WASHINGTON. Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) und Außenminister Johann Wadephul (CDU) haben sich auf den Weg in die USA gemacht. Ziel der Reisen sei es, die US-Regierung von Plänen abzubringen, das zu Dänemark gehörende Grönland unter amerikanische Kontrolle zu bringen. In Berlin wird befürchtet, ein solcher Schritt könne die Nato in eine schwere Krise stürzen.
Klingbeil hat bereits bei einem Dinner auf Einladung von US-Finanzminister Scott Bessent klargestellt, daß Deutschland von den Vereinigten Staaten die Achtung des Völkerrechts erwarte.
Über die Zukunft Grönlands könnten ausschließlich Dänemark und die Grönländer selbst entscheiden. Die Sicherheit in der Arktis lasse sich nur gemeinsam im Bündnis gewährleisten, nicht durch ein Gegeneinander. Wadephul führt indes in Washington Gespräche mit der US-Regierung, unter anderem mit Außenminister Marco Rubio. Neben Grönland stehen auch der Ukraine-Krieg und die transatlantische Sicherheit auf der Agenda. Der Außenminister betonte, Grönland gehöre unbestritten zum Königreich Dänemark. Der europäische Zusammenhalt in dieser Frage sei eindeutig. Auf dem Rückweg plant Wadephul zudem einen Besuch bei UN-Generalsekretär António Guterres in New York.
Wadephul und Klingbeil reisten jeweils in eigenen Jets
Am Rande der Reise wurde bekannt, daß Klingbeil und Wadephul getrennt in die USA geflogen sind. Beim Zwischenstopp in Reykjavik trafen beide zwar zusammen, setzten ihre Reise jedoch mit zwei verschiedenen Maschinen fort. Das Auswärtige Amt erklärte dazu laut dem Journalisten Andreas Kynast, ein gemeinsamer Flug werde grundsätzlich geprüft, sei hier aber nicht möglich gewesen. Wadephul habe noch Programm auf Island absolviert, bleibe länger in den USA und reise nicht wie Klingbeil aus Washington, sondern aus New York zurück.
Zwischenstopp in Reykjavik:
Rechts die Maschine von Außenminister Wadephul, der in die USA reist.
Links die Maschine von Finanzminister Klingbeil, der in die USA reist.
Begründung des Auswärtigen Amts:
1/2 pic.twitter.com/Af0kGIT7X8
— Andreas Kynast (@andikynast) January 11, 2026
Deutschland will mehr Verantwortung in der Arktis
Dieser Zwischenstopp war mehr als nur logistischer Natur. In Reykjavik traf Wadephul die isländische Außenministerin Thorgerdur Katrín Gunnarsdóttir zu Gesprächen über die Sicherheitslage im Nordatlantik. Der Minister machte deutlich, daß Deutschland bereit sei, in der Arktis mehr Verantwortung zu übernehmen. Die Region stehe vor tiefgreifenden Veränderungen: Russische Ambitionen nähmen zu, China engagiere sich stärker, zugleich richte US-Präsident Donald Trump seinen Fokus zunehmend auf Grönland.
Wadephul warb dafür, bestehende Meinungsverschiedenheiten zwischen Europa und den USA im Dialog zu klären und ein gemeinsames Vorgehen im Nato-Rahmen zu finden – nicht nur in der Ukraine, sondern auch in der Arktis. Als Beispiel verwies er auf die bereits ausgebaute sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit Island, das an der geostrategisch wichtigen GIUK-Lücke zwischen Grönland, Island und Großbritannien liegt. Deutschland habe dort bereits signalisiert, sein Engagement bei Überwachung, Logistik und dem Schutz kritischer Infrastruktur zu verstärken. (rr)






