Deutsche Einheit

Vaatz: ARD und ZDF senden aus einer Parallelwelt heraus

DRESDEN. Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Arnold Vaatz, hat die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender in Deutschland gerügt. Besonders die Anliegen der ostdeutschen Bevölkerung hätten in der Berichterstattung von ARD und ZDF keinen Platz, sagte er der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Vaatz zufolge schrieben neben den staatlichen Sendern auch die großen Medienhäuser „konsequent an den Antennen der Ostdeutschen“ vorbei.

ARD und ZDF stünden in keinem Wettbewerb, seien staatlich subventioniert und damit konkursunfähig: „Sie können deshalb gefahrlos aus ihrer Parallelwelt heraus senden, was sie wollen“, beklagt der frühere DDR-Bürgerrechtler und Sprecher der CDU-Abgeordneten aus den östlichen Bundesländern. In Polen und Tschechien sagten ihm die Themen in den Medien mehr zu: „Da ist die Genderdebatte ein Randthema. Es dominieren nicht die Interessen von Randgruppen oder der volkspädagogische Eifer der Redaktion beim Anpreisen der Vorteile von Migration und erwünschten Verhaltensweisen. Dort geht es mehr um die Belange der Mehrheitsbevölkerung, ihre Erfahrungen und Wünsche ohne einen redaktionellen Filter. Meinungen werden von unten nach oben transportiert.“

„Unsere Sozialismus-Erfahrungen sind für sie Luft“

Große Chancen auf Veränderung sieht er hierzulande aber nicht: „Die westdeutsche Gesellschaft ist selbstbezogen und nicht bereit, sich selbst zu hinterfragen. Unsere Sozialismus-Erfahrungen sind für sie Luft.“ Vaatz: „Deshalb nennt man sie im Osten die Gesellschaft der ‘Besserwessis‘ und hält sich die Ohren zu, wenn sie redet.“

In der DDR habe man, wo es möglich gewesen sei, Westfernsehen geschaut und Westrundfunk gehört. Das sei eine Art „innere Emigration“ gewesen. Heute schauten viele Ostdeutsche „aus Verzweiflung“ im Internet Russia Today. Dort könne man sich die „moralisierende Hyperventilation bei Stickoxiden, Feinstaub und Genderthemen vom Hals halten“, merke aber nicht, wie man von „russischer Propaganda innerlich umgekrempelt“ werde.

Das „gespielte Erstaunen“ im Westen – so Vaatz – über die migrationskritische Stimmung im Osten, obwohl es doch dort prozentual weniger Migranten und Asylbewerber als im Westen gebe, sei ein Ausdruck von Wahrnehmungsverweigerung des Westens. Die westliche Eitelkeit wolle den „implosionsartigen Ansehensverlust“ des Westens im Osten nicht einräumen. Gerade weil einige Ostdeutsche mit eigenen Augen gesehen hätten, wie die Situation etwa im Ruhrgebiet sei, wollten sie verhindern, dass genau solche Zustände eines Tages auch bei ihnen eintreten.

Vorwurf: Linke wollen DDR-Bild schönen

Wie er weiter sagte, gibt es mittlerweile in ganz Deutschland kaum Kenntnisse über die DDR. Ziehe man die Bürger im Westen Deutschlands ab, die nie eine Berührung mit dem Osten hatten, sowie die DDR-Bürger, die zur Zeit der Wende noch sehr jung waren, und schließlich diejenigen, die damals in den DDR-Machtapparat integriert waren, blieben heute nur noch rund sieben Millionen Menschen übrig, die aus eigener Erfahrung über die DDR jenseits des Machtapparates berichten könnten: „Da gibt es so gut wie keine Chance, die Themen Mentalität, Identität und erlebte Geschichte in der DDR wirklich präsent zu machen. Äußerungen zur DDR sind leider häufig angelerntes Gerede.“

Darüber hinaus finde eine „mediale Entmachtung DDR-kritischer Zeitzeugen“ statt. Die „Entfernung“ des Stiftungsdirektors der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, auf Initiative des Berliner Kultursenators, Klaus Lederer (Die Linke), sei ein Beispiel dafür. Knabe stamme zwar aus dem Westen, habe aber Zeitzeugen bei der Präsentation der Gedenkstätte einen zentralen Platz eingeräumt. Ziel sei es nun, „ein im Sinne der deutschen Linken geschöntes und von unliebsamen Erinnerungen gesäubertes DDR-Bild in der Gesellschaft zu installieren“. (idea/tb)

Der stellvertretetende Unionsfraktionschef im Bundestag, Arnold Vaatz Foto: picture alliance / dpa

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