Höcke Kemmerich
Der AfD-Fraktionsvorsitzende Björn Höcke (r.) gratuliert Thomas Kemmerich (FDP) (l.) zur Wahl Foto: picture alliance/Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa
Buchenwald

Gedenkstätten-Direktor unterstellt Höcke Hitler-Inszenierung

WEIMAR. Der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Volkhard Knigge, hat Björn Höcke (AfD) unterstellt, sich bei seiner Gratulation zur Wahl Thomas Kemmerichs (FDP) zum Ministerpräsidenten Thüringens, in der Pose des Handschlags zwischen Hitler und Hindenburg inszeniert zu haben. „Bei Björn Höcke halte ich nichts für Zufall“, sagte er der Zeitung Neues Deutschland.

Bestürzender sei jedoch das planmäßige Vorgehen der AfD. „Sie hat nicht zum ersten Mal gezeigt, daß dies ihr Stil ist – die Demokratie planmäßig und gezielt auszuhöhlen und zu delegitimieren. Und auch gezielt immer wieder zu versuchen, die Maske einer bürgerlich demokratischen Partei über ihr Gesicht zu ziehen“, so Knigge.

Es sei zudem kein Grund zur Beruhigung, „daß die AfD trotz aller rechtsradikalen Elemente ihrer Ideologie noch nicht das gleiche Level an Bösartigkeit wie die Nationalsozialisten zeigt“. Ihr völkischer Ethnonationalismus erzeuge „Haß und Ausgrenzung“. Außerdem sei „die Unterhöhlung der Demokratie ihr Ziel“, zeigte sich der Historiker überzeugt. Die Partei bekämpfe die „wahrhaftige Erinnerung an den Nationalsozialismus“.

Knigge: Kemmerich könne bei Gedenken keine Rolle spielen

Knigge betonte, er sei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) „sehr dankbar“ für ihre Aussage, die Wahl Kemmerichs mit den Stimmen der AfD sei „ein unverzeihlicher Fehler“ gewesen. Wichtig sei auch, daß sich die Zivilgesellschaft, die politischen Parteien und die Kirchen gegen die Wahl ausgesprochen hätten. Mit Blick auf den 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald am 11. April und vor dem Hintergrund, daß Kemmerich derzeit noch kommissarischer Ministerpräsident ist, äußerte Knigge, er könne sich nicht vorstellen, daß der FDP-Politiker an dem Datum in der Gedenkstätte eine Rolle spielen könne. Er setze dabei auch auf das Verständnis Kemmerichs.

Bereits kurz nach der Gratulation Höckes an Kemmerich hatten linke Politiker und Organisationen Parallelen zu dem sogenannten Tag von Potsdam 1933 gezogen. Damals hatte Hitler dem Reichspräsidenten Paul von Hindenburg symbolisch die Hand gereicht. (ag)

Der AfD-Fraktionsvorsitzende Björn Höcke (r.) gratuliert Thomas Kemmerich (FDP) (l.) zur Wahl Foto: picture alliance/Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

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