Polizei entkräftet Vorwürfe

Keine „Spring doch“-Rufe bei Selbstmord eines Asylbewerbers

SCHMÖLLN. Im Fall eines durch Selbstmord verstorbenen Asylbewerbers hat die Polizei keine Anhaltspunkte zu angeblichen „Spring doch“-Rufen gefunden. „Wir haben dort keine Person brüllen hören oder ähnliches“, sagte ein Sprecher der Landespolizei. „Diejenigen, die das am Anfang gesagt haben, konnten das in der Zeugenbefragung nicht mehr deutlich verifizieren.“

Der Somalier hatte am Freitag in seiner Unterkunft in Schmölln randaliert, woraufhin Feuerwehr und Polizei angefordert wurden. Als diese eintraf, saß der Jugendliche bereits auf der Fensterbank im fünften Stock. Er sprang neben ein von der Feuerwehr aufgespanntes Tuch und verstarb wenig später.

Eine Mitarbeiterin der Einrichtung habe angeblich Aufrufe zum Suizid gehört, gab der Bürgermeister der Kleinstadt, Sven Schrade (SPD), an. „Uns liegen auch Informationen vor, daß einige, ich nenne sie mal Schaulustige, diesem Vorfall lange beigewohnt haben, und wohl auch Rufe gefallen sein sollen wie ‚Spring doch’“, sagte er dem Mitteldeutschen Rundfunk.

Verdacht nicht bestätigt

Schnell aufgegriffen wurden die angeblichen Rufe auch von der Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckart im Bundestag: „Ich finde es unfaßbar, wie Verzweifelten und Schutzsuchenden in diesen Zeiten Haß und Verachtung entgegenschlägt. Wer so handelt, hat von Menschenwürde und unserem Grundgesetz nichts verstanden.“

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linkspartei) bezweifelte die angeblichen Rufe allerdings bereits am Wochenende. Er kritisierte die vorschnelle Verurteilung der östlichen Bundesländer in Flüchtlingsfragen. (vi)

Schmölln: Keine „Spring doch“-Rufe begleiteten den Selbstmord eines Somaliers aus diesem Wohnblock Foto: picture alliance / dpa

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