Billy Six wirft der Regierung vor, ihn während seiner Haft in Venezuela im Stich gelassen zu haben Foto: JF
Nach Haft in Venezuela

Billy Six erhebt schwere Vorwürfe gegen Außenminister Maas

BERLIN. Der Journalist Billy Six hat schwere Vorwürfe gegen das Auswärtige Amt, Außenminister Heiko Maas (SPD) sowie die deutsche Botschaft in Caracas erhoben. Diese hätten sich nicht nur geweigert, seine sofortige Entlassung aus venezolanischer Haft zu fordern, sondern Bemühungen um seine Freilassung sogar noch untergraben, sagte Six auf einer Pressekonferenz am Dienstag in Berlin. Botschafter Daniel Kriener habe ihn erst nach mehrfacher und ausdrücklicher Aufforderung des venezolanischen Geheimdienstes SEBIN im Gefängnis besucht. Zuvor sei die Botschaft nicht an einem Kontakt interessiert gewesen.

„Wir können als Bundesbürger nicht mehr sicher sein, daß uns die Regierung im Ausland hilft.“ Laut Six habe sich die Botschaft geweigert, ihm Medikamente zukommen zu lassen. Ebenso entlastendes Material wie Artikel, die belegten, das Six als Journalist unterwegs war. Eine Mitarbeiterin der Botschaft habe sich sogar bei ihm über die Aktivitäten seiner Eltern in Deutschland beklagt. Diese seien „unter der Gürtellinie“, und er müsse dafür nun die Konsequenzen tragen, berichtete Six.

Eltern wollen Bundesregierung verklagen

Die deutsche Botschaft habe sich zudem in einer Weise in die innenpolitischen Konflikte Venezuelas eingemischt, daß er dadurch im Gefängnis in Gefahr geraten sei und sich seine Situation verschärft habe. Die venezolanische Regierung hatte Botschafter Daniel Kriener Anfang März zur unerwünschten Person erklärt und des Landes verwiesen. Grund seien seine „wiederholten Einmischungen in die inneren Angelegenheiten des Landes“.

Scharf kritisierte Six, daß die Bundesregierung zwar die Freilassung des venezolanischen Oppositionspolitikers Juan Requesens gefordert hatte, nicht aber seine. Und das, obwohl er im Gegensatz zu Requesens deutscher Staatsbürger sei. Requesens war im August vergangenen Jahres verhaftet worden. Der Geheimdienst wirft ihm vor, Drahtzieher eines gescheiterten Attentats mit Drohnen auf Staatschef Nicolás Maduro zu sein.

Six war Mitte November vom Militärgeheimdienst in Caracas verhaftet und ins Gefängnis gesteckt worden. Die Sicherheitsbehörden warfen ihm Spionage, Rebellion, Verletzung von Sicherheitszonen sowie Vaterlandsverrat vor.

Seine Eltern organisierten daraufhin Proteste und eine Unterstützungskampagne. Sie forderten die Bundesregierung auf, die Freilassung des Journalisten von der venezolanischen Regierung zu verlangen und gegen die Inhaftierung von Six zu protestieren. Dem kam Außenminister Maas jedoch nicht nach. Statt dessen hieß es von offizieller Seite stets, man bemühe sich um die konsularische Betreuung des Brandenburgers und fordere ein rechtsstaatliches Verfahren.

Edward Six, der Vater von Billy Six, kündigte deswegen am Dienstag rechtliche Schritte gegen die Bundesregierung an. Er wolle eine Fortsetzungsfeststellungsklage einreichen und die Regierung wegen unterlassener Hilfeleistung belangen. Auch beklagte er mangelnde Unterstützung seitens der Politik. So hätten sie als Eltern alle Abgeordneten des Bundestags angeschrieben und gebeten, sich für die Freilassung ihres Sohnes einzusetzen.

Außer der AfD hätten dies aber nur je ein Abgeordneter der CDU und einer der Linkspartei getan. Der AfD und dem russischen Außenminister Sergei Lawrow sei es dann zu verdanken gewesen, daß Six vergangenes Wochenende endlich freigelassen wurde. So habe die Ehefrau des AfD-Abgeordneten Petr Bystron den Kontakt zum russischen Botschafter in Wien hergestellt.

Dieser habe Lawrow einen Brief der Eltern von Billy Six zukommen lassen, der sich dann wiederum bei einem Treffen mit dem venezolanischen Außenminister für die Freilassung des Journalisten eingesetzt habe. So hatte es auch am Wochenende bereits Bystron berichtet. Rußland hat sich jedoch bislang nicht zu den Vorgängen geäußert. (krk)

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