Bus
Der Mannschaftsbus von Borussia Dortmund nach dem Anschlag Foto: picture alliance/newscom

Bundesanwaltschaft
 

Anschlag auf BVB-Bus: Verdächtiger gefaßt

KARLSRUHE. Im Fall des Sprengstoffanschlags auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund ist ein Tatverdächtiger festgenommen worden. Laut Bundesanwaltschaft handelt es sich um den 28 Jahre alten deutschen und russischen Staatsangehörigen Sergej W. Er wurde am frühen Freitag morgen von Spezialkräften der GSG 9 im Raum Tübingen verhaftet.

Die Ermittler sollen den Mann schon seit einigen Tagen im Visier gehabt und intensiv observiert haben. „Der Beschuldigte war wie die Mannschaft von Borussia Dortmund auch Gast des Hotels L’Arrivée. Er hatte dort bereits am 9. April 2017 ein Zimmer im Dachgeschoß des Hotels mit Blick auf den späteren Anschlagsort bezogen“, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Ermittler vermuten Habgier als Motiv

Bereits Mitte März hatte er ein Zimmer für den Zeitraum vom 9. bis 13. April sowie vom 16. bis 20. April gebucht. Für diesen Zeitraum waren die beide Champions-League-Spiele zwischen Borussia Dortmund und dem AS Monaco geplant. Als der mutmaßliche Täter das Zimmer buchte, stand allerdings noch nicht fest, an welchem der beiden Termine das Heimspiel in Dortmund stattfinden würde. Die Ermittler vermuten, daß der Verdächtige die Sprengsätze mittels eines Fernzünders von seinem Hotelzimmer zur Detonation brachte.

Das Motiv für den Anschlag dürfte Habgier gewesen sein. Sergej W. wollte offenbar möglichst viele Spieler von Borussia Dortmund töten oder verletzen und so einen Kurseinbruch der BVB-Aktie verursachen. Deswegen hatte er laut Ermittlern am 11. April 15.000 Verkaufsoptionen, sogenannte Put-Optionen, auf die Aktie von Borussia Dortmund erworben.

Der Kauf der Optionen erfolgte über die IP-Adresse des Hotels L’Arrivée. „Der Käufer von sogenannten Put-Optionen spekuliert auf fallende Kurse. Put-Optionen berechtigen ihren Inhaber, innerhalb eines bestimmten Zeitraums eine festgelegte Menge eines bestimmten Wertpapieres zu einem im Voraus festgelegten Preis zu verkaufen. Die Höhe des Gewinns hängt von der Höhe des Kursverlustes ab“, erläuterte die Bundesanwaltschaft. Bei einem massiven Verfall der Aktie von Borussia Dortmund hätte der Gewinn nach vorläufigen Berechnungen ein Vielfaches des Einsatzes betragen.

Nur durch Glück nicht mehr Verletzte

Der Anschlag auf den BVB-Bus war am Dienstag abend vergangene Woche verübt worden, als die Mannschaft in Dortmund auf dem Weg zum Stadion war. Die drei hinter einer Hecke versteckten Sprengsätze explodierten in dem Moment, als der Bus sie passierte. Durch die Detonation wurde BVB-Verteidiger Marc Barta an der Hand verletzt und der Mannschaftbus beschädigt. Nur durch großes Glück gab es nicht mehr Verletzte oder sogar Tote.

Die Sprengsätze waren mit Metallstiften bestückt, von denen einer sich in die Kopfstütze eines Bussitzes bohrte. Die Bomben hatten eine Sprengwirkung von mehr als 100 Metern. Selbst in einer Entfernung von 250 Metern wurde noch ein Metalstift gefunden. Aufgrund der Tatmodalitäten waren die Ermittler Anfangs von einem terroristischen Hintergrund ausgegangen. Dies sollten wohl auch drei am Tatort hinterlassene Bekennerschreiben nahelegen, die ein islamistisches Motiv vortäuschten und in denen unter anderem der Abzug von Bundeswehr-Tornados in Syrien gefordert wurde.

Das Champions-League-Spiel zwischen Dortmund und dem AS Monaco war nach dem Angriff auf den Bus abgesagt worden. Die Partie wurde aber bereits Tags darauf nachgeholt. Zuvor hatten sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (beide CDU) gegenüber BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke am Telefon betont, eine möglichst zeitnahe Nachholung des Spiels sei ein wichtiges Zeichen gegen den Terror. (krk)

Der Mannschaftsbus von Borussia Dortmund nach dem Anschlag Foto: picture alliance/newscom
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