Der Migrationsforscher Haci-Halil Uslucan hält nichts von härteren Strafen gegen Autokorsos türkisch-arabischer Hochzeitsgesellschaften Foto: picture alliance / Sven Simon
Türkisch-arabische Hochzeitsfeste

Migrationsforscher Uslucan lehnt härtere Strafen für Autokorsos ab

DUISBURG. Der Migrationsforscher Haci-Halil Uslucan hat sich gegen härtere Strafen für die Teilnehmer von Autokorsos von türkisch-arabischen Hochzeitsgesellschaften ausgesprochen. „Ob man auf einer Straße in der Innenstadt mit 120 Kilometern pro Stunde fährt oder bei einem eher langsamen Autokorso mitmacht, ist ein großer Unterschied mit einem ganz anderen Bedrohungspotenzial“, sagte der Professor der Universität Duisburg-Essen der Welt.

Die Forderung nach Strafverschärfung sei „politischer Aktionismus“. Die Sanktionen müßten angemessen sein. Es sei jedoch „hochproblematisch“, wenn man sich als Fahrer nicht darauf verlassen könne, daß andere die Regeln einhielten.

Zugleich erläuterte er den hohen Stellenwert der Eheschließung in der Türkei und arabischen Ländern. „Hochzeitsfeiern haben in den Herkunftsländern eine starke Öffentlichkeit. Gerade in den Dörfern und Provinzen wird manchmal mit bis zu 1.000 bis 1.500 Gästen auf der Straße gefeiert.“ Die Feier sei ein öffentliches Ereignis, das alle mitbekommen sollten.

„Beteiligte sind nicht asozial“

In der Vergangenheit hatten Autokorsos immer wieder Straßen blockiert und Teilnehmer hatten mit Schreckschußwaffen in die Luft geschossen. Allein in Nordrhein-Westfalen mußte die Polizei deswegen in den vergangenen vier Wochen zu rund 100 Einsätzen ausrücken.

Dabei handele es sich aber keinesfalls um Machtdemonstrationen gegenüber der deutschen Gesellschaft, betonte Uslucan. Das sei eine völlig abwegige Deutung. Vielmehr gehe es darum, der eigenen „ethnischen Community“ zu zeigen, „wir sind eine starke, große Familie, und unsere Hochzeit ist üppiger als die der Nachbarn“.

Dem Vorwurf der nordrhein-westfälischen Integrationsstaatssekretärin, Serap-Güler (CDU), Autokorsos seien keine Frage von kultureller Identität, sondern „asoziales Verhalten“, widersprach Uslucan. „Die Beteiligten sind nicht durch und durch asozial. Das Hochzeitsfest hat nur so eine große Bedeutung, daß alle anderen Kriterien nachrangig werden.“ Die Feier sei eine Ausnahmesituation, in der man den Regelbruch ohne explizite Absicht in Kauf nehme. (ag)

Der Migrationsforscher Haci-Halil Uslucan hält nichts von härteren Strafen gegen Autokorsos türkisch-arabischer Hochzeitsgesellschaften Foto: picture alliance / Sven Simon

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