Joana Cotar auf dem AfD-Bundesparteitag in Dresden
Joana Cotar auf dem AfD-Bundesparteitag in Dresden: „In den vergangenen zwei Wochen bin ich wesentlich bekannter geworden“ Foto: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Mögliche Bundestags-Spitzenkandidaten
 

Joana Cotar: „Die Basis ist sehr vernünftig“

Vor wenigen Tagen erklärte die Bundestagsabgeordnete Joana Cotar gegenüber der JUNGEN FREIHEIT ihre Bereitschaft, für die AfD als Spitzenkandidatin in den Bundestagswahlkampf zu ziehen. Im Interview mit der JF spricht die digitalpolitische Sprecherin ihrer Fraktion am Rande des Bundesparteitags in Dresden über ihre Chancen bei der Abstimmung durch die Parteibasis und ihre inhaltlichen Schwerpunkte.

Frau Cotar, die Entscheidung über die Spitzenkandidaten ist jetzt vertagt und an die Mitglieder verwiesen worden. Hinter der Idee einer Doppelspitze von Ihnen und Parteichef Tino Chrupalla stand ja der Gedanke, einen Ausgleich zwischen den beiden Strömungen zu erreichen. Meinen Sie nicht, daß das schwieriger werden könnte, der Basis diesen Gedanken zu vermitteln?

Joana Cotar: Das glaube ich eigentlich nicht. Die Basis ist sehr vernünftig und weiß, daß wir ein einigendes Zeichen brauchen in der Partei. So daß die Strömungen abgedeckt sind. Und daß wir einen guten Wahlkampf führen müssen, damit wir wieder als starke Kraft in den Bundestag einziehen können.

Ihr Manko besteht darin, daß sie in der Partei noch nicht so bekannt sind – gegenüber anderen, die sich ja noch ein Hintertürchen für eine Kandidatur offengehalten haben. Wie wollen Sie das ausgleichen? Machen Sie jetzt einen innerparteilichen Wahlkampf?

Cotar: Das müssen wir jetzt sehen. In den vergangenen zwei Wochen bin ich wesentlich bekannter geworden als ich vorher war. Möglicherweise auch dadurch, daß einige versucht haben, eine Schmutzkampagne gegen mich zu starten. Ich gehe das jetzt ganz entspannt an. Es gibt einige Termine, die ich wahrnehmen werde und dadurch werden mich noch mehr Mitglieder kennenlernen.

„Die Zeit wird knapp“

Das Argument derjenigen, die auf diesem Parteitag die Entscheidung in Sachen Spitzenkandidaten fällen wollten, war: die Zeit wird knapp. Dieses Problem besteht nun weiter.

Cotar: So, wie es jetzt geplant ist, haben wir Ende Mai unsere Spitzenkandidaten.

Wie soll das technisch laufen? Gibt es dann möglicherweise noch Stichwahlen?

Cotar: Nein, es wird eine normale Abfrage geben. Und dann entscheidet die einfache Mehrheit. Diejenigen, die sie erreicht haben, bilden dann das Spitzen-Duo …

… in der Konstellation Mann/Frau und Ost/West, Chrupalla/Cotar?

Cotar: Ich finde eine Doppelspitze, die beide Lager abdeckt, erstrebenswert.

„Hier gilt es, vor allem die einfachen Bürger, die Leistungsträger zu stärken“

Und was wären Ihre persönlichen inhaltlichen Schwerpunkte?

Cotar: Zum einen das Thema Freiheit, das sich durch alles hindurchzieht – gerade in Corona-Zeiten: daß die Grundrechte einfach so weggenommen und nach Gutdünken beschnitten werden können. Was mich außerdem umtreibt, ist die Meinungsfreiheit, die man in Deutschland de facto nicht mehr hat. Denn Meinungsfreiheit bedeutet für mich, daß es keine Konsequenzen hat, wenn man seine Meinung sagt – und nicht, daß man seinen Job verliert. Dann das Thema Wirtschaft und Steuern: Die Lockdown-Krise wird eine wirtschaftliche Krise auslösen, von deren Auswirkungen wir uns noch keine Vorstellungen machen können. Hier gilt es, vor allem die einfachen Bürger, die Leistungsträger, den Mittelstand zu stärken.

Eine letzte Frage: 2017 war es ja so, daß Alexander Gauland  klar gemacht hatte, er trete nur gemeinsam mit Alice Weidel an. Solch ein Signal kam nun von Herrn Chrupalla nicht. Werden Sie das noch einmal ansprechen, daß Ihre Kandidatur deutlicher in einer Teamlösung mündet?

Cotar: Das werden wir sehen, ob ich das mache. Oder ob wir als Einzelpersonen antreten und den Mitgliedern die freie Wahl lassen, wen sie haben möchten – und welches „Pärchen“ sie zusammenstellen.

Joana Cotar auf dem AfD-Bundesparteitag in Dresden: „In den vergangenen zwei Wochen bin ich wesentlich bekannter geworden“ Foto: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
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