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Afghanistan-Besuch
 

Oppositionspolitiker werfen Guttenberg „plumpe Eigen-PR“ vor

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Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg mit seiner Frau Stephanie bei der Ankunft in Masar-i Scharif Foto: Bundeswehr/Bernd Berns

BERLIN. Politiker von SPD, Linkspartei und Grünen haben die Teilnahme von Stephanie zu Guttenberg am Truppenbesuch ihres Mannes in Afghanistan scharf kritisiert. „Mit dieser Entourage macht zu Guttenberg sich immer mehr zum Staatsschauspieler“, sagte die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles dem Hamburger Abendblatt. Dies sei eine „Amerikanisierung der Politik“, bei der die Inszenierung wichtiger werde als der Inhalt.

Grünen-Chefin Claudia Roth warf Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) vor, „vorweihnachtliche Kulisse in den deutschen Feldlagern in Masar-i-Scharif und Kundus für plumpe Eigen-PR“ zu nutzen. Während in Berlin über die Bilanz des bisherigen Einsatzes debattiert werde, produziere der Verteidigungsminister strahlende Bilder mit seiner Gattin aus dem Krisengebiet.

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion Reiner Arnold gab in der Passauer Neuen Presse zu bedenken, daß es zwar prinzipiell immer gut sei, die Soldaten im Einsatz zu besuchen, dies sei jedoch nicht die Aufgabe der Ministergattin.

Kritik auch von der FDP

Der Fraktionschef der Linkspartei im Bundestag, Gregor Gysi mahnte, Afghanistan sei das letzte Land, das sich für Showbusiness und Entertainment eigne: „Die ministerielle PR-Aktion mit Gattin und Talkshowtroß verbessert weder die Lage im Land, noch macht sie den von der klaren Mehrheit der Deutschen abgelehnten Bundeswehreinsatz richtig“, sagte Gysi dem Tagesspiegel. Die Soldaten würden so gleich doppelt mißbraucht: „für einen falschen Krieg und nun auch noch als Staffage auf den heimatlichen Bildschirmen“.

Kritik kam jedoch auch aus den Reihen der schwarz-gelben Koalition. Die sicherheitspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Elke Hoff, riet zu Guttenberg im Kölner Stadtanzeiger „zu mehr Zurückhaltung“ und empfahl ihm statt dessen „die nach wie vor bestehenden Ausbildungs- und Ausrüstungsdefizite bei der Truppe zeitnah zu beheben“. Das Letzte, was die Truppe jetzt brauche, sei zudem die Anwesenheit von „geschätzten Talk-Show-Moderatoren“. Das passe einfach nicht, sagte Hoff in Anspielung auf den Moderator Johannes B. Kerner, der zu Guttenberg nach Afghanistan begleitet hat, um dort mit ihm und Soldaten eine Talkshow aufzuzeichnen.

Guttenberg verteidigte unterdessen gegenüber Spiegel Online die Mitnahme seiner Frau: „Ich tue das, was ich für richtig halte, um den Soldaten hier im Einsatz die Anerkennung und die Aufmerksamkeit zu verschaffen, die sie verdienen.“ (krk)

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