Pöbeleien

Vergangenen Montagvormittag versuchte mein Politologieprofessor gerade, meinen Kommilitonen und mir „Anarchie“ zu erklären. Er verwendete dazu das Sinnbild eines Kindergartens, dessen Kinder auf den Tischen herumspringen und sich mit Fruchtzwergen bewerfen. Da flatterte etwas in mein privates, universitätsinternes ePostfach. In der Betreffzeile las ich „Ihre Exmatrikulation auf Grund neofaschistischer Betätigung“ – da legt man als Student natürlich erstmal die Ohren an. Als ich dann aber auf den Absender schaute und da „dergoldenereiter@gmx.ch“ las, kam ich doch um ein leises Kichern nicht herum.

Der Inhalt der ePost war dann allerdings weniger amüsant. Letztlich konnte ich nur immer wieder die Augen verdrehen. Da wurde mir in einem unheimlich gestelzten, pseudo-intellektuellen Stil – bei dem einem schier die Fontanelle platzen möchte – vorgeworfen, „einer jener austauschbaren verwestlichten Lakaien des philosemitischen Proamerikanismus“ und aufgrund meiner „offen zu Tage tretende[n] antireligiöse[n] Volksfeindlichkeit“ „zutiefst verachtenswert“ zu sein.

Schädelsprengende Pseudointellektualität

Damit nicht genug: „Kein Wunder, dass sich ihre [sic!] Texte über weite Stecken [sic!] wie Plagiate von Ralph Giordano, Hendryk [sic!] M. Broder oder anderen übergewichtigen Sprechpuppen lesen lassen.“ Nun, langes Geschwurbel, kurzer Sinn: Letztlich lief alles darauf hinaus, daß der wirkliche Feind Deutschlands die USA seien, und es gelte, sich mit dem Islam gegen den „atlantischen Leviathan“ zu verbünden, „um den völligen kulturellen Untergang der Alten Welt noch irgentmöglich [sic!] abzuwenden“. Was für eine unheimlich intelligente und kreative Idee.

Lieber „Goldener Reiter“, da Sie ja offensichtlich sehr fleißig hier mitlesen: Wenn Sie mir schon den Fehdehandschuh hinwerfen, so nehme ich ihn – trotz seiner Kümmerlichkeit – gerne auf. Ich bin mir ziemlich sicher, daß es sich bei Ihnen um einen meiner vielen „engagierten“ Kommilitonen handelt, die stets unheimlichen Eifer dabei zeigen, mir im Netz hinterherzuschnüffeln. Was allerdings auch keine große Leistung ist, da ich persönlich es vorziehe, mit „offenem Visier“ zu kämpfen, anstatt mich feige hinter Tarnnamen und offenbar extra für Schmähnachrichten angelegten ePost-Adressen zu verstecken. Von daher müssen Sie schon ganz andere Geschütze auffahren, wenn Sie mich beeindrucken wollen.

Kamerad von der anderen Feldpostnummer“

Dafür, daß Sie ein „Kamerad von der anderen Feldpostnummer“ sein müssen, spricht nicht zuletzt auch Ihr sklavisches Gebundensein an die neue Rechtschreibung, diese Ausgeburt der sprachlichen Niederungen – und daß Sie abgesehen von „dass/das“-Mätzchen eine Unsicherheit in der deutschen Sprache an den Tag legen, für die Sie sich schämen sollten. Sie werfen mir „pseudoaristokratischen Standesdünkel“ vor; wenn ich mir das Bild anschaue, das sich anhand Ihrer ePost von Ihnen machen läßt, weiß ich allerdings wirklich nicht, weswegen ich nicht eine gewisse Arroganz pflegen sollte.

In jedem Fall bin ich sehr beeindruckt, wie angestrengt Sie sich des (rechts)intellektuellen Duktus befleißigt haben. Davon ausgehend, daß das eine einmalige Anstrengung für diesen Sermon an mich war, fühle ich mich beinahe ein bißchen geehrt. Trotzdem: Vielleicht lesen Sie noch einmal etwas genauer nach, um nicht nur die Buchstaben, sondern auch den Sinn dahinter zu verstehen. Da können Sie noch viel lernen.

An die eigene Nase fassen

Ich kann es durchaus auch verstehen, von Ihnen des „philosemitischen Proamerikanismus“ geziehen zu werden – was für ein armseliges Konstrukt das auch immer sein soll. Hetzte ich hier lediglich mit Schaum vor dem Mund vor mich hin, würde ich es Ihnen und Ihren Genossen natürlich viel einfacher machen, die Sonderseiten, die Sie meiner Person schon seit mehreren Semestern im AStA-Kalender einräumen, mit allerlei Geflenne über meine Schlechtigkeit zu füllen. Aber verzeihen Sie: Ich bin der Meinung, daß Ihresgleichen ruhig mal ein bißchen für das viele Geld arbeiten darf, das Sie über die Zwangsabgaben der Studenten beziehen. Das Leben als „politisch Engagierter“ kann ja nicht nur aus Genderdebatten und „Fortbildungsreisen“ nach Kuba auf Universitätskosten bestehen.

Daß mein Schreibstil dem von „Tante Giordano“ entsprechen soll, ist nun nicht gerade das größte Kompliment. Der Vergleich mit Broder“ freute mich schon eher. Dennoch müssen Sie mir die „rhetorische Phraseologie von Kaltem Krieg und antimuslimischem Kulturkampf“, die Sie in meinen Texten ausgemacht haben, erst einmal zeigen. Wenn ich nach weltanschaulichen Gegnern Ausschau halte, so sehe ich immer zuerst diejenigen Deutschen, die mit Hochdruck an Kulturzerstörung und Volkstod arbeiten. „Ein jeder kehr‘ vor seiner eigenen Tür, da hat er Dreck genug dafür“ – daran gilt es zu arbeiten, bevor man sich über irgendjemand anderen hermacht. Deshalb suchen Sie auch dumpfes „Anti-irgendwas“-Gesabbel bei mir vergeblich.

Zottelige Freunde und Bionade

Also, lieber „Goldener Reiter“: Ihre ePost hat bei mir (und etlichen meiner Freunde) für große Heiterkeit gesorgt. Betrübt stehe ich allerdings vor der Mutmaßung, daß Sie ein ziemlich unbefriedigendes Privatleben haben müssen – wer nichts besseres mit sich anzufangen weiß, als solch ellenlange, pöbelhafte Traktate zu verfassen, dem muß irgendetwas fehlen. Vielleicht kehren Sie einfach zu Ihren zotteligen Freunden und Ihrer Bionade zurück und lassen mich in Frieden. Ich tue ja auch keiner Fliege etwas zuleide.

Und sollte der arg unwahrscheinliche Fall eintreten, daß Sie doch ein rechter Leser sind, dem ich lediglich nicht radikal genug bin: Bleiben Sie doch bitte einfach bei Altermedia und fallen mir nicht mit Ihren langweiligen Bandwurmsätzen auf die Nerven. Ich schreibe hier weißgott nicht, um mich in der Kommentarspalte loben zu lassen, sondern weil ich hoffe, dem einen oder anderen Leser vielleicht einen Denkanstoß geben zu können.

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