Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer

Weißer Ring will keine AfD-Spenden mehr

BERLIN. Die Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer, Weißer Ring, nimmt künftig keine Spenden der AfD mehr an. Das beschloß der Verein am vergangenen Wochenende auf seiner Delegiertenversammlung in Hannover.

Auch dürfen sich AfD-Mitglieder nicht mehr haupt- oder ehrenamtlich im Weißen Ring engagieren. „Das, wofür die AfD mittlerweile steht, ist mit unserem Verhaltenskodex für die Opferhilfe nicht zu vereinbaren“, betonte der neue Bundesvorsitzende, Jörg Ziercke.

Mitarbeiter des Vereins müßten laut dem früheren BKA-Chef Ziercke nicht nur über organisatorische Kompetenz verfügen, sondern persönlich geeignet und gesellschaftlich integriert sein. „Ein Engagement in einer Partei, die für Ausgrenzung, Diskriminierung und eine Spaltung der Zivilgesellschaft sowie eine Gefährdung der freiheitlich- demokratischen Grundordnung steht, schließt eine Mitarbeit in unserer Opferhilfeorganisation kategorisch aus“, stellte Ziercke klar. Deswegen werde man künftig auch „keinerlei Spenden“ von der AfD annehmen.

AfD kritisiert „Gesinnungs-TÜV“

Anlaß sei, daß die AfD in der Vergangenheit mehrfach versucht habe, sich als Helfer des Weißen Rings zu präsentieren. So habe beispielsweise ein Ortsverband der Partei in Nordrhein-Westfalen bei einer Veranstaltung unter Verwendung des Logos des Weißen Rings Spenden für Kriminalitätsopfer gesammelt. „Wir verwahren uns gegen eine Instrumentalisierung von jedweder Partei oder Bewegung, die Rassismus, Antisemitismus oder Fremdenfeindlichkeit vertritt“, unterstrich der Bundesvorsitzende.

Die AfD reagierte empört auf den Abgrenzungsbeschluß des Weißen Rings. Sie warf der Vereinigung vor, Menschen auszugrenzen, nur weil diese Mitglied der AfD seien. „Ein solcher Gesinnungs-TÜV erinnert mich an dunkelste DDR-Zeiten. Wer mit seinen Mitarbeitern und Ehrenamtlichen so umgeht und sie politisch unter Druck setzt, dem geht es nicht um die Hilfe für Gewaltopfer, sondern darum, sein geschmackloses Polit-Süppchen zu kochen“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Leif-Erik Holm, der JUNGEN FREIHEIT. „Ich fordere Herrn Ziercke und den Weißen Ring auf, diesen peinlichen Beschluß unverzüglich zurückzunehmen.“

Holm vermutete, daß die Entscheidung des Weißen Rings damit zusammenhänge, daß Ziercke Mitglied der SPD sei. Von einem ehemaligen BKA-Chef erwarte er jedoch, „daß er sich an Tatsachen hält und nicht die billige Propaganda der Altparteien übernimmt“. (krk)

AfD-Mitglieder dürfen sich künftig nicht mehr im Weißen Ring engagieren Fotos: dpa / JF-Montage

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