NSU-Prozeß
 

Mitangeklagter belastet Zschäpe

MÜNCHEN. Im NSU-Prozess hat der Mitangeklage Carsten S. ein weitgehendes Geständnis abgelegt und dabei auch die Hauptangeklagte Beate Zschäpe belastet. Der 33jährige räumte am fünften Verhandlungstag vor dem Oberlandesgericht in München ein, eine Pistole mit Schalldämpfer der Marke „Ceska“ für das mutmaßliche Terrortrio um Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe besorgt zu haben.

Das Geld für die Waffe habe ihm der ebenfalls angeklagte Ralf Wohlleben gegeben. Dieser habe ihn auch mit dem Kauf der Waffe beauftragt. Daß mit der Ceska Morde begangen würden, habe sich S. nicht vorstellen können. Bei „den beiden Uwes“ und Beate Zschäpe habe er das Gefühl gehabt, „daß die in Ordnung waren, und daß da nichts Schlimmes passieren würde“. Wohlleben habe damals den Schalldämpfer auf die Pistole geschraubt und dabei Lederhandschuhe getragen, erinnerte sich S.. „Die armen Verfolgten, dachte ich, denen mußte ich doch helfen“, sagte er dem Vorsitzenden Richter. 

Von dem Trio habe er auch den Auftrag erhalten, ein Motorrad zu stehlen sowie in eine Wohnung einzubrechen, dort Ausweise und Akten zu entwenden, sie zu verpacken und in einem Fluss zu versenken. Die Ausweispapiere solle er vergraben, habe die Anweisung an ihn damals gelautet. Das Trio habe ihn nie mit Namen angesprochen sondern immer „Kleener“ genannt. 

Homosexuelle Neigungen führten in die Szene

Kennengelernt habe er die Drei in der Wohnung von Beate Zschäpe. In die rechtsextreme Szene sei er durch seine homosexuellen Neigungen gekommen. Ein junger Mann aus der Szene habe ihm gefallen und imponiert. „Wir hatten damals die CD Zillertaler Türkenjäger gehört und fanden das total lustig“, so S., der sich dann neben Neonazi-Musik auch Kleidung aus der Szene besorgt habe. Das sei im November 1996 gewesen. 

Im Frühjahr 1997 habe er zum ersten Mal an einer NPD-Kundgebung in München teilgenommen. „Das war meine erste Erfahrung auf einer Demo. Es war die größte Demo seit Bestehen der Bundesrepublik, gegen die Wehrmachtsausstellung“, meinte S. Dort habe er einen ehemaligen Schulfreund wiedergetroffen und ihn gefragt, wie er an Kontakte in die Szene gelange.

Der habe ihm eine Postfachadresse genannt, die er anschreiben könne. Von da an habe er regelmäßig Infobriefe der „Jungen Nationaldemokraten“ (JN) und der NPD erhalten. Im Herbst 1997 habe er schließlich einen JN-Kongreß besucht. Das sei sein aktiver Einstieg in die rechtsextreme Szene gewesen.

Anwälte beantragen Einstellung

Vor der Aussage von Carsten S. hatte die Verteidigung von Beate Zschäpe die Einstellung des Verfahrens beantragt. Ihre Mandantin sei von staatlichen Institutionen vorverurteilt worden. So hätten Vertreter der Bundesanwaltschaft, Politiker und Medien Beate Zschäpe mehrfach als „Mitglied einer Mörderbande“ bezeichnet, ohne dabei zu erwähnen, daß es sich dabei bisher nur um einen Tatverdacht handele. (ro)

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