Anhänger der russischen „Nachtwölfe“ im Mai 2016 auf dem Gelände des Sowjetischen Ehrenmals in Berlin-Treptow Foto: picture alliance/dpa
Russische Rocker

AfD fragt nach Strukturen der „Nachtwölfe“ in Deutschland

„‘Nachtwölfe’ expandieren nach Westen“ vermeldete im vergangenen Jahr Spiegel Online. Anlaß war die Ankündigung der Putin-Rocker, in der Slowakei eine Europa Zentrale aufzubauen. Die slowakische Regierung zeigte sich alarmiert. Präsident Andrej Kiska nannte die „Nachtwölfe“ damals „ein Werkzeug des russischen Regimes“ und beschuldigte die Rocker, an der Besetzung der Krim beteiligt gewesen zu sein. Die „Nachtwölfe“ seien ein „ein ernstes Sicherheitsrisiko“ für die Slowakei, warnte Kiska laut BBC.

In Deutschland erlangten die russischen Motorradrocker erstmals größere Bekanntheit, als sie 2015 anläßlich des 70. Jahrestags der Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai eine „Siegesfahrt“ nach Berlin veranstalteten. In den Jahren danach wiederholten sie solche Fahrten.

„Persönliche Kennverhältnisse zu deutschen Staatsangehörigen“

Für den AfD-Bundestagsabgeordneten Harald Weyel Anlaß genug, sich nach einer möglichen Ausbreitung der „Nachtwölfe“ in Deutschland zu erkundigen. In seiner Antwort, die der JUNGEN FREIHEIT vorliegt, bescheinigt das Auswärtige Amt den „Nachtwölfen“ eine nationalistische Ausrichtung und wirft ihnen vor, ideologisch einen „starken russischen Staat und einen strengen russisch-orthodoxen Glauben“ zu propagieren.

Bei ihren Siegesfahrten seien die Motorradtouren auf deutschen Streckenabschnitten stets von deutschen Staatsbürgern angemeldet worden. Dabei hätten sich dann auch vereinzelt deutsche Staatsangehörige mit den Westen und Abzeichen der Nachtwölfe gezeigt. Es könne daher nicht ausgeschlossen werden, daß „persönliche Kennverhältnisse der ‘Nachtwölfe’ zu deutschen Staatsangehörigen bestehen“, teilte das Auswärtige Amt Weyel mit. Belastbare Erkenntnisse lägen der Bundesregierung aktuell hierzu jedoch nicht vor. Gefestigte Strukturen der russischen Rocker existierten ihres Wissens nach in Deutschland nicht.

Für Weyel eine eher unbefriedigende Auskunft. „Die Antwort der Bundesregierung zeigt deutliche Informationsdefizite auf, die sich leicht beheben ließen, wenn man einmal in Thüringen beim dortigen Verfassungsschutzpräsidenten, Stephan Kramer, nachfragen würde“, sagte er der JF. „Der scheint zumindest in einem ‘Kennverhältnis’ zu den Nachwölfen zu stehen.“

Teilnahme an Kranzniederlegung

Der AfD-Abgeordnete spielt damit auf Fotos an, die kürzlich bekannt wurden und die Kramer zeigen, wie er 2015 an einer Kranzniederlegung der Nachtwölfe am Sowjetischen Ehrenmahl bei den Seelower Höhen in Brandenburg teilnahm.

Es sei für die Bundesregierung ja auch keine Schande, bei Kramer nachzufragen, schob Weyel nach. Schließlich nehme man sich den Thüringer Verfassungsschutzchef in anderen Fällen auch zum Vorbild. So zum Beispiel bei der Kooperation mit der Amadeu-Antonio-Stiftung, in deren Stiftungsrat Kramer sitze, oder bei der Prüffall-Entscheidung gegen die AfD.

„Immerhin war es ja Herr Kramer, der als erster meinte, einen Prüffall öffentlich machen zu müssen“, erinnerte Weyel. Diesem Beispiel sei dann Bundesverfassungsschutz-Chef Thomas Haldenwang gefolgt, wofür die Behörde in der vergangenen Woche vom Verwaltungsgericht Köln eines besseren belehrt wurde. (krk)

Anhänger der russischen „Nachtwölfe“ im Mai 2016 auf dem Gelände des Sowjetischen Ehrenmals in Berlin-Treptow Foto: picture alliance/dpa

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