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Kommunismus-Debatte
 

Rückwärts immer, vorwärts nimmer

Butterwegge
Christoph Butterwegge in der ARD-Sendung „Anne Will“ Foto: JF

Spätestens als der „Armutsforscher“ Christoph Butterwegge Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Anne Will“ mit Alfred Hugenberg verglich, hätte den verantwortlichen Redakteuren der Talk-Show Zweifel an dessen Seriosität kommen müssen.

Anlaß für Butterwegges Ausfall war Brüderles Äußerung, die größte soziale Tat sei es, einen Arbeitsplatz zu schaffen. Dies hätte auch Hitlers erster Wirtschaftsminister Alfred Hugenberg mit seinem Ausspruch „sozial ist, was Arbeit schafft“ so formuliert, empörte sich der Kölner Politologe.

Daß es sich bei dem Sechzigjährigen nicht bloß um einen „linken Sozialwissenschaftler“ handelt, wie Will ihrem Publikum und den Zuschauern weismachen wollte, sondern um einen strammen Marxisten, der seit Jahrzehnten eine deutliche Nähe nach Linksaußen aufweist, wurde bei der Vorstellung Butterwegges wohlweislich unter den Tisch fallen gelassen.

Die politische Macht der Arbeiterklasse und die Frage der Gewalt

Auch daß Butterwegges Frau für die Linkspartei im Landtag von Nordrhein-Westfalen sitzt und Mitglied der Sozialistischen Linken ist, erfuhr der Zuschauer nicht. Ebensowenig wie seinen Ausschluß aus der SPD in den siebziger Jahren wegen mangelnder Distanz zu kommunistischen Gruppen. Zwar wurde Butterwegge 1987 von Gerhard Schröder zurück in die Partei geholt, verließ sie jedoch 2005 aus Protest gegen die Große Koalition wieder. Seitdem wird dem Kölner Sozialwissenschaftler eine deutliche Nähe zur Linkspartei nachgesagt.

Daß Butterwegge bei Anne Will auch indirekt Verständnis für die Kommunismus-Äußerungen der Linkspartei-Vorsitzenden Gesine Lötzsch äußerte, ist nur konsequent. Schließlich bekennt er nicht ohne Stolz, seinem linken Weltbild bis heute treu geblieben zu sein. Ob das auch für seine Vorstellung vom Sozialismus aus dem Jahr 1980 gilt, ist nicht bekannt.

Damals schrieb Butterwegge im Organ des Sozialistischen Hochschulbundes frontal, der Sozialismus sei „kein Pluralismus-Paradies, sondern das Gesellschaftssystem, wo die Arbeiterklasse ihre politische Macht errichtet, sie – unter Wahrung der sozialistischen Gesetzlichkeit, wenn es sein muß mit Gewalt – gegen ehemalige Kapitalisten und Konterrevolutionäre verteidigt und zur Umwälzung der herrschenden Eigentumsverhältnisse einsetzt.“

Auch die „Staatsmaschinerie der bürgerlich-parlamentarischen Demokratie“, so Butterwegge, könne nicht mit in den Sozialismus hinübergenommen werden, sondern müsse, „um mit Marx zu sprechen, ‘zerbrochen’ werden“. Was Butterwegge mit einem wie Brüderle anstellen würde, wenn er könnte, wie er wollte, bedarf angesichts solcher Äußerungen wenig Phantasie. Mit einem „demokratischen“ oder „humanistischen“ Sozialismus „mit menschlichem Antlitz“ hätte es wohl weniger zu tun. (krk)

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