„No-go“-Zonen für Deutsche

Die Tür öffnet sich, und eine zehnköpfige Gruppe junger Männer entert – ein Kauderwelsch aus Berlinerisch, Türkisch und Arabisch auf den Lippen – das S-Bahn-Abteil. Die gutbürgerlichen Fahrgäste im Berliner Nobelbezirk Grunewald sind etwas überrascht. Nehmen aber kaum Notiz – noch nicht! Denn ein paar Sekunden später steht der Waggon im Nebel diverser Deo-Spraydosen. Diese hatten die Halbstarken mitgebracht, und es bereitete ihnen große Freude, alles einzusprühen. Dann flogen auch Kleinstgegenstände durchs Abteil, und die Mienen der Fahrgäste verfinsterten sich. Doch nur eine ältere Dame fand den Mut, die Meute zur Rede zu stellen. Sie monierte, appellierte und erntete Gelächter. Von dem sonst ständig geforderten „Respekt“ keine Spur. „Ein besorgniserregender Zustand“ Ein Einzelfall? Mitnichten. Nur ein eher harmloser. Daß es auch anders geht, erfährt man seit Monaten sporadisch in den Zeitungen und ist überrascht über das Ausmaß der Repektlosigkeit und alltäglichen Brutalität. Selbst dem linksliberalen Berliner Tagesspiegel platzte nun der Kragen, und er berichtete – ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen – über den „täglichen Terror“: „Sie sind jung, nicht-deutscher Herkunft, gewaltbereit – und versetzen ihre Altersgenossen täglich in Angst“. Gleich zu Beginn des Textes heißt es, „fast jeder Jugendliche, der in Berlin aufgewachsen ist, weiß, wie es sich anfühlt, von arabisch-türkischen Jugendlichen angepöbelt, verprügelt oder ausgenommen zu werden“. Das Echo der Leser auf diesen Artikel war dann schon im Weblog der Zeitung so groß, daß es selbst die Blattmacher überrascht haben dürfte ( siehe Zitate auf dieser Seite und den Bericht auf S. 6 ). Der negativen Erfahrungen aus dem Alltag gibt es genug: ob nun die junge Mutter stutzt, wenn sie auf dem Kinderspielplatz in Neukölln den bis dato unbekannten gewalttätigen Umgang unter Kleinstkindern mit Migrationshintergrund beobachten muß. Ob die alte Dame in Kreuzberg mit Erschütterung erzählt, wie ihr ein Bandenmitglied die Börse aus der Brusttasche stahl und fortrannte, dessen Kollegen dem Opfer dann auch noch süffisant Hilfe anboten, um sie abzulenken. Ob der U-Bahn-Nutzer einfach nur den Blick in die falsche Ecke richtet und darauf unverhohlen Schläge angedroht bekommt. Ob ausländische Jugendliche das Freibad Pankow terrorisieren (JF 31-32/06), oder ob ein Berliner Polizeibeamter während einer Schulparty des Georg-Büchner-Gymnasium in Lichtenrade durch eine Gruppe türkischer und arabischer Jugendlicher beinahe totgeschlagen wird (JF 5/07) – die Angst fährt und geht mit jedem mit. Mittlerweile hält auch die Berliner Polizeiführung längst nicht mehr hinter dem Berg und konstatierte in ihrer Kriminalstatistik 2005 einen „besorgniserregenden Zustand“. Jeder dritte Jugendliche nichtdeutscher Herkunft werde straffällig, hieß es da schnörkellos. Gegenüber dem Tagesspiegel verlautete ein leitender Polizeibeamter resignierend: „Wenn ich die Akten zu den Straftaten lese, haben die jugendlichen Täter fast immer ausländische Namen – selbst, wenn sie einen deutschen Paß haben.“ Die Zahlen für das Jahr 2006 sprechen die gleiche Sprache. Zum Leidwesen des Berliner Innensenators Ehrhart Körting (SPD) und des Polizeipräsidenten Dieter Glietsch, die konkrete Angaben zur ausländischen Jugendkriminalität nicht gern an die große Glocke hängen, sind sie wieder angestiegen. Denn laut Berliner Morgenpost , der die Zahlen bereits vorliegen, betrug der Anteil von Jugendlichen nicht-deutscher Abstammung im Bereich der Gewalttaten 2006 teilweise 50 Prozent, in einigen Deliktsparten wie Straßenraub sogar 80 Prozent. Aktuell sind in der Hauptstadt knapp 1.000 Intensivtäter nichtdeutscher Herkunft registriert, davon einige, gegen die bereits bis zu 70 Verfahren eingeleitet wurden. Angesichts solcher Fakten geben die Berliner Medien langsam, aber sicher ihre bisherige Haltung auf und berichten plötzlich offen über die Probleme mit arabisch- und türkischstämmigen Jugendlichen. Es geht um die Wahrnehmung einer neuen Stadtguerilla: meist arabisch- und türkischstämmige Kinder und Jugendliche, die sich aus ihren „ethnischen Kolonien“ heraus formieren und in einem schleichenden Prozeß rechtsfreie Räume schaffen, in denen sich die Polizei lieber nicht blicken läßt. Bislang wurde das Zurückweichen der Staatsmacht noch euphemistisch zur „Deeskalations-Strategie“ erklärt. So geschehen im vergangenen November, als es in mehreren Stadtbezirken Berlins zu diversen Attacken arabisch- und türkischstämmiger Jugendlicher gekommen war, die sich damals insbesondere auch gegen Rettungskräfte und Polizeibeamte gerichtet hatten (JF 48/06). In der Folge hatte Polizeipräsident Dieter Glietsch angekündigt, seine Beamten aus den betroffenen Gegenden weitgehend abzuziehen, um die gewaltbereite Macho-Kultur der Türken- und Arabercliquen nicht zu provozieren. Diese bedanken sich dafür mit einem „Weiter so“. Bezeichnend ist dabei, wie das Beispiel an der Lichtenrader Schule zeigt, daß die Übergriffe und Provokationen durch Einwandererkinder sich mittlerweile nicht mehr nur auf klassische Problembezirke mit hohem Ausländeranteil (Wedding, Tiergarten, Kreuzberg, Nord-Neukölln) beschränken, sondern sich sukzessive auf die anderen Stadtviertel ausbreiten. Doch wie kompliziert die Thematik immer noch sein kann, wenn jemand an den multikulturellen „Schlaf der Welt“ rührt, zeigt das Beispiel des im Dezember 2006 vom Berliner Senat geschaßten Franzosen Gilles Duhem, der im berüchtigten Rollbergviertel als Quartiermanager gearbeitet hatte. Durch die Null-Toleranz-Strategie des aus Paris stammenden Städteplaners war in den vergangenen drei Jahren die Kriminalitätsrate des Viertels um ein Drittel zurückgegangen. Seine kompromißlose Arbeit wurde ausgezeichnet, im Frühjahr 2006 gar stattete ihm Integrationsministerin Maria Böhmer (CDU) einen Besuch ab – zusammen mit ihrem französischen Amtskollegen Azouz Begag, der während der Krawalle in den Pariser Vorstädten neben Innenminister Nicolas Sarkozy ein Bild vollkommener Hilflosigkeit abgegeben hatte. Hier sollte ihm ein Beispiel erfolgreicher Integrationsarbeit präsentiert werden. Doch damit dürfte es nun auch im Rollbergkiez vorbei sein. Duhem war um deutliche Worte nicht verlegen, beispielsweise Anfang Dezember 2006 bei einer Buchvorstellung in Berlin (JF 50/06). Dort präsentierte der Bremer Politikwissenschaftler Stefan Luft die Publikation „Abschied von Multikulti“ (Resch-Verlag). Duhem, der das Buch emphatisch als einen Wegweiser für die ganze Republik beschrieb, äußerte angesichts der sich ausbreitenden „ethnischen Kolonien“, es sei bereits „viertel nach 12“. Mit Blick auf die Einwanderung durch den Kreißsaal sprach er unumwunden von der Bedrohung Deutschlands durch den „Terror der Gebärmütter“. Wahrscheinlich müßten in Berlin und anderswo „erst wie in Frankreich die Autos brennen, damit diese Gesellschaft aufwacht“. Passanten weichen unwillkürlich aus Soweit war es beinahe Ende vergangenen Jahres, als nach den Konfrontationen mit der Polizei im Kreuzberger Wrangelkiez abends plötzlich Zusammenrottungen türkischer respektive arabischer Jugendgangs die Straßen eroberten. Noch ließen sich diese damals von den anrückenden Polizeieinheiten in die Seitenstraßen vertreiben. Wer dort mit dem Auto vorbeifuhr und als Deutscher zu erkennen war, dem wurde drohend die Faust entgegengestreckt. Im Gefolge der Preisgabe öffentlicher Autorität an ausländische Jugendclans nehmen die jungen Türken und Araber den urbanen Raum in ihren Besitz. Sie treten meist in Gruppen auf, meist zu dritt, so daß entgegenkommende Passanten konsequent auszuweichen versuchen. „Zu Hause stehen die jungen Männer unterm Pantoffel: Der Vater ist der Chef, da dürfen sie nicht aufmucken“, wie ein Polizeisprecher erläuterte. Daß diese Neigung zur Gewalt gegen die herrschende Ordnung zumindest in Berlin mittlerweile Alltag ist, zeigt die jüngste Polizeimeldung: Erst letzten Freitag wurde erneut ein Polizist mit einem Messer von einem türkischen Jugendlichen attackiert. Der siebzehnjährige Täter, der nach Aufnahme seiner Personalien den Eltern übergeben wurde, hatte zuvor mit seiner Clique Wachschutzleute am Potsdamer Platz bedroht. Die Zeichen stehen auf Sturm, und die Betriebsblindheit bei den Medien und in der Politik erhält erste Risse. Sehr spät. Denn gerade der Ort des brutalen Überfalls auf den Polizeibeamter am Lichtenrader Gymnasium entbehrt nicht einer gewissen Symbolik und Tragik: Ausgerechnet hier, im Georg-Büchner-Gymnasium in Lichtenrade, fand im September 1999 – vor den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus – eine Podiumsdiskussion mit den Kandidaten des Bezirkes Tempelhof statt, unter ihnen auch Walter Momper (damals SPD-Kandidat für den Posten des Regierenden Bürgermeisters). Als der auf dem Podium ebenfalls vertretene nationalliberale Kandidat der FDP vor den Folgen der „mulitkulturellen Gesellschaft“ warnte, kam es zu einem Eklat. Das drohende Szenario von Parallelgesellschaften als Folge einer gescheiterten Integration und der Verweis auf die zur Gewalttätigkeit neigenden ausländischen Jugendlichen erregte die anderen Parteienvertreter maßlos – und die Jahre verstrichen.

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