Selbstbewußte Journalisten von morgen

Sie tragen so klangvolle Namen wie Der Bumerang, Pestalozzi-Blitz oder auch Rhododendron-Blatt. Gemeinsam ist diesen drei Druckerzeugnissen, daß sie zu den 28 Preisträgern gehören, die am 11. Juni im Rahmen der Preisverleihung des Schülerzeitungswettbewerbs in den Räumen des Bundesrates vom Ratspräsidenten Ole von Beust ausgezeichnet wurden. Der Hamburger Regierungschef würdigte in seiner Laudatio die Innovationsbereitschaft und das gesellschaftspolitische Engagement, welches bei der Erstellung der Schülerzeitung eine große Rolle spiele. Der von der Jugendpresse und der Kultusministerkonferenz ins Leben gerufene Preisverleih ist nur einer von vielen Wettbewerben, der für Schülerzeitungsmacher ausgerufen wird. So bietet auch das Nachrichtenmagazin Spiegel seit Jahren einen solchen Wettbewerb an und locken die Macher neben der Reputation auch mit einer beruflichen Perspektive. „In den Redaktionen der Schulen sitzen die künftigen Journalisten von morgen“, heißt es in einer Mitteilung der Geschäftsführung. Den Gesamtsieg des diesjährigen Wettbewerbs sicherte sich das Blatt Meuterei aus Nordenham im Oldenburger Land. Neben den Einzelkategorien Inhalt und Layout spielten beim Votum der Jury auch das Vorhandensein und die Pflege eines Online-Auftrittes eine Rolle. Wichtigstes Kriterium aber war die Themenwahl – in der Meuterei war dies die Arbeitslosigkeit in der Region Nordenham, der Leistungsdruck in der Schule und die Konkurrenz der Schwellenländer untereinander. Auf Grund der hohen Fluktuation ist die Bezifferung, der in Deutschland erscheinenden Schülerzeitungen schwer möglich. An den verschiedenen Wettbewerben, zu denen alle deutschen Schulen von den Organisatoren angeschrieben wurden, haben sich in den vergangenen Jahren rund 2.000 Redaktionen beteiligt. Der Verband der Jugendpresse geht aber von einer zusätzlichen Dunkelziffer aus. So erscheinen etwa 2.500 Blätter in unterschiedlichem Rhythmus. Die Ursprünge gehen hierbei bis in das 19. Jahrhundert zurück. Nach dem letzten Weltkrieg gewannen die Printprodukte zusehends mehr Einfluß an den Schulen. Schülerzeitungen galten aber lange Zeit als Domäne der Gymnasien. Mittlerweile hat sich dies geändert, die Verbreitung hat an Real- und Grundschulen sprunghaft zugenommen. Als problematisch hat sich die Rechtslage dargestellt. Durch die Kulturhoheit der Länder ist eine bundeseinheitliche Regelung bis heute nicht möglich. Es gibt in der Praxis kaum Handhabe, mit der ein Erscheinen verhindert werden kann. Es gelten die allgemein üblichen Grundsätze der Pressefreiheit. Eine Verbreitung auf dem Schulgelände kann dann untersagt werden, wenn der Schulfrieden gestört wird. Bekanntester Fall ist die Affäre um Sophies Unterwelt, einer durch die Schulleitung verbotenen Zeitung der Sophie-Barat-Schule in Hamburg, die als Gegenzeitung zur offiziellen Zeitung Sophies Welt gegründet wurde. Der Streit um die Zeitung erregte im Schuljahr 2004/05 öffentliches Aufsehen. Die Redakteure weigerten sich, die Anforderungen der Schulleitung für eine Anerkennung zu akzeptieren und einen Beratungslehrer anzunehmen. Daraufhin wurde Sophies Unterwelt verboten, die Redakteure verkauften ihr Blatt aber vor der Schule und erreichten sogar den ersten Platz beim Hamburger Schülerzeitungswettbewerb. Dieser Fall ist exemplarisch für die Grundsatzprobleme der Schülerzeitungen, in denen Artikel auch schon mal zu Generalabrechnungen mit ungeliebten Lehrern werden, zeugt aber auch vom gestiegenen Selbstbewußtsein der Blattmacher. Auffällig ist allerdings, daß es trotz der Vielzahl der Zeitungen bisher kaum politische Auseinandersetzungen gab. Die ganz heißen (politischen) Eisen werden in den Redaktionsstuben folglich nicht angefaßt. Foto : Sieger des Schülerzeitungswettbewerbs der Länder im Bundesrat (11. Juni 2008): Immer die Sprachrohre der Schülerschaft?

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