Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

Wandelsterne fremder Welten

„Eine der größten unter den großen Seinsfragen ist, ob wir im Universum allein sind.“

Paul C.W. Davies, Professor für Naturphilosophie

Mit großem Eifer suchen die Astronomen nach einer zweiten Erde im All. 322 Planeten (in 261 fernen Sonnensystemen) haben sie bislang entdeckt. Doch noch nie ließ sich einer dieser „Exoplaneten“ zweifelsfrei auf einer Aufnahme nachweisen. Nun meldeten Planetenjäger, sie hätten Fotos in fernen Welten geschossen. Das Magazin Science (435672934372874) veröffentlichte einen Artikel von gleich zwei Forschergruppen. Die abgelichteten Objekte sind zwar nur winzige Pünktchen auf nachbearbeiteten Bildern, aber sie markieren vermutlich wissenschaftliche Meilensteine.

Ob wir Menschen allein im All leben – das ist eine der großen Fragen. Deswegen ist die Suche nach fernen Planeten für die Astronomen eine Herausforderung. 1995 ging ihnen der erste sogenannte Exoplanet ist Netz. Aber es waren immer indirekte Beobachtungen. In manchen Fällen gelang der Nachweis nur durch das Licht eines Sterns, das periodisch schwankte – Beweis, daß ein Planet an dem Zentralgestirn vorbeigezogen war. Direkte Fotos von einem Exoplaneten waren wegen des überstrahlenden Lichtes der Sterne schwierig. Nun hat Paul Kalas von der University of California in Berkeley mit dem Hub­ble-Weltraumteleskop einen Trabanten fotografiert – im sichtbaren Licht. Er ist 25 Lichtjahre (ein Lichtjahr entspricht 9,5 Billionen Kilometern) von der Erde entfernt. Er umkreist den Stern Fomalhaut (arabisch für „Maul des Fischs“) im Sternbild des südlichen Fischs. Der Planet ist etwa 119 Mal so weit von seinem Zentralgestirn entfernt wie die Erde von der Sonne. Für einen Umlauf braucht er 872 Jahre und ist etwa dreimal so massereich wie Jupiter – der größte Planet unseres Sonnensystems. Für die komplizierte Beobachtung mußte diese gigantische Überstrahlung Fomalhaut über das Licht des Exoplaneten ausgeblendet werden. Dieser ist vermutlich – ähnlich dem Saturn – von Ringen umgeben.

Dem Kanadier Christian Marois ist es mit seinen Kollegen vom Teleskop auf dem 4.200 Meter hohen Vulkan Mauna Kea in Hawaii gelungen, gleich ein „Multiplanetensystem“ zu entdecken. Drei sogenannte Exoplaneten fanden sie auf ihrer Infrarot-Aufnahme bei der 130 Lichtjahre entfernten Sonne HR  8799 im Sternbild Pegasus. Das Trio ist deutlich größer als alle Planeten in unserem System. Sie besitzen sieben- bis zehnmal soviel Masse wie der Jupiter. Die Planeten sind erst sechzig Millionen Jahre alt – quasi im Kindergartenalter. Sie sind noch so heiß, daß sie im Infrarotlicht strahlen.

Der Traum der Astronomen wäre natürlich, einen Planeten zu entdecken, auf dem Leben möglichst erdähnlich herrschen könnte. Michio Kaku resümiert die Debatte in seinem Buch „Die Physik des Unmöglichen“ (JF 45/08) und sagt: „Stellt man vernünftige Schätzungen an und multipliziert diese aufeinanderfolgenden Wahrscheinlichkeiten, kommt man zu dem Schluß, daß es allein in der Milchstraße zwischen 100 und 10.000 Planeten gibt, die intelligentes Leben ermöglichen könnten. Sollten diese intelligenten Lebensformen gleichmäßig über die Galaxis verteilt sein, können wir damit rechnen, in nur wenigen 100 Lichtjahren Entfernung auf einen solchen Planeten zu stoßen.“

Doch all diese Berechnungen sind höchst umstritten und hypothetisch. Die Funksignal-Suchprogramme, außerirdische Intelligenz im All zu finden (wie die SETI-Projekte), blieben bislang ohne Resultat – so tief die hochempfindlichen Radioteleskope auch ins Universum „hineinhörten“. Doch Kaku ist optimistisch: „Irgendwann im Lauf dieses Jahrhunderts sollten wir soweit sein, Signal einer extraterrestischen Zivilisation aufzufangen.“

Einen weiteren Startschuß zur Planetenfahndung im All hat die Nasa Anfang März mit ihrem Projekt des Kepler-Satelliten gegeben. Er kann die Leuchtkraft von 100.000 Sternen messen, um die Bewegung eines jeden Planeten aufzuspüren. Die Wissenschaftler erhoffen sich Hinweise auf 50 etwa erdgroße Planeten sowie 185 Planeten, die ungefähr 30 Prozent größer als die Erde sind, und 650 Planeten, die 2,2 Mal größer sind als die Erde. Die Raumsonde wird unserem blauen Planeten auf seiner Bahn um die Sonne folgen. Für das Jahr 2014 ist der Terrestrial Planet Finder geplant. Er soll 100 Sterne in bis zu 45 Lichtjahren Entfernung analysieren. Er wird mit zwei Apparaten ausgestattet sein, um nach entfernten Planeten zu suchen. Der eine ist ein Koronagraph (ein Spezialteleskop), der das Licht des Muttergestirns ausblendet und um den Faktor eine Milliarde abschwächt. Der zweite Apparat ist ein Interferometer, das die Interferenz von Lichtwellen nutzt, um das Licht des Muttersterns um den Faktor eine Million abzuschwächen.

Und auch die Europäische Weltraum­organisation ESA will ihren eigenen Planetenjäger in den Orbit schießen. „Darwin“ soll 2015 hochgejagt werden – oder später. Er besteht aus drei Raumteleskopen, die in Formation fliegen und als einziges großes Interferometer funktionieren. Bis dahin bleibt der respektvolle Blick ins Universum und die Frage: Ist da oben jemand, der nach uns Ausschau hält?

Foto: Kepler-Raumsonde seit März im Orbit: Ist da oben jemand, der nach uns Ausschau hält?

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