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Stefan Weber: Schwere Plagiatsvorwürfe gegen frühere Ethikrat-Chefin Alena Buyx

Stefan Weber: Schwere Plagiatsvorwürfe gegen frühere Ethikrat-Chefin Alena Buyx

Stefan Weber: Schwere Plagiatsvorwürfe gegen frühere Ethikrat-Chefin Alena Buyx

Der österreichische Plagiatsjäger Stefan Weber macht ihr nach Prüfung ihrer Dissertation schwere Vorwürfe: Alena Buyx. Foto: picture alliance / teutopress | -
Der österreichische Plagiatsjäger Stefan Weber macht ihr nach Prüfung ihrer Dissertation schwere Vorwürfe: Alena Buyx. Foto: picture alliance / teutopress | -
Der österreichische Plagiatsjäger Stefan Weber macht ihr nach Prüfung ihrer Dissertation schwere Vorwürfe: Alena Buyx. Foto: picture alliance / teutopress | –
Stefan Weber
 

Schwere Plagiatsvorwürfe gegen frühere Ethikrat-Chefin Alena Buyx

Der Plagiatsprüfer Stefan Weber erhebt schwere Vorwürfe gegen die frühere Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Alena Buyx. In der Dissertation der Corona-Hardlinerin will er 73 Plagiate identifiziert haben. Die JF kennt die Details.
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MÜNSTER. Der österreichische Plagiatsprüfer Stefan Weber hat der Medizinethikerin Alena Buyx in einem umfangreichen Gutachten Verstöße gegen die gute wissenschaftliche Praxis vorgeworfen. In der 2005 an der Medizinischen Fakultät der Universität Münster eingereichten Dissertation mit dem Titel „Lateralisierung von Aufmerksamkeit bei gesunden Linkshändern und Rechtshändern. Eine Studie mit funktioneller transkranieller Dopplersonografie (fTCD)“ habe er 73 „Text- und Quellenplagiatsfragmente“ dokumentiert.

Das Gutachten umfaßt mehrere Dutzend Seiten und listet die beanstandeten Stellen tabellarisch auf. Weber stützt sich nach eigenen Angaben auf eine Softwareprüfung (Turnitin Similarity) sowie ergänzende Recherchen unter anderem mit WCopyfind und der Wayback Machine.

Sein zentraler Vorwurf lautet, Buyx habe in zahlreichen Passagen nicht nur inhaltliche Ausführungen, sondern auch Literaturangaben aus älteren Dissertationen derselben Fakultät übernommen, ohne dies als Sekundärzitate kenntlich zu machen.

Identische Zitierfehler als Indiz gegen Buyx

Besonders belastend seien aus Webers Sicht identische Zitierfehler. So fänden sich in der Dissertation von Buyx dieselben falschen Seitenzahlen, fehlerhaften Namensschreibungen oder unvollständigen Literaturangaben wie in früheren Arbeiten. Solche Übereinstimmungen wertet Weber als Indiz dafür, daß die Originalquellen nicht eigenständig konsultiert, sondern aus fremden Literaturverzeichnissen übernommen worden seien. Er spricht in diesem Zusammenhang von einem „zitationsbasierten Ansatz“ der Plagiatsforschung.

Als mutmaßliche Vorlagen nennt Weber in einem Beitrag auf seinem Blog unter anderem Dissertationen von Anneken (2003), Dräger (2001), Jansen (2004), Bäcker (2001) und Manemann (2004), die sämtlich an derselben Fakultät entstanden. Die dokumentierten Parallelen betreffen vor allem die Grundlagen- und Methodenkapitel. Zwei Textübernahmen im Diskussionsteil wertet Weber als besonders schwerwiegend, da es sich hierbei nicht nur um reproduziertes Fachwissen, sondern um eigenständige Einordnung und Bewertung handeln müsse.

Insgesamt 73 Plagiate will Weber in der Dissertation von Buyx gefunden haben. Screenshot: zVg
Insgesamt 73 Plagiate will Weber in der Dissertation von Buyx gefunden haben. Screenshot: zVg

Der Fließtext der Dissertation umfaßt nach Webers Angaben 83 Seiten, hinzu kommen 30 Seiten Literaturverzeichnis mit insgesamt 284 Titeln, davon 265 englischsprachig. Zahlreiche Titel würden nur im Literaturverzeichnis erscheinen, ohne im Text zitiert zu sein; umgekehrt gebe es Literaturangaben im Text, die im Verzeichnis fehlten. Auch dies führt Weber als Hinweis auf eine möglicherweise nur formal umfangreiche, inhaltlich aber nicht durchgängig eigenständig erarbeitete Literaturarbeit an.

In seiner gutachterlichen Gesamtbewertung spricht Weber von deutlichen Verstößen gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis, die in Deutschland seit den späten neunziger Jahren normiert seien. Er fordert die Universität Münster auf zu prüfen, ob ein Verfahren zur Überprüfung und gegebenenfalls zur Entziehung des Doktorgrades einzuleiten sei.

Alena Buyx, Corona-Hardlinerin

Der Vorgang ist nicht nur akademisch, sondern auch politisch brisant. Alena Buyx war während der Corona-Jahre Vorsitzende des Deutschen Ethikrates und damit eine der einflußreichsten Stimmen in der öffentlichen Debatte über staatliche Eingriffe. Unter ihrer Leitung veröffentlichte der Ethikrat einen 161 Seiten umfassenden Bericht zur Bewertung der Corona-Maßnahmen. Darin werden einschneidende Instrumente wie Bewegungs- und Kontaktbeschränkungen, Maskenpflicht, Isolation und weitere Eingriffe in das öffentliche Leben in bestimmten Phasen grundsätzlich als gerechtfertigt eingeordnet. Zugleich forderte das Gremium eine frühzeitige, wissenschaftlich fundierte und konsequent umgesetzte Gesamtstrategie für künftige Krankheitswellen.

Auf seinem Blog veröffentlicht Weber die Vorwürfe gegen Buyx. Screenshot: zVg
Auf seinem Blog veröffentlicht Weber die Vorwürfe gegen Buyx. Screenshot: zVg

Stellungnahme steht aus

Die JUNGE FREIHEIT hat Alena Buyx mit den konkreten Vorwürfen konfrontiert und um eine Stellungnahme gebeten. Bisher liegt keine Antwort vor.

Im Streit um die Dissertation von Frauke Brosius-Gersdorf wehrt sich Weber unterdessen mit einer Gegenklage (die JF berichtete exklusiv). Da seine Rechtsschutzversicherung den Rechtsstreit mit der verhinderten Verfassungsrichterin allerdings nicht übernimmt, bittet Weber mittels einer GoFundMe-Spendenkampagne um finanzielle Unterstützung.

Der österreichische Plagiatsjäger Stefan Weber macht ihr nach Prüfung ihrer Dissertation schwere Vorwürfe: Alena Buyx. Foto: picture alliance / teutopress | –
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