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Aus anarchistischer Sicht

Die im 10. Jahrgang vierteljährlich erscheinende Zeitschrift Espero – Untertitel: „Forum für libertäre Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung“ – wird von der Mackay-Gesellschaft Berlin/Hamburg herausgegeben. Der deutsch-schottische Dichter und Schriftsteller John Henry Mackay, der „Sänger der Anarchie“, wie er genannt wurde, war nicht nur der Biograph von Max Stirner, sondern selbst bekennender Individual-Anarchist. Dazu bekennt sich auch Uwe Timm, Schriftsteller, Publizist und Redakteur von Espero. Etwa 30 Seiten stark und im DIN-A-5-Format mit schwarz-grüner Einbanddecke – parteipolitisch ist das jedoch offenbar nicht gemeint – bietet die Zeitschrift Raum für die verschiedensten Strömungen des Anarchismus. So wird des 125. Geburtstags des kommunistischen Anarchisten Erich Mühsam gedacht, den die Schergen des NS-Regimes in Oranienburg ermordeten, und es kommt Silvio Gesell, der Ahnherr der Freiwirtschaft, zu Wort. Hans-Jürgen Degen unterzieht das parlamentarische System einer geharnischten Kritik, „die herrschende autokratische Praxis“ halte sich „eine Gesellschaft von Hofnarr/innen“. Bei den als „Scheinwettbewerb“ und „Schaukampf“ eingeschätzten Wahlen gehe es weder ums „Gemeinwohl“ noch ums „Volksinteresse“, sondern allein „um das Wohl der Parteiarbeiter und Staatstragenden“. Und wie Macht schmeckt, wie sie gestaltet, wie sie beweihräuchert wird, demonstriere gekonnt „Berlins zweithöchster Staatsschauspieler Joschka Fischer“. Dieser Einschätzung kann (muß) man auch als Konservativer zustimmen. Für die Abschaffung der Krankenkassen-Zwangssysteme macht sich ein anderer Autor stark. Am Beispiel einer 1995 publizierten Untersuchung über die (Neben-)Wirkungen der Chemotherapie bei fortgeschrittenen Karzinomen kommt er zu dem Schluß, daß die Zwangsmitglieder der Krankenkassen „von dem herrschenden System und all seinen Vertretern bewußt unmündig gehalten“ werden. Auch die in den entsprechenden Aufsichtsratsgremien sitzenden Gewerkschaftsfunktionäre hätten zu dieser negativen Entwicklung ein „gehöriges Maß“ beigetragen. Mit den sogenannten „Glücklichen Arbeitslosen“ setzen sich Raimund Samson und Jochen Knoblauch auseinander. Während Knoblauch diese in der Tradition der Dadaisten oder „Umherschweifenden Haschrebellen“ – die später allerdings zu einer blutigen Terrortruppe mutierten – sieht, nimmt Samson ihre Aufrufe, Manifeste und „Faulheitspapiere“ genüßlich auseinander und unterstellt ihnen „notorische Besserwisserei, Wut und Haß auf den Gegner“. Zwar sei ihre Argumentation nicht ohne Witz, aber über weite Strecken nur kindisch. Wer es wage, nicht mit den Thesen der Glücklichen Arbeitslosen übereinzustimmen, weil er beispielsweise eine positive Weise Einstellung zur Arbeit habe, werde „pauschal in die Pfanne gehauen“. Ihr Standpunkt sei „dogmatisch“ und „absolut“, Auseinandersetzungen würden auf „aggressivste Weise“ geführt. Anschrift: Mackay-Gesellschaft. Wulmstorfer Moor 34 b, 21629 Neu Wulmstorf. Einzelpreis: 3 Euro, Abo für 5 Ausgaben: 12 Euro.

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