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Trotz hoher Steuern: Warum der Ölpreis aktuell so niedrig ist

Trotz hoher Steuern: Warum der Ölpreis aktuell so niedrig ist

Trotz hoher Steuern: Warum der Ölpreis aktuell so niedrig ist

Das Bild zeigt eine Fracking-Anlage in den USA. Der globale Ölpreis ist aktuell niedrig.
Das Bild zeigt eine Fracking-Anlage in den USA. Der globale Ölpreis ist aktuell niedrig.
Eine Fracking-Anlage in den USA: Deutschland profitiert kaum vom geringen Ölpreis. Foto: picture alliance/AP Photo | Jae C. Hong
Trotz hoher Steuern
 

Warum der Ölpreis aktuell so niedrig ist

Der globale Ölpreis fällt. In Deutschland kommt das jedoch nicht beim Verbraucher an – hohen Steuern und der Klimapolitik sei Dank. Auch eine weitere Preissenkung dürfte das Problem nicht lösen.
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Vor fünf Jahren trat das von der letzten Merkel-Regierung beschlossene Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) in Kraft. Seither ist der „CO₂-Preis“ pro Tonne Emission von 25 auf 55 Euro gestiegen. Das hat den Liter E10-Benzin 2021 in Deutschland um 7,14 Cent und den Liter Diesel oder Heizöl um 7,96 Cent (inklusive Mehrwertsteuer) verteuert – zusätzlich zu Energiesteuer und Co. Vergangenes Jahr kletterte der BEHG-Aufschlag auf 15,7 bzw. 17,52 Cent. In diesem Jahr soll sich die „nationale CO₂-Bepreisung“ in einem gesetzlichen Korridor zwischen 55 und 65 Euro bewegen – je nach Ergebnis der Versteigerung von begrenzt verfügbaren CO₂-Zertifikaten. Die EU-weite CO₂-Bepreisung wurde hingegen – auf Druck „populistischer“ Regierungen – auf 2028 verschoben.

Dennoch ist der Benzinpreis von Februar bis Dezember 2025 von 1,75 auf 1,65 Euro pro Liter gesunken. Diesel war im Dezember sogar für unter 1,60 Euro erhältlich, obwohl der Staat fast 90 Cent pro Liter eingenommen hat. Wie paßt das zusammen? Entlastend wirkte der Ölpreis, der 2025 den stärksten Jahreskursverfall seit Corona verzeichnete. An mangelnder Nachfrage lag es nicht, denn die stieg mit 104 Millionen Barrel (1 Barrel = 159 Liter) pro Tag auf ein neues Rekordniveau. Auch geopolitische Risiken, die ihn eigentlich in die Höhe treiben mußten, gibt es zuhauf, vom möglichen Ende venezolanischer Lieferungen nach China über Gaza-Nebenkriegsschauplätze im Roten Meer und der Straße von Hormus bis zum Ukrainekrieg, der russische Ölinfrastruktur zerstört.

Die Opec verliert an Einfluß

Grund für die niedrigen Preise sind die zwölf Länder der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und Exportländer wie Rußland, Aserbaidschan, Bahrain, Brunei, Brasilien, Kasachstan, Malaysia, Mexiko, Oman und Sudan, die als Opec+ üblicherweise hohe Preise durchsetzen wollen. Niedrigpreisstrategien kennt man nur in Ausnahmefällen wie 2015 oder während Corona, als das Kartell versuchte, die US-Frackingbranche durch einen Ölpreis weit unter deren hohen Förderkosten aus dem Markt zu drängen. Aktuell verfolgt Opec+ wieder eine Strategie der Wahrung von Marktanteilen anstatt Optimierung der Einnahmen.

Dazu reduzierte die Opec in ihren Treffen zwischen März und September 2025 die Selbstbeschränkung der Ölproduktionsmenge. Zur Überraschung der Marktteilnehmer kamen so 400.000 zusätzliche Barrel täglich auf den Markt, bei einem weitgehend stabil hohen Verbrauch von 104 Millionen und einer weltweiten Gesamtproduktion von etwa 106 Millionen Barrel. Die Opec ist sich der Problematik offenbar bewußt und möchte künftig die Produktionskapazitäten von unabhängigen Gutachtern jährlich prüfen lassen. Förderquoten würden künftig an die Kapazitäten gekoppelt, somit objektiver festgelegt und böten weniger Anlaß zu Streitereien.

Doch die Macht des Opec-Kartells schrumpft. Viele Neuzugänge wie die frühere britische Kolonie Guayana und US-Frackingfirmen agieren außerhalb der Opec-Einflußsphäre. Aus dem Nichts kam auch Argentiniens Frackingbranche, die einzige außerhalb der USA, die die hydraulische Frakturierung zur Ölgewinnung erfolgreich im großen Stil betreibt. Die Opec selbst beeinflußt nur noch die Hälfte der weltweiten Förderung und wird daher immer weniger den Ölpreis bestimmen können. Es ist unwahrscheinlich, daß der aktuelle Preisverfall Akteure aus dem Markt verdrängt, doch werden zusätzliche Ölförderinvestitionen unrentabler, was die Macht des Kartells zumindest festigt.

Der niedrige Ölpreis könnte die Förderung hemmen

Bei der Nordseeölsorte Brent beträgt der Preisverfall seit der Spitze am 15. Januar mehr als 28 Prozent, von 80 Dollar pro Barrel auf weniger als 59 Dollar Mitte Dezember. Saisonal bedingt steht Öl im Februar in der Regel auf Tiefstständen. Dann wird zwar in nördlichen Lagen geheizt, doch im Süden laufen keine Klimaanlagen und es gibt kaum Reiseverkehr. Die überschüssige Ölproduktion wird gelagert und führt gleichzeitig zu einem Preisverfall. Wichtigster Käufer ist China, das einen Lagerbestand von zwei Milliarden Barrel Öl aufbauen will. Rechnerisch würde China also die Überproduktion von 1.000 Tagen oder drei Jahren absorbieren. Drosselt China seine Käufe – aus welchen Gründen auch immer –, dürfte der Ölpreis stark nach unten nachgeben.

Natürlich kommt irgendwann der Punkt, an dem ein niedriger Ölpreis manche Förderung unrentabel werden läßt und die Ölschwemme dann wieder abnimmt. Die US-Frackingbranche hat aktuell Kosten von etwa 50 Dollar pro Barrel. Rußland liegt bei etwa 42 Dollar, Argentiniens Frackingkosten sollen mit 40 bis 45 Dollar sogar unter denen des nordamerikanischen Frackings liegen. Sollte der Ölpreis für längere Zeit unter 50 Dollar stehen, käme es deshalb zu Produktionsstillegungen und zu einem Ende der Ölschwemme.

In Europa träumt die Energiepolitik fast überall immer noch von einer unmittelbar bevorstehenden Welt ohne Öl. Deutschland, das ohnehin kaum Öl fördert, will sogar schon bis 2045 „klimaneutral“ sein. Problematischer ist dieser Gedankengang in Großbritannien, das Ende der siebziger Jahre zum Ölscheichtum wurde. 2025 wurde zum ersten Mal seit Entdeckung der Nordseeölfelder in den 1960er Jahren keine einzige Probebohrung in britischen Gewässern gebohrt. Verantwortlich dafür sind von den klimabewegten Tories – und ganz im Sinne von Charles III. – 2022 eingeführte Sondersteuern für Ölkonzerne, die jetzt bis zu 78 Prozent Steuern auf ihre Gewinne entrichten müssen.

Großbritannien ist von Sinnen

2030 sollten die Sondersteuern auslaufen, sie wurden aber von der Labour-Regierung mit Änderungen verlängert. Premier Keir Starmer hoffte, ab 2027, also noch vor den nächsten Unterhauswahlen, würden mit Blick auf die Neuerungen die Investitionen wieder zunehmen. Vorläufig sehen Unternehmen davon ab, für andere ist eine Übernahme durch größere die einzig verbliebene Option. Die Auswirkungen machen sich in der Förderung bemerkbar. 1983 erreichte die britische Produktion ihren Spitzenwert von 2,3 Millionen Barrel pro Tag, beinahe soviel wie heute Kuwait. Aktuell sind es nur 400.000 Barrel – fast 80 Prozent weniger.

Keine Überraschung bereiten auch fallende Steuereinnahmen: Von 2,9 Milliarden Pfund an Steuereinnahmen aus der Ölförderung im Steuerjahr 2024/25 werden angesichts der fehlenden Investitionen im Jahr 2030 nur noch 300 Millionen übrigbleiben. Andere suchen Wachstum in freundlicheren Gegenden: Harbour Energy, eine der größeren unabhängigen Ölfirmen, steigt für 3,2 Milliarden Dollar im Golf von Mexiko ein, anstatt in der Nordsee zu expandieren, und denkt außerdem über einen Umzug des Unternehmens von Edinburgh in die USA nach.

Die absurde britische Energiepolitik hat sogar einen echten Schildbürgerstreich zu bieten. Die Seegrenze zwischen Schottland und Norwegen durchkreuzt das Öl- und Gasfeld Statfjord, das aber nur auf norwegischer Seite ausgebeutet wird. Statt Förderlizenzen auf der eigenen Seite zu verkaufen, kauft Großbritannien sein eigenes Gas aus dem reichen Norwegen ein, das durch eine Unterseepipeline nach Schottland gelangt.

Aus der JF-Ausgabe 3/26.

Eine Fracking-Anlage in den USA: Deutschland profitiert kaum vom geringen Ölpreis. Foto: picture alliance/AP Photo | Jae C. Hong
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