscheint am 27. Mai.

Tausende Bauern starben, Darstellung der Schlacht von Frankenhausen aus dem 19. Jahrhundert Foto: picture alliance/akg-images

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