Björn Höcke: „Bin ich kein Feind des Islam“ Foto: dpa / Twitter Screenshots
Angebliches Islamverbot in Türkei

Medien verdrehen Aussage von Björn Höcke über Islam

BERLIN. Will Thüringens AfD-Fraktionschef Björn Höcke den Islam in der Türkei verbieten? Das zumindest legen mehrere Medienberichte nahe. Doch darin werden einige Passagen Höckes aus einer Rede am vorvergangenen Wochenende in Eisleben in Sachsen-Anhalt bewußt umgedeutet.

Höcke sprach unter anderem über die Islamisierung und sagte: „Das, was wir jetzt noch nicht durchsetzen können, weil wir jetzt noch nicht die Macht haben, aber wir werden die Macht bekommen, und dann werden wir das durchsetzen (Applaus), dann werden wir das durchsetzen, was notwendig ist, damit wir auch in Zukunft unser freies Leben leben können. Dann werden wir nämlich die Direktive ausgeben, daß am Bosporus mit den drei großen M, das heißt Mohammed, Muezzin und Minarett Schluß ist, liebe Freunde.“

Medien rissen Passage aus dem Zusammenhang

Mehrere Medien rissen diese Passage am Wochenende aus dem Zusammenhang und berichteten, Höcke plane ein Verbot des Islam in der Türkei. Unmittelbar nach dem zitierten Ausschnit sagte der AfD-Politiker jedoch:

„Dann wird es nicht mehr möglich sein, den Bau eines Minarettes, der von führenden islamischen Staatsmännern immer wieder als Symbol der Machterlangung selbst interpretiert worden ist, mit der Religionsfreiheit durchzudrücken. Ein Muslim, der friedlich hier lebt, und der sich ohne wenn und aber im öffentlichen Raum an Recht und Gesetz hält, den muß man tolerieren. Alle anderen haben hier keine Zukunft und keine Heimat.

Die Welt titelte am Sonntag: „Björn Höcke will Verbot des Islam in der Türkei“ und änderte die Überschrift der Meldung später zu „Höcke sorgt mit ‘Türkei-Direktive’ für Aufsehen“.

Politiker springen auf vermeintlichen Skandal auf

Das Jugend-Portal von Spiegel Online, „bento“, schrieb: „Björn Höcke will Türkei Minarette verbieten, sobald AfD an der Macht ist“. Auch dort wurde die Überschrift im Nachhinein geändert. Nun heißt es dort: „Höcke will der Türkei den Islam verbieten, sobald die AfD ‘an der Macht’ ist“. Am Ende des entsprechenden Artikels, der auch über Spiegel Online verbreitet wurde, steht: „Nachtrag: Wir haben im Einstieg noch mal nachgebessert, um deutlich zu machen, daß Höckes Aussagen verschiedentlich interpretiert werden können.“ Das Handelsblatt meldete: „Höcke will Islam aus Türkei verbannen“.

Die ARD-„Tagesschau“ veröffentlichte ein kurzes Zitat aus Höckes Rede auf Twitter und schrieb: „Das sagte Höcke vergangenen Samstag während einer Rede auf einer #AfD-Veranstaltung in Eisleben (Sachsen-Anhalt).“ Weitere Informationen, etwa in welchem Zusammenhang der AfD-Politiker die Aussage tätigte, blieb der öffentlich-rechtliche Sender schuldig.

Auch andere Journalisten oder Politiker sprangen auf die vermeintliche Skandal-Aussage auf. Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Karl Lauterbach twitterte: „Höcke Zitat zeigt: AfD geht es um Religionskampf gegen Islam, selbst in Türkei. Mal ehrlich: was für ein Schwachsinn.“

Der Korrespondent der DuMont-Hauptstadtredaktion, Markus Decker, teilte den Beitrag von „bento“ und forderte: „Wer so redet, gehört vom Verfassungsschutz überwacht und vom Bundesverfassungsgericht verboten.“ Auf Twitter und Facebook verbreitete sich ein 38 Sekunden langes Video, in der die Passage zu sehen ist, die unter anderem von der „Tagesschau“ zitiert wurde.

Vor dem entsprechenden Abschnitt sagte Höcke, der Islam müsse als Bedrohung wahrgenommen werden. Wenn die Deutschen eine intakte Identität hätten, würde der Islam keine Gefahr sein. „Deswegen bin ich kein Feind des Islam. Ich bin in religiösen Dingen tatsächlich tolerant. Ich sage aber, der Islam, der ist mit unseren Wertevorstellungen, mit unserer Art zu leben tatsächlich unvereinbar. Der Islam, der hat eine Heimat, das ist der Orient und meinetwegen Schwarzafrika, aber seine Heimat heißt nicht Sachsen-Anhalt, Deutschland und Europa.“ (ls)

Björn Höcke: „Bin ich kein Feind des Islam“ Foto: dpa / Twitter Screenshots

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