Blamierte Initiatoren

Bevor die Reemtsmasche Wehrmachtsausstellung in Schwäbisch Hall ihre Pforten öffnet, hat die Stadt Neumünster, die als vorerst letzte Veranstalterin der Ausstellung fungierte, ihre Abrechnung vorgelegt. Auf Anfrage der CDU-Ratsfraktion mußte die Stadtverwaltung eingestehen, daß Neumünster mit dem zur Verfügung gestellten Zuschuß von 50.000 Euro nicht ausgekommen sei. Tatsächlich hätten nur halb so viele Eintritt zahlende Menschen die Ausstellung besucht wie erhofft. Jetzt muß die Stadt die Deckungslücke von 90.000 Euro im Haushalt schließen. Und das just zu einem Zeitpunkt, an dem der schleswig-holsteinische Landesrechnungshof auch die Stadt Neumünster wegen ihrer überbordenden Schulden ermahnte. Die vorhandenen etwa 250 Millionen Mark wuchsen nämlich allein im Jahre 2002 um weitere 3,3 Millionen Euro an. Scheinbar spielten einige weitere zigtausend Euro keine große Rolle mehr. Dabei hatte alles so hoffnungsvoll begonnen. Angelika Beer, Bundessprecherin der Grünen und in einem Dorf bei Neumünster zu Hause, hatte die Stadt gedrängt, Reemtsmas Propaganda-Schau zu zeigen, um damit die nicht zuletzt durch ihr ständiges antifaschistisches Getöse bundesweit bekannt gewordene Kneipe „Club 88“ bekämpfen zu können. Die SPD setzte mit ihrer damals absoluten Mehrheit in der Stadtvertretung durch, daß Neumünster die Trägerschaft übernahm. Die einschlägig bekannten Gruppierungen sagten ein unterstützendes Beiprogramm zu, wie etwa der „Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus“, das Autonome Frauenhaus, das „Bündnis gegen Rechts“, der „Runde Tisch für Toleranz und Demokratie“, der „Verein für Toleranz für Zivilcourage“ und natürlich die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“. Der Kieler Historiker K. H. Pohl schulte Studenten als Gruppenführer (Honorar pro Führung 23 Euro). Die antifaschistische Szene marschierte auf, was lediglich zur Folge hatte, daß 92 Randalierer, die Polizeibeamten mit Flaschen und Steinen beworfen und zwei Polizisten verletzt hatten, festgenommen werden mußten. Im Vorfeld hatte der damalige SPD-Fraktionsvorsitzende geschworen, die Ausstellung werde für die Stadt die festgelegte Beteiligung von 50.000 Euro nicht überschreiten. Aber trotz aller Werbeveranstaltungen – Ralph Giordano brach sogar auf einer Rede angerührt von seinen eigenen Worten in Tränen aus – wollten die Neumünsteraner nicht in die Ausstellung kommen. Knapp 10.000 hatten sich in der ersten Halbzeit in die Säle begeben, wobei mehr als die Hälfte von Schülern gestellt wurde, die unter der Leitung ihrer Lehrer die Ausstellung besuchen mußten. So konnte man die der Kalkulation zugrunde gelegte Zahl von mindestens 20.000 Besuchern nicht erreichen. Aber auch ein flehentlicher erneuter Anruf an die Schulen, mehr Schüler zu schicken, half nichts. Als nach sechs Wochen die Ausstellung schloß, hatten statt der erwarteten 20.000 Menschen gerade einmal 10.795 das Eintrittsgeld entrichtet. Von ihnen waren 56 Prozent Schüler. Nun muß die sowieso schon arg verschuldete Stadt fast doppelt soviel zuschießen wie geplant. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Torsten Geerdts forderte in einem Offenen Brief die SPD-Fraktion auf, ihre Fraktionskostenzuschüsse in Höhe von 9.000 Euro im Jahr für die Deckung des Defizits der mit ihren Stimmen initiierten Ausstellung zur Verfügung zu stellen. Und er setzte hinzu: „Wir sind uns sicher einig, daß wir uns in Zukunft gemeinsam dafür einsetzen sollten, verstärkt Verursacher zur Rechenschaft zu ziehen.“ Die SPD ist beleidigt. Die Leserbriefspalten der beiden in Neumünster verbreiteten Zeitungen sind voll von höhnischen Kommentaren. Jetzt sind die Bürger von Schwäbisch Hall dran, ihre Steuergelder für die Wehrmachtsausstellung zu spendieren. Dort hat übrigens auch die CDU für die Ausstellung gestimmt.

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