Moscheebau

Wirbel um Universitäts-Moschee in Münster

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Logo der Moschebauinitiative: Streit um Moschee auf dem Universitätsgelände Foto: WWU

MÜNSTER. Die Pläne der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU), auf ihrem Gelände eine Moschee zu bauen, sorgen weiterhin für Streit. Nachdem sich der Publizist Henryk M. Broder einen Streit mit dem Sprecher der Universität, Norbert Robers, geliefert hat, will nun die Linkspartei das Bauvorhaben überprüfen lassen. Dabei soll das von Mouhanad Khorchide geleitete Zentrum für islamische Theologie (ZiT) eine Moschee erhalten.

Gegen die geplante Universitäts-Moschee protestiert die Hochschulgruppe Free Minds, ein Zusammenschluß von islamkritischen Studentinnen, die dem ZiT vorwerfen, als Sammelbecken für fundamentalistische Strömungen des Islams zu dienen. Als sie bei einer Demonstration von Universitätsrektorin Ursula Nelle des Geländes verwiesen und von ihrem Sprecher Robers in der Universitätszeitung als „selbsternannte Freigeister“ abgekanzelt wurden, schaltete sich Broder ein.

„Sie selbst ernannte Knalltüte“

In einen Leserbrief fragte der Journalist bei Robers an, „ob es an der WWU eine Stelle gibt, die Freigeister ernennt, die dann mit dem Segen der Uni wirken können“. Als der Sprecher wissen wollte, ob Broder ihn zitieren werde, antwortete ihm dieser, er habe wohl eine private und eine zitierfähige Meinung: „So hat man es im real existierenden Sozialismus auch gehandhabt. Sie brauchen jetzt nix mehr zu antworten, das bisherige reicht, Sie selbst ernannte Knalltüte.“

Zum Politikum wurde die Angelegenheit, als Free Minds mit Genehmigung von Broder dessen Korrespondenz mit Robers veröffentlichte und Regionalzeitungen über die Auseinandersetzung berichteten. Gegenüber der Münstersche Zeitung nannte Broder dessen Verhalten „vordemokratisch“ und nur „in autoritär regierten Systemen üblich“: „Ich ziehe nur einem selbstgefälligen Apparatschik die Strampelhosen herunter. Aber auch das macht großen Spaß und ist ein Beitrag zur Transparenz.“

Kritik auch an Institutsleiter Khorchide

Der nordrhein-westfälische Landessprecher der Linkspartei, Rüdiger Sagel, der im universitären Planungsausschuss sitzt, kritisiert gleichfalls die Haltung der Universität. Die von Rektorin Nelle angeführte Begründung, das ZiT brauche eine eigene Moschee aus Gründen der Gleichbehandlung, wies Sagel zurück. Nur eine der beiden Universitäts-Kirchen befindet sich überhaupt auf landeseigenem Gelände. „Ein Moscheebau ebendort ist daher alles andere als zwangsläufig.“

Auch Institutsleiter Khorchide wirft Sagel Fehlverhalten vor. Einerseits würde sich dieser als islamischer Aufklärer stilisieren, andererseits trete er aber „absolutistisch und rechthaberisch“ in Erscheinung. Es ginge Khorchide offensichtlich nicht um Dialog, sondern nur darum, „die kritischen Geister in der Studierendenschaft ruhig zu stellen“.

Wie die Münstersche Zeitung berichtet, erwägt Robers nun eine Strafanzeige gegen Broder. (FA)

> Der Internetauftritt von Free Minds

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