Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick Foto: picture alliance/imageBROKER / JF-Montage
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Fridays for Future, Werteunion, Annalena Baerbock

Kaisers royaler Wochenrückblick

Angela Merkel hat in dieser Woche Greta Thunberg ins Kanzleramt eingeladen. Im Schlepptau hatte der schwedische Teenager ihre Busenfreundin Luisa Neubauer. Das Foto von dem Treffen der drei Damen vom Klima-Grill, das anschließend durch die Presse ging, zeigte, daß sich die Teilnehmerinnen nicht nur Sorgen um die globale Erwärmung machten, sondern auch – ganz vorschriftsmäßig – um Corona. Die Abstandsregeln wurden sichtlich eingehalten, wodurch die Aufnahme ein wenig so wirkte, als sei sie auf einem Kindergeburtstag der kleinen Greta entstanden – zumindest stellt man sich einen Kindergeburtstag im Hause Thunberg so vor wie es auf dem Foto aussah.

Die beiden jüngeren Mädels im Bild hätten auch beim Treffen in Berlin durchaus Grund zum Feiern gehabt. Dieses fand nämlich auf den Tag genau zwei Jahre nach dem ersten Schulstreik statt. Aber da die 17jährige Skandinavierin zum feiern allenfalls in den Keller, jedoch nicht ins Kanzleramt geht, und Luisa Neubauer auf ihren vielen Reisen schon mehr als genug Party gemacht hat, ging es in der Runde wohl genau so bierernst zu, wie es aussah.

FFF-Mitglieder fühlen sich „überrannt“

Noch mieser war die Stimmung vermutlich nur noch bei Fridays for Future (FFF) selbst. Die große, kleine Klassenfahrt von Greta, Luisa und ein paar ausgewählten Lieblingsmitgliedern der Bande, mit denen sie am Rande des 90 minütigen Zusammenkommens supercool für gemeinsame Fotos posierten, war nämlich mit der Basis offenbar nicht abgesprochen. Das fand der zurückgebliebene Rest der Klima-Gang natürlich gar nicht gut.

Deshalb ließen die Mitglieder ihrem Unmut unter anderem gegenüber der taz freien Lauf, in der ein FFF-Girl ziemlich zornig aber natürlich völlig neidfrei schäumte: „Es ist kein Erfolg mit Frau Merkel zusammenzusitzen“. Auch die Jungs dürfen in der überwiegend von jungen Damen dominierten Organisation rumzicken ohne schief angeguckt zu werden. Konstantin Nimmerfroh – selten war ein Name mehr Programm als hier – von der Frankfurter Sektion der Organisation machte von diesem progressiven Privileg Gebrauch indem er sich ebenfalls in der taz darüber beschwerte, daß die Basisgruppen erst kurz vorher von der ganzen Sache informiert worden seien und sich deshalb „überrannt“ fühlen würden.

Die beiden Stars der Bewegung versuchten die Wogen und verletzten Gefühle zu glätten, indem sie öffentlich klarstellten, daß sie nicht als offizielle Repräsentanten von Fridays for Future mit der Bundeskanzlerin gesprochen hätten, was die Einladung in die Berliner Machtzentrale gleich noch ein bißchen unangebrachter macht.

Werteunion habe sich „radikalisiert“

Wenig gutgelaunte Gesichter dürfte man dieser Tage auch bei AfD und Werteunion (WU) finden. Während bei der AfD ein Kopf nach dem anderen rollt und man sich selbst unter Freunden schwere Verletzungen zufügt, hat vermeintlich zu starke Nähe zur Alternative für Deutschland die vermeintlich Konservativen in der CDU in die schwerste Krise seit Gründung der Vereinigung der Verzweifelten geführt. Mehrere führende Mitglieder sind der WU von der Fahne gegangen, weil deren Werte dann offenbar doch ein wenig zu konservativ waren.

Holger Kappel, bis kürzlich noch Südwest-Chef der Organisation, spricht gar davon, daß sich die Werteunion „radikalisiert“ habe. Die Radikalisierung sehen er und andere vor allem im Gekuschel mit der AfD. Was in rechtskonservativen Kreisen lange schon ein offenes Geheimnis war, nämlich daß es, während man sich nach Außen in heuchlerischer Distanzeritis übt, längst intensive Kontakte zwischen oberen Vertretern der so ängstlichen CDU/CSU-Rebellen und der AfD gibt, wurde von den Aussteigern jetzt auch an alle Gegner des rechtskonservativen Milieus hinausposaunt. Die sicher unter dem Kopfkissen verstaut geglaubte Waffe ist also losgegangen und das Ergebnis ist nicht schön.

Baerbock redet Unsinn

Irgendwie kann man die Angst der „Rechten“ in der mittlerweile ziemlich linken CDU vor der Assoziierung mit der bösen A-Partei ja auch verstehen. Schließlich wird man heutzutage schneller zum „Nazi“ erklärt, als man Markus Lanz sagen kann. In der Sendung des Schwiegermutterlieblings vom ZDF hat zum Beispiel gerade erst Annalena Baerbock den FDP-Politiker Thomas Kemmerich zu einem solchen erklärt.

In ihrer sehr persönlichen Retrospektive sagte die grüne Hobbyhistorikerin mit Blick auf die Wahl in Thüringen vor einem halben Jahr: „Da standen wir kurz davor, daß ein Nazi, daß jemand, der nicht auf dem Boden des Grundgesetzes steht, in einem unserer Bundesländer zum Ministerpräsidenten gewählt wird.“ Der nationalsozialistische Verfassungsfeind, von dem Baerbock sprach, war tatsächlich kein geringerer als der liberale Skinhead Kemmerich.

Zumindest hätte er es nach den Regeln der Logik sein müssen, denn kein anderer außer dem amtierenden Kommunisten im Amt kam damals für den Posten des Landeschefs in Betracht. Die Situation damals habe sie „erschüttert“ und „wachgerüttelt“ und ihr bewußt gemacht, daß sie und alle anderen echten Demokraten mit dem Merkel-Gütesiegel „nicht nur eine parteitaktische Verantwortung“ hätten. Von der Verantwortung, sich vor einem wichtigen Fernsehauftritt nicht so die Rübe wegzukiffen, daß man nicht mehr weiß was man redet, scheint die biodeutsche Antwort auf Sawsan Chebli jedenfalls nichts zu halten.

Im Nachhinein hat sie aber immerhin erklärt, daß es sich bei der Interpretation ihrer Aussage nur um ein riesiges Mißverständnis gehandelt hat. Die grüne Fee des deutschen Antifaschismus hat natürlich nicht den FDP-Mann beleidigen wollen, sondern die AfD und alle, die für diese Politik machen oder sie gewählt haben. In sofern ist zumindest die Welt der Altparteien wieder in vollster Ordnung.

Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick Foto: picture alliance/imageBROKER / JF-Montage

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