Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

Verschwendung von Geldern: ARD weist Kritik zurück

BERLIN. Die ARD hat die Kritik zurückgewiesen, wonach die Anstalten des Senders zum Teil wenig effizient arbeiten würden. Der Vorwurf, die ARD habe keine Strategie, ziele ins Leere, sagte der Vorsitzende der ARD-Finanzkommission, Albrecht Frenzel. Zuvor hatte sich die Gebühren-Kommission KEF in einem bislang nicht veröffentlichten 364-seitigen Bericht über die Arbeit der ARD beschwert und ihr Strategielosigkeit und mangelnde Produktivität attestiert, berichtet die Bild-Zeitung.

So sei die Arbeitseffizienz der Sender recht unterschiedlich. Laut der Untersuchung der KEF produziert der kleine ARD-Sender Radio Bremen pro Mitarbeiter mit 13.105 Sendeminuten fast dreimal so viel wie die großen Anstalten WDR (4.645 Minuten) und BR (4.936 Minuten).

Auch werden in dem Bericht die Produktionskosten für den „Tatort“ kritisiert. So sei 2015 der Münchner „Tatort“ 370.000 Euro teurer als der Durchschnitt gewesen. Im Folgejahr hätte es einen neuen Rekordwert bei den „Tatort“-Kosten gegeben. Die NDR-Produktionen der von Til Schweiger produzierten Filme seien mit jeweils zwei Millionen Euro 400.000 Euro teurer als der Durchschnitt gewesen.

Auch die Sparanstrengungen der ARD werden in dem Bericht bemängelt. „Die Kommission erwartet deutlich intensivierte Einsparungen durch die ARD-Anstalten.“ Laut der KEF könnten 288 Millionen Euro Kosten eingespart werden – die ARD sieht bis 2024 lediglich 64 Millionen Euro an Einsparungen vor.

Frenzel widerspricht den Vorwürfen

In einer Stellungnahme widersprach Frenzel nun dieser Darstellung. Hinsichtlich der unterschiedlichen Arbeitseffizienz würden „munter Äpfel mit Birnen verglichen“. Der Bericht lasse die Unterschiedlichkeit der Programme außer Acht. „Hochwertige Sendungen aus Kultur und Bildung etwa sind in der Produktion besonders aufwendig. Eine Minute Musik in einer Popwelle ist nicht vergleichbar mit Hörspiel, Feature oder aufwendig produzierter, vielfältiger Regionalberichterstattung, wie sie etwa BR und WDR bieten“, erläuterte Frenzel.

Die Kritik an den unterschiedlichen Kosten für einen „Tatort“ bezeichnete er als „fragwürdig“, weil dieser „seine Stärke aus der Vielfalt der Stoffe und Akteure und aus ihrer unterschiedlichen Machart“ beziehe. Dies reiche „vom subtilen Kammerspiel bis zum Action-geladenen Jubiläums-‚Tatort‘ mit kinotauglicher Starbesetzung“.

ARD-Intendant fordert höheren Rundfunkbeitrag

Für abwegig hält Frenzel auch den Vorwurf, die Spar-Anstrengungen der ARD seien zu gering. „Richtig ist: nach Feststellungen der KEF sind die Hörfunkproduktionsbetriebe von 2005 bis 2015 um nominal 4,3 Prozent geschrumpft (real um acht Prozent). Auch im Fernsehen wurden die Produktionskosten seit dem Jahre 2013 gesenkt – und das bei unverändertem Output und trotz Inflation.“

Erst kürzlich hatte der neue ARD-Intendant Ulrich Wilhelm mit seiner Forderung nach Gebührenerhöhungen für Schlagzeilen gesorgt. „Ohne einen höheren Rundfunkbeitrag ab 2021 kommen wir am gewaltigen Kürzen der Programme nicht vorbei“, sagte Wilhelm dem Handelsblatt. (ha)

ARD: WDR und BR arbeiten uneffizient Foto: dpa

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