Tirpitzhafen Kiel
Schiffe im Kieler Tirpitzhafen (Archivbild) Foto: picture alliance/rtn – radio tele nord
Traditionserlaß der Bundeswehr

Marine benennt Kieler Tirpitzhafen um

KIEL. Die Marine hat beschlossen, Straßen und Einrichtungen mit den Namen von angeblich historisch belasteten Personen in ihren Stützpunkten in Kiel und Wilhelmshaven umzubenennen. Unter anderem soll der Tirpitzhafen in Kiel künftig Oskar Kusch Hafen heißen, sagte der Sprecher des Marinekommandos Rostock am Mittwoch den Kieler Nachrichten.

Militärs aus der Zeit des Ersten Weltkriegs sollen demnach nicht mehr als Teil der Tradition der Bundeswehr gewürdigt werden. Der neue Namensgeber Kusch war ein U-Boot-Kommandant im Zweiten Weltkrieg, der wegen kritischer Äußerungen zum nationalsozialistischen Regime hingerichtet wurde. Alfred von Tirpitz war im Ersten Weltkrieg Großadmiral.

Auch die Tirpitzmole in Kiel soll daher umbenannt werden. Sie werde künftig Brandtauchermole heißen, benannt nach dem ersten deutschen U-Boot. Es sank 1851 während einer Testfahrt in der Kieler Förde.

Militärs sollen zur freiheitlich demokratischen Grundordnung passen

Zudem sollen die Namen von Admiral Reinhard Scheer und der U-Boot-Kommandanten Otto Weddigen und Reinhold Saltzwedel nicht mehr als Teil der Traditionspflege gewürdigt werden. Scheer war Kommandeur der deutschen Hochseeflotte in der Skaggerraktschlacht im Ersten Weltkrieg und ab August 1918 Chef der Seekriegsleitung und Befürworter des uneingeschränkten U-Boot-Krieges.

Otto Weddigen wurde im Ersten Weltkrieg für seine Erfolge als U-Boot-Kommandant unter anderem mit dem Orden Pour le Mérite ausgezeichnet. Reinhold Saltzwedel versenkte als Kommandant verschiedener U-Boote während des Ersten Weltkriegs insgesamt 111 feindliche Handelsschiffe und war ebenfalls ein hochdekorierter Offizier.

Die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte 2018 den Traditionserlaß der Bundeswehr überarbeitet. So heißt es seitdem, daß Teile der deutschen Militärgeschichte, „die unvereinbar mit den Werten unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung sind“, nicht Teil der Tradition der Streitkräfte sein können. Zuletzt hatte die Linkspartei auf die Umbenennung von Straßen und Militäreinrichtungen gedrängt, die Namen von Militärs aus dem Kaiserreich und der Zeit des Zweiten Weltkriegs tragen. (ag)

Schiffe im Kieler Tirpitzhafen (Archivbild) Foto: picture alliance/rtn – radio tele nord

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