Rentenreform à la Gewerkschaft

In Frankreich sind die Bürger auf die Straße gegangen. Ei-nem Aufruf der Gewerkschaften folgend wurde gegen Pläne der bürgerlichen Regierung demonstriert, das Rentensystem einer radikalen Reform zu unterziehen. Insbesondere wandten sich die Streikenden gegen das Vorhaben, den Zeitpunkt für den Eintritt in den Ruhestand nach hinten zu verschieben und den Zeitraum für die Erlangung der vollen Rentenansprüche zu verlängern. Frankreich nimmt damit eine Entwicklung vorweg, die auch in Deutschland zu erwarten ist. Nach Abschluß der Analysen der von der Bundesregierung eingerichteten „Rürup-Kommission“ werden die gleichen Reformvorschläge mit großer Sicherheit auch für das deutsche Rentensystem zu erwarten sein. Der Protestschrei der deutschen Gewerkschafter dürfte dem ihrer französischen Kollegen kaum hintanstehen. Weiterhin ist zu erwarten, daß die deutschen Gewerkschaften ebenso wie die französischen grundsätzlich einen Reformbedarf des staatlichen Rentensystems durchaus anerkennen. Nur darf er halt nicht zu Lasten der momentan Beschäftigten erfolgen. Also keine Beitragsanhebung und keine Verlängerung der Beitragszeit. Mit dieser Einschränkung verlagern die Gewerkschaften die Bezahlung der Reformzeche zwangsläufig auf die Gegenseite, die Rentner. Ebenso unabwendbar ist dann die Senkung der Höhe der Rentenzahlungen. Denn die Dauer der Rentenzahlung, die restliche Lebenszeit nach Eintritt in den Ruhestand, kann kaum verkürzt werden (obwohl auch dies – etwa über die spezielle Gestaltung der staatlichen Krankheits- und Pflegeleistungen – nicht undenkbar ist). Es fehlt nun einmal eine spezielle Interessenvertretung der Rentner. Die Gewerkschaften sind es bestimmt nicht.

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