Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, beklagt mangelnde Wertschätzung für die türkischen Gastarbeiter Foto: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow
Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, beklagt mangelnde Wertschätzung für die türkischen Gastarbeiter Foto: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

60 Jahre Anwerbeabkommen
 

Türkische Gemeinde beklagt mangelnde Wertschätzung für Gastarbeiter

BERLIN. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, hat beklagt, daß die Leistung der türkischen Gastarbeiter in Deutschland nicht ausreichend anerkannt worden sei. „Die Leistung der ersten Generation, die in den 60er Jahren nach Deutschland kam, wurde nicht sehr wertgeschätzt“, sagte er dem Bayrischen Rundfunk.

Zudem sei damals nicht an die Eingliederung der Menschen gedacht worden, kritisierte Sofuoglu. „Man hat gar nicht an Integration gedacht. Man hat geglaubt, die Gastarbeiter kommen, arbeiten ein paar Jahre, haben dann genug Geld verdient und gehen dann wieder.“

Die nachfolgenden Generationen der in Deutschland gebliebenen Türken seien in dem Land angekommen, betonte er. Sie hätten die Sprache gelernt und selbst Betriebe eröffnet. Er bemängelte aber ihre mangelnde Repräsentation in der deutschen Gesellschaft. „Wenn man sich genau anschaut, wie Deutschland regiert und verwaltet wird, sieht man sehr wenige Migranten oder Menschen mit türkischem Background. Das zeigt, daß Migranten angekommen sind, aber noch nicht im Staatsbild dieser Republik.“

Steinmeier dankt Gastarbeitern für Leistungen

Zwar rufe er die Türken in Deutschland immer wieder zu mehr Engagement in ihrer neuen Heimat auf. Doch das geschehe nicht, „weil man sich leider immer noch sehr ausgegrenzt fühlt“, äußerte Sofuoglu. Daher betrachteten sich die Menschen auch nicht für die Zukunft des Landes verantwortlich.

Bereits Ende September hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine stärkere Würdigung der Leistungen von Zuwanderern gefordert. Außerdem sprach sich das Staatsoberhaupt dafür aus, ihre Bedeutung für die Entwicklung der Gesellschaft besser anzuerkennen. „Wir sollten nicht mehr darüber reden, daß wir Menschen mit Migrationshintergrund haben, sondern wir sind über die Jahre ein Land mit Migrationshintergrund geworden: vielfältiger, offener.“

Baerbock sieht Einwanderung als Erfolgsgeschichte

Zuvor hob er bereits ihren Einfluß auf Deutschland hervor. Sie hätten das „Gesicht unseres Landes“ verändert, sagte Steinmeier anläßlich des 60. Jahrestages des Anwerbeabkommens zwischen der Bundesrepublik und der Türkei. Die Gastarbeiter, ihre Kinder, Enkel und Großenkel seien das heutige Deutschland. „Ein Deutschland ohne sie ist schlicht nicht mehr vorstellbar. Die Menschen aus der Türkei, Griechenland, Italien und Spanien seien vor 60 Jahren nach Deutschland gekommen, „weil wir sie eingeladen haben“.

Auch Grünen-Chefin Annalena Baerbock lobte die türkische Einwanderungsbewegung und bezeichnete sie als „große deutsche Erfolgsgeschichte“. Die Gastarbeiter hätten die westdeutsche Gesellschaft damals „wirtschaftlich, kulturell, sozial und politisch maßgeblich mitgeprägt“. (ag)

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