Neue Technologien: Reproduktives und therapeutisches Klonen

Die alte Geschichte vom Wolf und dem Hilferufer könnte ihre Gültigkeit behalten. Nach mehrfachen folgenlosen Ankündigungen eines Menschenklons durch den Mediziner Severino Antinori und zuletzt durch die obskure Raelianer-Sekte wird beim dritten Ruf wahrscheinlich keiner mehr hinhören. Ein wenig blamabel ist es ja auch, wenn sich philosophische Köpfe in den Feuilletons über etwas verbreiten, was genauso wenig eintritt, wie der von den Zeugen Jehovas immer wieder vorhergesagte Weltuntergang. Recht behalten haben die seriösen Wissenschaftler, nach deren Worten das Klonen von Menschen schon rein technisch nicht auf der Tagesordnung steht. Aber der Wolf ist kein Fabelwesen. Und am Klonen wird auch in seriösen Labors gearbeitet. Das reproduktive Klonen ist zwar am Menschen noch nirgendwo passiert, doch in der Landwirtschaft wird zügig auf die Methode hingearbeitet, besonders nutzbare Lebewesen ohne züchterisches Risiko in Serie zu produzieren. Ist dieses Verfahren erst soweit perfektioniert, daß „Mutter und Kind“ nicht mehr besonders gefährdet sind, dann ließe es sich in kürzester Zeit auch auf den Menschen anwenden. Als heimlichen Vorbereitungsschritt sehen die radikalen Klongegner auch das therapeutische Klonen, an dem ebenfalls offen geforscht wird. Ziel dieses Verfahrens ist die Gewinnung von körpereigenen Geweben und Organen, um sie bei Bedarf dem Chromosomen-Spender zu transplantieren. Damit würde nicht nur die häufige Abstoßung fremder Organe vermieden, sondern auch der Mangel an geeignetem Material und der dadurch in Gang gesetzte Organhandel. Die Grundidee ist ähnlich wie bei der somatischen Gentherapie mit Stammzellen. Neu an beiden ist, daß nicht mehr, wie mit herkömmlichen Medikamenten, auf die Körperzellen eingewirkt, sondern neue gesunde Zellen bereitgestellt werden. Allerdings werden dort fremde Embryonalzellen genutzt, hier jedoch ein eigener Embryo hergestellt. In den ersten Schritten verläuft das therapeutische Klonen daher genauso wie das reproduktive. Es braucht eine Eizelle, die nach dem Kerntransfer beginnt, sich zu einem Embryo zu entwickeln. Dieser wird aber nicht in eine Gebärmutter eingepflanzt, sondern nach der ersten Zellspezialisierung ausgeschlachtet, um im Labor Kulturen anzulegen, die sich zu Geweben und Organen ausbilden. Dies könnte man prophylaktisch tun, so daß jeder über eine eigene „Organbank“ verfügte, oder erst bei Bedarf gezielt einsetzen. Das „Klonbaby“ wird in jedem Fall zerstört. Als Ausweg aus der ethischen Problematik hat Davor Solter vom Max-Planck-Institut Freiburg die Verwendung von tierischen Eizellen vorgeschlagen. Der Embryo wäre dann eine sogenannte Chimäre und nicht mehr eindeutig ein menschliches Wesen. Reagiert aber eine schweinische Zelle auf die Befehle eines menschlichen Kerns? Diese Frage kann wiederum nur die Forschung beantworten.

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