Einheimische Frühkartoffeln in Not

Die Gefahren, die von der EU-Dienstleistungsrichtlinie ausgehen, sind vielfältig. Wer auf lokale, oft in Jahrhunderten entwickelte Regeln nicht mehr achten muß, hat freie Fahrt – in Richtung immer niedrigerer Standards. Schließlich ist eine Meisterprüfung nicht als Schikane vom Himmel gefallen, sondern sicherte jene Qualität, die Deutschland groß werden ließ. Damit ist es noch nicht ganz vorbei – gelaufen scheint hingegen der Wettlauf ums Überleben der deutschen Bauern, wie man erneut am Beispiel der Frühkartoffel erkennen kann. Bis Mitte Juni vermarkteten die heimischen Erzeuger erst halb so viele Frühkartoffeln wie im Vorjahr, berichtet die Zentrale Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) in Bonn. Der Lebensmitteleinzelhandel nutzt weiterhin überwiegend das billige Angebot an Importware. Verbraucher, die frisch geerntete deutsche Speisefrühkartoffeln kaufen wollen, müssen sich daher meist direkt an die Erzeuger wenden oder sich auf den Wochenmärkten umschauen. Der Preisunterschied zwischen deutschen und importierten Kartoffeln ist laut ZMP für den Endverbraucher nicht mehr zu spüren. Der Durchschnittspreis für ein Kilogramm Speisefrühkartoffeln aus dem In- und Ausland habe sich auf 69 Cent ermäßigt. Das sind fast 20 Cent weniger als zur gleichen Zeit im Vorjahr. Aber alles andere – Kraftstoff, Maschinen, Steuern und Abgaben – ist natürlich nicht billiger geworden, deutsche Bauern müssen also Jahr für Jahr Einkommenseinbußen hinnehmen. Kein Wunder, daß immer mehr Betriebe aufgeben und durch noch stärker industrialisierte „Agrarfabriken“ ersetzt werden. Eine Entwicklung, die am Ende auch dem Konsumenten schaden wird.

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