Ausgebrannter Dachstuhl in Tröglitz
Ausgebrannter Dachstuhl in Tröglitz: Noch keine Tatverdächtigen festgenommen Foto: dpa

Brand in Tröglitz
 

Politiker fordern mehr „Kampf gegen Rechts“

MAGDEBURG. Nach dem noch unaufgeklärten Brand in einem künftigen Asylbewerberheim in Tröglitz ist eine Debatte über den Rechtsextremismus in Deutschland entflammt. Politiker von CDU, SPD, Linkspartei und Grünen forderten nun mehr „Willkommenskultur“ und Geld im „Kampf gegen Rechts“.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff warnte davor, den Brand als Einzelfall abzutun. „Es handelt sich um ein bundesweites Problem“, sagte er der Welt. Es reiche nicht, nur über die finanziellen Belastungen durch Asylsuchende zu sprechen, betonte der Politiker. „Wir müssen unsere moralische und gesellschaftliche Pflicht in den Vordergrund stellen.“ Nach Tröglitz kämen vor allem „Familien aus Syrien und anderen Bürgerkriegsgebieten“, versprach der CDU-Politiker.

Ex-Bürgermeister bezeichnet Tat als „Schande“

Das in Sachsen-Anhalt gelegene Dorf hatte bereits vor dem Brand am Sonnabend deutschlandweit für Aufsehen gesorgt. Anwohner hatten dort wochenlang gegen die Einquartierung von rund 50 Asylbewerbern demonstriert. Nachdem sich auch NPD-Politiker daran beteiligten und eine Demonstration vor dem Haus des ehrenamtlichen Ortsbürgermeisters Markus Nierth anmeldeten, trat dieser von seinem Amt zurück. Er fühlte sich vom Landrat und der Landesregierung nicht ausreichend unterstützt.

Niert forderte die Bewohner auf, „leerstehenden Wohnraum Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen, damit die Braunen nicht über unseren Ort siegen“. Die Tat sei eine „bleibende Schande für Tröglitz, die uns nun mit Mölln und Hoyerswerda in eine Reihe bringt und noch viele unabsehbare Folgen haben wird“.

Mehr Geld für „Kampf gegen Rechts“ gefordert

Auch die Bundespolitik forderte eine schnelle Reaktion auf die Taten. Justizminister Heiko Maas schrieb auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: „Wer Flüchtlingsunterkunft anzündet, handelt feige und abscheulich. Beschämende Tat in Tröglitz.“ Die Deutschen müßten sich nun gemeinsam gegen „rechte Hetze stellen“.

Der stellvertretende SPD-Chef Ralf Stegner machte unter anderem die AfD und Pegida für die Tat mitverantwortlich. „Wer im rechten Sumpf fischen will, macht sich die Hände genauso schmutzig wie die Rechtspopulisten von AfD, PEGIDA & CO. oder die NPD-Nazis.“

Die Grünen forderten vor allem mehr Geld. „Allein mit einem Verbot der NPD ist menschenverachtendes, rassistisches Denken nicht aus den Köpfen herauszubekommen. Wir müssen den Kampf gegen Rechts verstärken und dafür mehr Mittel bereitstellen“, sagte der Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Anton Hofreiter.

Bisher noch kein Tatverdächtiger festgenommen

Dem schloß sich auch die Linkspartei an. „Es gibt in Deutschland kein Problem mit Flüchtlingen, sondern ein Problem mit Fremdenfeindlichkeit bis weit in die Mitte der Gesellschaft hinein“, mahnte Parteichef Bernd Riexinger. Es brauche nun „eine „kompromißlose Willkommenskultur“.

Die Polizei konnte bisher noch keinen Tatverdächtigen festnehmen, geht jedoch aufgrund von am Tatort gefundenen Brandbeschleunigern von einer vorsätzlichen Tat aus. Zwei Bewohner, des ansonsten leerstehenden Gebäudes wurden unverletzt gerettet. (ho)

Ausgebrannter Dachstuhl in Tröglitz: Noch keine Tatverdächtigen festgenommen Foto: dpa
Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
aktuelles