Joachim Kuhs

Frankreich
 

Moody’s setzt Frankreichs Kreditwürdigkeit herab

FRANKFURT. Die Ratingagentur Moody’s hat Frankreich die Bestnote „AAA“ aberkannt und auf die darunterliegende Note „AA1“ herabgesetzt. „Die Aussichten sind weiterhin schlecht.“ Als Grund gab die Ratingagentur gravierende wirtschaftliche Probleme des Landes und daraus resultierende Unsicherheiten an. Auch die Abhängigkeit vom Euroraum lasse das Land anfällig für künftige Krisen werden.

„Anders als Nicht-Euro-Staaten, die ähnlich hohe Bewertungen besitzen, verfügt Frankreich nicht über eine nationale Zentralbank, welche eigene Schulden im Falle eines Marktzusammenbruches rückfinanziert“, begründeten die Finanzexperten ihre Entscheidung. Von dem Rating hängt die Höhe der Kreditzinsen ab, die ein Kreditnehmer auf dem Kapitalmarkt zahlen muß. Damit besitzt die Herabstufung unmittelbar Auswirkung auf den französischen Haushaltsplan.

Skepsis gegenüber französischen Reformbemühungen

Moody’s Bewertung beziehe sich „auf die Situation, die uns unsere Vorgänger hinterlassen haben: Verlust der Wettbewerbsfähigkeit, schwaches Wachstum, wachsendes Defizit”, behauptete Finanzminister Pierre Moscovici gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Demgegenüber betonte Moody’s, Reformbestrebungen der neuen sozialistischen Regierung unter Präsident François Hollande bereits berücksichtigt zu haben:

„Diese Maßnahmen alleine sind schwerlich weitreichend genug, um die  Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Und Moody’s ist sich bewußt, daß die Erfolgsbilanz der französischen Regierungen, was die Umsetzung solcher Maßnahmen betrifft, in den letzten zwei Dekaden eher ärmlich war“, heißt es in dem Bericht der Finanzexperten, die damit ihren Kollegen von Standard & Poor’s gefolgt sind. Diese hatten Frankreich bereits zu Jahresanfang die Bestnote aberkannt und von AAA auf AA+ gesetzt.

Moody’s folgt damit seiner Ankündigung vom 23. Juli. Damals hatte die Ratingagentur bereits gewarnt, angesichts der Euro-Finanzkrise Frankreich nicht mehr länger mit der Bestnote bewerten zu können. Gleichzeitig hatte Moody’s  auch die Aussichten für die bisherigen Bestnoten von Deutschland, Luxemburg und Niederlande als negativ bezeichnet. (FA)

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