AFD Sachsen Wir Frauen brauchen keine Quote!
AfD-Bundestagsabgeordnete Joana Cotar und Joachim Wundrak
AfD-Bundestagsabgeordnete Joana Cotar und Joachim Wundrak Foto: picture alliance/dpa | Vennenbernd;Stratenschulte

Wer führt die AfD in den Bundestagswahlkampf?
 

Ein Spitzenduo und viele Fragezeichen

Beim Parteitag Anfang April in Dresden hatte die AfD die Entscheidung, mit welchen Spitzenkandidaten sie in den Bundestagswahlkampf ziehen will, noch vertagt. Doch mittlerweile kommt zunehmend Licht ins Dunkel des möglichen Bewerberfelds. Eine, die früh ihre Ambitionen öffentlich gemacht hatte, ist die digitalpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Joana Cotar.

Unter nicht wenigen Mitgliedern gilt aber auch der AfD-Co-Vorsitzende Tino Chrupalla aus Sachsen als gesetzt. Er repräsentiert die Ost-Verbände, und viele in der Partei wünschen sich ein Spitzenteam, das Ost und West vereint. Chrupalla, männlich, aus dem Osten, und Cotar, weiblich, aus dem Westen, wäre solch ein mögliches Team gewesen. Doch daraus wird nun nichts. Wie Cotar am Dienstag bekannt machte, bewirbt sie sich mit dem ehemaligen Luftwaffengeneral Joachim Wundrak um die Spitzenkandidatur.

Gleichzeitig nutzte sie die Mitteilung, um einen Pfeil Richtung Sachsen zu schießen. Sie bedaure es, daß Chrupalla ihr Angebot, ein Team zu bilden, nicht angenommen habe. Deswegen trete sie nun gemeinsam mit Wundrak an. „Wir stehen zusammen für Tradition und Modernisierung, für Wohlstand und Sicherheit“, heißt es in der Mitteilung. Man wolle die AfD als Partei positionieren, „die für konservative, patriotische und freiheitliche Werte steht“. Hierfür bitte man um das Vertrauen der Mitglieder.

Meuthen stellt sich hinter Cotar und Wundrak

Cotar wird dem Lager um Parteichef Jörg Meuthen zugerechnet. Entsprechend positiv fiel seine Reaktion am Dienstag aus. „Ich kann mir kein geeigneteres und unsere Partei würdiger vertretendes Spitzenteam vorstellen, als Joana Cotar und Joachim Wundrak. Ich begrüße ihre gemeinsame Kandidatur ausdrücklich“, sagte Meuthen der JF.

Wundrak war Anfang Dezember auf Platz 1 der Landesliste in Niedersachsen zur Bundestagswahl gewählt worden. Allerdings steht noch nicht endgültig fest, ob die Landesliste auch Bestand hat, da es parteiintern Versuche geben soll, diese juristisch anzufechten.

Chrupalla ging am Dienstag nicht auf den Vorwurf Cotars ein. Der JF sagte er nur: „Der Bundesparteitag hat in Dresden dieses basisdemokratische Wahlverfahren beschlossen. Ich wünsche den Kandidaten viel Erfolg.“

Konkret sieht das Prozedere wie folgt aus: Bis zum morgigen Mittwoch läuft noch die Bewerbungsphase, zwei Tage später entscheidet der Bundesvorstand, welche Bewerbungen zugelassen werden. Eine der Regeln: „Bewerber, die sich gemeinsam mit einem zweiten Parteimitglied als Spitzenduo bewerben, können sich gemeinsam als Spitzenduo vorschlagen. Dagegen können sich einzelne Bewerber ohne einen zweiten Bewerber nicht vorschlagen.“

Auch andere hegen Ambitionen

Diese Hürde soll allzu überraschende „Zufallstreffer“ verhindern. Jeder, der sich bewirbt, muß im Onlineformular außer seinen Angaben – Beruf, Wahlkreis und Listenplatz, eventuelle vorherige Parteimitgliedschaften – auch das jeweils andere Mitglied seines Spitzenduos benennen.

Vom 17. bis zum 24. Mai kann dann jedes AfD-Mitglied abstimmen. Gewählt ist, wer die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhalten hat. Sollte nach Pfingstmontag kein der Spitzenduos die erforderliche Mehrheit erzielt haben, kommt es zu einer Stichwahl zwischen den beiden Teams mit den höchsten Stimmenzahlen. In dem Fall soll spätestens am 2. Juni ein Ergebnis vorliegen.

Chrupalla hat sich bislang noch nicht öffentlich dazu geäußert, ob und mit wem er sich als Spitzenkandidat bewerben wird. Die Frage ließ er auch am Dienstag offen. Nach Informationen der JF mehren sich derzeit die Hinweise, daß auch Fraktionschefin Alice Weidel noch ihren Hut in den Ring werfen könnte. Da paßt es, daß Weidel am heutigen Dienstag abend eine Einladung zur ZDF-Talkrunde von Markus Lanz angenommen hat. In der Partei war ihr zuletzt vorgehalten worden, zu oft bei Lanz schon abgesagt zu haben. Weidel ist auch Landesvorsitzende der AfD in Baden-Württemberg. Dort wurden aber bislang noch nicht die Kandidaten für die Bundestagswahl bestimmt.

Frühe Entscheidung nicht ohne Risiko

Auch dem nordrhein-westfälischen Landeschef Rüdiger Lucassen werden Ambitionen nachgesagt, als Spitzenkandidat anzutreten, möglicherweise im Duo mit Chrupalla. Allerdings steht in NRW erst noch die Aufstellung der Landesliste aus, sie ist für das Wochenende Mitte Mai sowie das darauffolgende Wochenende geplant.

Sollte es zum Team Chrupalla/Lucassen kommen und letzterer danach aber nicht auf Platz 1 der Landesliste gewählt werden, hätte die Kandidatur einen ersten Kratzer.

Daß sich Cotar und Wundrak nun als erste dazu entscheiden haben, ihre Kandidatur öffentlich zumachen, birgt allerdings ebenfalls ein Risiko. Die frühe Entscheidung gibt möglichen Konkurrenten noch bis morgen Zeit, zu reagieren. Und in der Politik heißt es nicht ohne Grund häufig: Wer früh genannt, ist schnell verbrannt. (mit vo)

AfD-Bundestagsabgeordnete Joana Cotar und Joachim Wundrak Foto: picture alliance/dpa | Vennenbernd;Stratenschulte
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