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Frank-Walter Steinmeier
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schloß Bellevue Foto: picture alliance / AA | Abdulhamid Hosbas

60 Jahre Anwerbeabkommen
 

„Haben das Gesicht unsers Landes verändert“: Steinmeier dankt Gastarbeitern

BERLIN. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den Gastarbeitern für ihre Leistungen in Deutschland gedankt. Sie hätten das „Gesicht unseres Landes“ verändert, sagte Steinmeier anläßlich des 60. Jahrestages des Anwerbeabkommens zwischen der Bundesrepublik und der Türkei am Freitag im Schloß Bellevue. Die Gastarbeiter, ihre Kinder, Enkel und Großenkel seien das heutige Deutschland. „Ein Deutschland ohne sie ist schlicht nicht mehr vorstellbar.“

Die Menschen aus der Türkei, Griechenland, Italien und Spanien seien vor 60 Jahren nach Deutschland gekommen, „Weil wir sie eingeladen haben“, erläuterte der Bundespräsident. Und weil Deutschland sie gebraucht habe.

„Ihnen verdankt dieses Land sehr viel. Eine kluge Frau, die heute unter uns ist, sagte mir einmal: ‘Wir sind doch keine Gäste in einem Haus, das wir selbst mit gebaut haben!’ Nicht nur das deutsche Wirtschaftswunder, nein – die Entwicklung dieser deutschen Gesellschaft war und ist maßgeblich mitgetragen von Italienern, von Griechen, von Spaniern und Türken.“

Gesellschaftlich offener, vielfältiger und wirtschaftlich stärker

Gleiches gelte für die ehemaligen Vertragsarbeiter in der früheren DDR aus Kuba, Vietnam und Mosambik. „Sie alle haben nicht nur äußerlich das Gesicht unseres Landes verändert mit dem, was ihre Hände aufgebaut haben. Sondern sie haben die deutsche Gesellschaft im Innersten verändert. Und auch sechzig Jahre danach ist es nicht zu spät, Danke zu sagen. Ich danke Ihnen – als Bürger und als Bundespräsident im Namen des ganzen Landes!“

Die Gastarbeiter hätten viel dazu beigetragen, daß Deutschland heute gesellschaftlich offener, vielfältiger, wirtschaftlich stärker und wohlhabender sei. Die Bedeutung des Begriffes „deutsch“ habe sich mit der Zuwanderung verändert. „Deutsch zu sein, das kann heute genauso bedeuten, daß die Großeltern aus Köln oder Königsberg stammen wie aus Istanbul oder Diyarbakır.“

Und auch in Zukunft werde Deutschland Einwanderer brauchen, die anpackten und an der Zukunft des Landes mitbauten. „Einwanderung wird auch zur Zukunft unseres Landes gehören, wenn wir ein starkes und wohlhabendes Land bleiben wollen.“

Deutsche Politiker behaupten heutzutage regelmäßig, die Bundesrepublik habe in den sechziger Jahren die Gastarbeiter aus der Türkei gerufen. Tatsächlich ging die Initiative aber von den Herkunftsstaaten aus, wie der Migrationsforscher Johannes-Dieter Steinert bereits vor zehn Jahren anläßlich des 50. Jahrestages des Anwerbeabkommens im Interview mit der JUNGEN FREIHEIT erläuterte.

Die damals politisch instabile und wirtschaftliche schwache Türkei erhoffte sich von der Maßnahme einerseits einen Lohntransfer, da klar war, daß die Gastrabeiter das Geld zu ihren Familien nach Hause schicken würden. Auch ging die türkischer Regierung davon aus, daß ihre Landsleute nach einigen Jahren wieder zurückkehren würden. Ihre im Ausland erworbenen Fähigkeiten sollten dann ebenfalls der türkischen Wirtschaft zugute kommen. (krk)

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schloß Bellevue Foto: picture alliance / AA | Abdulhamid Hosbas
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