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Nachrufe auf Wolfgang Venohr

Vaterlandsliebe Hellmut Diwald und Sebastian Haffner im Gespräch: Wer in den späten siebziger Jahren über das „deutsche Dasein“ nachgedacht hat, dem wird dieses Bild in den Sinn kommen. Es gehört auch zu meinen Erinnerungen. Wolfgang Venohr hatte die beiden zusammengebracht und setzte einen Markstein, wie auf den öffentlich-rechtlichen Fernsehkanälen damals noch über deutsche Geschichte diskutiert werden konnte: mit einer bei allen Differenzen unverkennbaren Liebe zum eigenen Land. Diese Haltung prägte Venohrs Schriften und sein Leben. Sie ließ ihn seine persönlichen Worte für den Aufstand des 20. Juli finden: „Jegliche Darstellung des Widerstands, die vom Motiv der Humanitätsbejahung das der Vaterlandsliebe zu trennen sucht, ist historisch falsch!“ Es gehörte zu Venohr, mit solchen Einschätzungen immer wieder zwischen den verschiedensten Stühlen zu landen. Die Begriffe Humanität und Vaterlandsliebe in einem Zug zu nennen, gilt heute jedenfalls vielfach als unzeitgemäß. Dies bleibt unhistorisch und falsch, Wolfgang Venohr hat es aufgezeigt. Stefan Scheil Dr. Stefan Scheil ist Historiker und Buchautor. Aufrecht Ich lernte Dr. Venohr 1980 kennen, als ich einen Dokumentarfilm über mein Buch „Die Wehrmacht-Untersuchungsstelle“ (Universitas) plante. Venohr erkannte sofort die Brisanz der Akten der Wehrmacht-Untersuchungsstelle, die jahrzehntelang gesperrt in Washington lagerten und erst jüngst an das Bundesarchiv zurückgegeben worden waren. Diese richterlichen Ermittlungen über alliierte Kriegsverbrechen stellten „den bedeutendsten Aktenfund seit den Nürnberger Prozessen“ dar. Zusammen mit Prof. Dr. Michael Vogt drehten wir zwei Filme, die im März 1983 von der ARD mit hohen Einschaltquoten ausgestrahlt, jedoch leider nie wiederholt wurden, obwohl sie heute um so notwendiger wären. Aus dieser Zusammenarbeit entstand eine Freundschaft, die wir telefonisch, brieflich und auch persönlich weiter pflegten. Neben seinen Qualitäten als geistreicher Historiker mit einem Sinn für Verhältnismäßigkeit schätzte ich ihn als einen aufrichtigen Deutschen, für den Werte wie Anstand, Wahrheit und Identität wichtiger als Opportunismus waren. Die intellektuelle Unredlichkeit vieler deutscher und auch amerikanischer Historiker sowie die unvorstellbare Verlogenheit vieler deutscher und amerikanischer Politiker haben wir oft diskutiert und bedauert. Als Amerikaner wünschte ich mir, mehr Deutsche wären wie Dr. Venohr. I am honoured to have known him. I will miss him. Alfred de Zayas Prof. Dr. jur. Dr. phil. Alfred M. de Zayas ist amerikanischer Völkerrechtler, Historiker und Buchautor. Kameradschaft Seine Kameradschaftlichkeit, mit der er mir im Disput auch Stichworte für meine Argumentation gab, und seine persönliche Fürsorglichkeit machten ihn mir zum Freund, dessen Urteil ich vertraute, weil es ihm schlicht um Wahrheit und Gerechtigkeit ging. Die „intellektuelle Selbstverachtung“ (Lennart Meri) der öffentlichen Klasse empörte ihn. Doch obwohl ganz Preußen-Deutscher, vielmehr gerade deshalb, kam es ihm nie in den Sinn, den britischen Maßstab „my country, right or wrong“ anzulegen. Wolfgang Venohr setzte so mutig und anschaulich Landmarken nationaler Selbstachtung über die Niederungen deutscher Zeitgeist-Geschichtsschreibung und Nationalvergessenheit. Manfred Backerra Manfred Backerra ist Oberst a. D. Dialog Wolfgang Venohr begegnete mir zuerst auf dem Fernseh-Bildschirm als jemand, der – offenkundig nicht ohne Sympathie und mit einem besonderen Gespür für den oft übersehenen „nationalen“ Motivstrang des Gesprächspartners – kurz vor dem Attentat im April 1968 Rudi Dutschke interviewte, eine noch heute sehenswerte Arbeit. Im Verlauf der siebziger Jahre nahm ich Venohr intensiver als einen der wenigen deutschen Fernsehjournalisten und Publizisten war, die mit ihren Positionen quer zu den gängigen politischen Frontenbildungen langen. Im Anschluß an einen Film Venohrs über die DDR und an die von Herbert Ammon von mir herausgegebene Dokumentensammlung „Die Linke und die nationale Frage“ (Januar 1981) entspann sich ein menschlich überaus angenehmer und sachlich interessanter persönlicher Dialog, der dann in die Mitwirkung von Ammon/Brandt an dem Venohrschen Sammelband „Die deutsche Einheit kommt bestimmt“ (April 1982) – mit Autoren aus einem breiten politischen Spektrum – mündete. Dieser Band ließ in Kreisen des politischen Establishment nicht nur Deutschlands damals manche Alarmglocken erschallen; es war die Zeit der Auseinandersetzung über die Nato-„Nachrüstung“, die grundlegende Sicherheits-, Status- und Selbstbestimmungsfragen wieder aufwarfen. Er bleibt fest in meinem Gedächtnis vor allem wegen seiner absoluten Geradlinigkeit, als Beispiel für einen ehedem begeisterten, jungen Nationalsozialisten, der souverän seine Konsequenzen aus der Katastrophe gezogen hatte, als eigenständiger Geist, dessen zugleich betont preußischer und schwarz-rot-goldener Nationalpatriotismus frei von besitzbürgerlicher Befangenheit und reaktionärem Spießertum war, nicht zuletzt als Mensch mit großem Respekt für andere Auffassungen und Lebenswege. Peter Brandt Prof. Dr. Peter Brandt lehrt neuere Geschichte an der Fernuniversität Hagen Eine Bombe In eine Mischung aus Ignoranz und Heuchelei schlug der Ruf Wolfgang Venohrs wie eine Bombe: „Die deutsche Einheit kommt bestimmt!“ Er meinte nicht, sie komme von allein. Seine Aussage war, die Einheit werde entweder durch eine zielgerichtete Politik erreicht oder die Teilung ende im gemeinsamen Massengrab. Seine politische Leistung war, Publizisten zusammenzuführen, Rechte und Linke, die das Leiden an Deutschland verband. Das Echo war enorm. Wiedervereinigung war wieder ein Thema. Für uns im Gesamtdeutschen Institut brachte Venohr Erleichterung in der deutschlandpolitischen Bildung. Zwar war die Einheit weiterhin kein Ziel praktischer Politik. Aus der öffentlichen Diskussion verschwand sie aber nicht mehr. Wolfgang Venohr trug dazu bei, daß Deutschland 1990 zügig zusammenwuchs. Detlef Kühn Detlef Kühn war von 1972 bis 1991 Präsident des Gesamtdeutschen Instituts. Trotzdem Noch bei unserer letzten Begegnung, als er schon gezeichnet war von seiner schweren Erkrankung, waren sein historischer Optimismus und seine Bejahung des „Trotz alledem“ unerschütterlich. Wenn dieses Land nicht komplett sich selbst vergißt und verrät, dann wird es den großen Patrioten Wolfgang Venohr nicht vergessen, dann wird auch bewußt bleiben, wie untrennbar für ihn die Idee eines demokratischen, aufgeklärten Patriotismus mit preußischen und freiheitlich-sozialistischen Idealen verwoben war. Rolf Stolz Rolf Stolz war Mitbegründer der Grünen und lebt heute als Publizist in Köln.

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