Der ländliche Raum mit seinen Entfernungen stellt Verkehrsplaner vor Herausforderungen (Symbolbild) Foto: picture alliance
Kampf gegen das Auto

Utopische Verkehrspolitik und die Realität

Der Klimaschutz ist aktuell das alles bestimmende Thema. Niemand kann sich ihm entziehen, jeder soll seinen Beitrag leisten. Mit einer Mischung aus moralischer Peitsche und neuerdings etwas Zuckerbrot sollen Autobesitzer dazu bewegt werden, auf ihr Auto zu verzichten.

So fordern die Verbraucherzentralen zusätzliche Anreize, damit weniger Bürger sich hinter das Lenkrad setzen. Wer sein Auto für mindestens ein Jahr abmeldet oder verkauft, soll im Gegenzug einmalig eine Jahreskarte für den öffentlichen Nahverkehr bekommen, heißt es in einem Positionspapier, aus dem die dpa zitiert. Außerdem soll die Mehrwertsteuer für Fernzugtickets und Car-Sharing-Dienste auf sieben Prozent gesenkt werden. Um die Daumenschrauben andererseits wieder anzuziehen, liebäugelt man immer noch mit der Idee einer PKW-Maut, die nun eine „europaweit gültige, intelligente Straßenbenutzungsgebühr“ genannt wird.

In Berlin springen die Verkehrsbetriebe (BVG) auf den Zug auf. Am kommenden Sonntag gilt ein Einzelfahrschein in der Hauptstadt als Tagesticket. So wolle man zeigen, „daß man kein Auto braucht, um in Berlin ans Ziel zu kommen“, betonte Pressesprecherin Petra Nelken gegenüber dem Tagesspiegel. Mit von der Partie ist bei der Aktion auch die Deutsche Umwelthilfe, die gefühlt bei jedem Kreuzzug gegen das Auto dabei ist.

Die Provinz kommt in den Überlegungen nicht vor

Unabhängig davon, daß sich die meisten Berliner wohl eher wünschen würden, daß die Busse und Bahnen der BVG im Alltag einfach nach Plan fahren würden, haben die genannten Forderungen und PR-Aktionen einen Schönheitsfehler. Sie funktionieren bestenfalls in Ballungsgebieten.

Wer auf dem Land wohnt, wo es bis zum nächsten Supermarkt im Nachbarort schon mal ein paar Kilometer sind, der bräuchte zunächst überhaupt eine entsprechende Infrastruktur und eng getaktete Verbindungen. Dabei ist hier keinesfalls die Rede von so gern bemühten „abgehängten Regionen im Osten“. Schon ein Blick in die westdeutsche Provinz offenbart Landstriche, in denen Schulbusse oft die einzigen öffentlichen Verkehrsmittel sind, die Dörfer miteinander verbinden.

So scheitern die hochtrabenden Pläne, womöglich geboren in urbanen Zentren mit durchgängiger Verfügbarkeit des ÖPNV, spätestens am Rand des die Großstädte umgebenden Speckgürtels.

Der ländliche Raum mit seinen Entfernungen stellt Verkehrsplaner vor Herausforderungen (Symbolbild) Foto: picture alliance

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