Fridays for Future
„Fridays for Future“-Mitbegründer Jakob Blasel mit Luisa Neubauer Foto: picture alliance/Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa
Auf dem Ticket der Grünen

„Fridays for Future“ drängt in den Bundestag

HAMBURG. Der Mitbegründer der deutschen „Fridays for Future“-Bewegung, Jakob Blasel, will für den Bundestag kandidieren. Er sei seit drei Jahren Mitglied der Grünen in Schleswig-Holstein und schon öfter gefragt worden, ob er sich ein politisches Mandat vorstellen könne, berichtete der 19jährige der Zeit.

Nun sei in ihm die Entscheidung gereift, für die schleswig-holsteinische Landesliste der Grünen zu kandidieren. „Wenn wir weiterhin so viel CO₂ ausstoßen wie bisher, werden wir das Pariser Klimaabkommen bis 2030 massiv verfehlen. Das heißt: Wir haben nur noch die nächste Wahlperiode, um die nötigen Gesetze auf den Weg zu bringen. Wir haben als ‘Fridays for ­Future’ bitter feststellen müssen, daß die Regierung trotz aller Warnungen und Proteste nicht handelt. Wir brauchen einen direkten Draht ins Parlament“, begründetet Blasel seine Entscheidung.

„Sind frustrierte Aktivisten geworden“

Die Protestbewegung sei heute eine andere als bei ihrer Gründung vor anderthalb Jahren. „Wir haben damals geglaubt: Wenn wir nur laut genug protestieren, wird sich sofort etwas verändern. Das war naiv“, bedauerte Blasel.

Zwar habe „Fridays for Future“ die Mehrheit in Deutschland davon überzeugt, daß die Klimakrise eine der größten Bedrohungen der Zeit sei. „Aber politisch wurde nicht entsprechend gehandelt: Das Klimapaket war eine Bankrotterklärung, es verfehlt die Pariser Ziele. Wir sind zu frustrierten Aktivisten geworden.“

Der 19jährige widersprach dabei jedoch der Annahme, er wolle mit seiner Kandidatur für den Bundestag nur ein sinkendes Schiff verlassen. Er sei überzeugt davon, daß „Fridays for Future“ wieder laut und dominant werde.

Dennoch appellierte er an seine Mitstreiter, ebenfalls in Parteien einzutreten und den Weg in die Parlamente einzuschlagen. „Das Parlament ist ein Bereich, den wir als Klimaaktivisten gut für uns entdecken können.“ Es brauche dort „radikale Klimaaktivisten“.

Interner Streit bei „Fridays for Future“

Er hoffe allerdings, „daß wir nicht so werden wie die 68er mit ihrem ‘Marsch durch die Institutionen’. Die Grünen hatten keine einheitliche Idee, was sie im Parlament eigentlich erreichen wollen.“ So sei Joschka Fischer beispielsweise von seinen eigenen Leuten mit Farbbomben beworfen, weil er in seinen Positionen einknickte.

Er dagegen wolle bei den Grünen auch mal eine „unangenehme Rolle“ einnehmen und dafür kämpfen, „daß wir beim Klimaschutz klare rote Linien ziehen, um das Pariser Klimaabkommen einzuhalten“.

Erst in der vergangenen Woche hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Chefin von „Fridays for Future“, Luisa Neubauer und die Gründerin der Bewegung, Greta Thunberg, im Kanzleramt empfangen. Intern führte dies auch zu Kritik, da einige nicht eingeladene Mitglieder der Klima-Bewegung beklagten, bei solchen Treffen käme außer PR-Bildern nichts heraus. (krk)

„Fridays for Future“-Mitbegründer Jakob Blasel mit Luisa Neubauer Foto: picture alliance/Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa

Unterstützung

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

aktuelles

CATCODE: Article_Deutschland