Frust mit fehlender Schlussverkaufslust

Der Winterschlußverkauf (WSV) hat seinen Kaufan-reiz verloren. Die Händler beklagen einen Umsatzrückgang von zehn Prozent und mehr gegenüber der Vorjahresaktion. Zwar ist der WSV ein Auslaufmodell, denn nach der Reform des Rabattgesetzes sind die strengen Regeln gelockert und die Preisnachlässe nicht mehr auf die engen Zeiträume der „Schlußverkäufe“ beschränkt, gleichwohl bildeten diese klassischen Rabattaktionen in der Vergangenheit stets Glanzlichter des Einzelhandeljahres. Nun weinen die Deutschen der vertrauten Schnäppchenjagd mit hundertjähriger Tradition keine Träne mehr nach. Zwei von drei Verbrauchern halten den Schlußverkauf für gänzlich überflüssig. Die Kaufzurückhaltung ist aber nicht nur auf die als überholt empfundene Werbeform zurückzuführen. Auch andere Rabattaktionen zeigen trotz Preisnachlässen bis zu 70 Prozent kaum noch Wirkungen. Die Fülle der jüngsten Niedrigpreisaktionen verhinderte nicht, daß der Einzelhandelsumsatz im abgelaufenen Jahr niedriger war als zuvor. Besonders groß war der Einbruch im Dezember 2003. Der Umsatz fiel im sonst so verkaufsträchtigen Weihnachtsmonat auf 92,9 Prozent des Vergleichswertes aus dem Jahre 2000. Für dieses Jahr rechnet der Einzelhandel bestenfalls mit einem leichten Wachstum von einem Prozent. Wenn überhaupt, denn die Zurückhaltung der Käufer hat gute Gründe. Die Handelsunternehmen müssen die zunehmende Verunsicherung der Kundschaft ausbaden: bestenfalls stagnierende Bruttoeinkommen, kaum erkennbare Steuererleichterungen, steigende Sozialausgaben, verbunden mit einem gefährdeten Arbeitsplatz. Da heißt es, den Konsum eisern einschränken und statt dessen die Vorsichtskasse füllen.

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