DORTMUND/STUTTGART. Bei mehreren prokurdischen Demonstrationen in Deutschland ist es zu Ausschreitungen gekommen. In Dortmund schlugen die Teilnehmer der Kundgebung unter dem Motto „Gegen das Töten von Unschuldigen, Zivilisten und Kindern“ Scheiben von Imbißbetrieben ein, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte. Demnach wurden zwei Strafverfahren wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs eingeleitet. Zudem liefen „weitere intensive Ermittlungen“ zur Identifizierung der Tatverdächtigen.
Kurds stormed shop of 🇸🇾syrian arabs in 🇩🇪Dortmund pic.twitter.com/C9cf0vYdcf
— C4H10FO2P ☠️ (@markito0171) January 20, 2026
Statt der angemeldeten 400 Personen kamen rund 4.000 Personen zum Protest. Einige attackierten die Polizeibeamten mit Steinen und warfen mit Böllern um sich. Sieben Sicherheitskräfte seien durch die Explosionen verletzt worden, heißt es weiter von der Polizei. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl mußte die Aufzugsstrecke geändert werden. Laut dpa waren mehrere hundert Beamte im Einsatz.

In Stuttgart mußte die Polizei nach eigenen Angaben den Demonstrationszug „Solidarität mit Rojava“ wegen des Zündens von Pyrotechnik wiederholt anhalten. Daraufhin hätten die Teilnehmer die Beamten mit Feuerwerkskörpern angegriffen und versucht, die Polizeikette gewaltsam zu durchbrechen. Gegen sie sei Pfefferspray eingesetzt worden, 75 Personen konnten zudem polizeilich umschlossen werden. Auch hier fiel die Zahl der Teilnehmer mit 2.000 Personen weit höher als angekündigt aus.
Kurdenvertreter warnen vor Bedrohung in Syrien
Derzeit gilt in Syrien eine Waffenruhe zwischen der Armee und den kurdischen Milizen. Am Montag hatte der syrische Präsident Ahmed al-Scharaa aufgrund der Kämpfe im Nordosten des Landes seinen Besuch in Berlin abgesagt. Zuvor war eine Demonstration mehrerer kurdischer und alevitischer Organisationen gegen ihn in der Bundeshauptstadt angekündigt worden. Die Veranstalter werfen dem ehemaligen Anführer der islamistischen Miliz Hajat Tahrir al-Scham vor, während des Bürgerkrieges für Massaker und Vertreibungen an Zivilisten verantwortlich gewesen zu sein. Auch weiterhin seien Minderheiten wie Kurden, Aleviten, Alawiten sowie christliche Gemeinschaften akut bedroht.
Schätzungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge zufolge leben bis zu einer Million Kurden in Deutschland. Die kurdischen Gebiete in Syrien, allen voran die Region Rojava, gelten zudem mit dem basisdemokratischen Staatsmodell als Vorbild für Linke weltweit. Am Sonnabend hatten mutmaßliche Linksextremisten die türkische Botschaft in Berlin mit Farbe beschmiert (die JF berichtete). In ihrem Selbstbezichtigungsschreiben bezeichneten sie die syrische Regierung als „Jihadistenbanden“, die „mit internationaler Rückendeckung morden und die Revolution in Rojava angreifen“. (kuk)






