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Kabarettist Dieter Nuhr : „Es hat die Aktion einfach nicht gebraucht“
Kabarettist Dieter Nuhr : „Es hat die Aktion einfach nicht gebraucht“ Foto: picture alliance/dpa | Marcel Kusch

Protestaktion gegen Corona-Politik
 

Kabarettist Nuhr nennt Kritik an #allesdichtmachen „überzogen und hysterisch“

BERLIN. Der Kabarettist Dieter Nuhr hat die Teilnehmer der Kampagne #allesdichtmachen vor dem Vorwurf der Rechtslastigkeit in Schutz genommen. „Man kann die Videoaktion unserer Schauspieler für falsch halten, aber nicht für rechtsextrem. Ich habe jedenfalls keine einzige rechte Forderung herausgehört“, sagte Nuhr der Welt. Die Kritik an den Kurzfilmen sei „größtenteils überzogen und hysterisch, weil sie völlig unberechtigt die Etiketten ‘rechts’ und ‘Querdenker’ verwendet“.

Es gebe Ideologen, die „immer gleich rechts ihrer eigenen Meinung den Faschismus“ witterten. „Auch ich wurde ja schon als rechts oder als Rassist bezeichnet“, ergänzte der Satiriker. Dies sei der Versuch gewesen, ihn aus dem Diskurs auszuschließen. Es sei „absurd, daß inzwischen bei jeder Kritik untersucht wird, ob sie der AfD oder den ‘Querdenkern’ oder wem auch immer in die Hände spielt“. Jede Kritik, die sich nicht explizit gegen Rechte wende, spiele am Ende Rechten in die Hände. „Darf man deshalb die Linke oder die Mitte nicht mehr kritisieren? Das ist doch Quatsch.“

„Ein bißchen naiv“

Gleichzeitig bezeichnete Nuhr die Aktion als „ein bißchen naiv“. Die Videos hätten der Debatte über die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie nichts Neues hinzugefügt können. Die Diskussion über die Maßnahmen sei „doch längst mit allen Argumenten von allen Seiten geführt“ worden und durch die Schauspieler „auf simple Art reduziert“ worden. „Es hat die Aktion einfach nicht gebraucht. Ich fand sie aber auch nicht schlimm. Ich verurteile sie nicht.“

Am Donnerstag abend waren unter dem Motto #allesdichtmachen auf einer gleichnamigen Internetseite und auf der Videoplattform YouTube 53 Clips teils prominenter deutscher und österreichischer Schauspieler veröffentlicht worden. Darin kritisierten sie unter anderem die Corona-Politik der Regierung und den Umgang damit beispielsweise durch Medien.

Nach heftiger Kritik und Vorwürfen, wonach die Videos vor allem bei der AfD und „Querdenkern“ Anklang fänden, distanzierten sich einige der Schauspieler von der Aktion und ließen ihre Videos löschen. Von den ursprünglich 53 veröffentlichten Clips sind Stand Montag vormittag noch 33 online.

Schauspielerin erhält laut Bruder Morddrohungen

Die Schauspielerin Meret Becker ließ ihr Video dagegen löschen, weil sie bedroht werde, sagte ihr Bruder Ben Becker der Bild-Zeitung. „Sie hat Morddrohungen bekommen, ist am Boden zerstört und sitzt weinend zu Hause.“ Auch er erhalte während seiner Arbeit Kritik. „Ich bin hier am Set in meinem Wohnwagen, draußen stehen Leute und rufen, wo der Becker ist! Das macht Angst. Was ist nur aus unserem Land geworden, daß man nicht mehr kritisch hinterfragen darf?“

Der Regisseur und Drehbuchautor Dietrich Brüggemann wies die Kritik an #allesdichtmachen zurück. „Ihr macht euch lustig über das Leid derer, die in ärmeren Schichten und ärmeren Ländern über die Klinge springen, die ihr ihnen hinhaltet. Ihr seid zynisch und menschenverachtend“, schrieb er auf Twitter mit Blick auf die zahlreichen Künstler und Journalisten, die die Aktion verurteilten. „Mir ist auch übel. Und zwar wegen euch. Ihr seid ein Teil des Schlimmsten, was die Menschheit hervorgebracht hat: Ihr seid ein Lynchmob. Ganz einfach.“

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Der Physiker Cornelius Roemer hatte unterdessen für Empörung gesorgt, als er forderte, Listen über die Schauspieler und ihre Anhänger in sozialen Medien anzulegen. Damit wolle er unter anderem herausfinden, wer hinter der Kampagne stecke, schrieb er auf Twitter. Er habe alle Videos angeschaut. „Es kommen immer wieder die gleichen Themen auf. Das ist garantiert zentral geskriptet worden. Extrem koordiniert das Ganze. Da muß eine PR-Firma dahinterstecken.“ Unter den ersten Tweets zur Kampagne seien ‚‚führende Twitter-Querdenker‘‘ und „Durchseucher“ gewesen.

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Nachdem die Berliner Zeitung über seine Forderung berichtet hatte, räumte er ein: „Mein Fehler war, bei manchen den Anschein zu erwecken, ich würde hier öffentliche ‘Feindeslisten‘ erstellen. Das war überhaupt nicht die Intention.“ Es sei ihm lediglich darum gegangen, „gemeinsam zu recherchieren, wer wirklich hinter dieser Aktion stecke“, erklärte er am Sonntag. „Zusammenhänge zu untersuchen und dabei Listen zu erstellen, ist ganz gewöhnliche journalistische Praxis.“ (ls)

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