Joachim Kuhs
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Stadt Chemnitz läßt Wandbild übermalen

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Das Wandbild vor der Zerstörung Foto: blauenarzisse.de
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Maler Zschocke dokumentiert sein Bild vor dessen Zerstörung Foto: privat

CHEMNITZ. Die Stadt Chemnitz hat Freitag das Wandgemälde im Beruflichen Schulzentrum für Wirtschaft beseitigen lassen. Die Wand in der Cafeteria, auf welcher der junge Künstler Benjamin Jahn Zschocke das monumentale Bild mit dem Titel „Chemnitz – Stadt der Moderne“ aufgemalt hatte, ist heute mit weißer Farbe überstrichen worden.

In den frühen Morgenstunden hatten Aktivisten der „Konservativ-Subversiven Aktion“ versucht, die Übermalung zu verhindern. Sie wurden daraufhin wegen Verdachts des Hausfriedensbruchs von der Polizei in Gewahrsam genommen und im Laufe des Vormittags wieder auf freien Fuß gesetzt.

Benjamin Jahn Zschocke zeigte sich vom Vorgehen „menschlich und als Künstler enttäuscht“. Gegenüber der JUNGEN FREIHEIT sprach der Maler von einem „bedenklichen Zeichen“, daß ein Kunstwerk auf politischen Druck hin zerstört werde.

Einstweilige Verfügung des Künstlers gegen die Stadt erfolglos

Die Grünen-Politikerin Petra Zais, Mitarbeiterin des örtlichen „Mobilen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus“  hatte am Donnerstag gegenüber der Süddeutschen Zeitung bekräftigt, es dürfe in Schulen keine Kunst hängen „von Leuten, die unsere freiheitliche Gesellschaft ablehnen“.

Hintergrund des Vorwurfs ist die Tatsache, daß Zschocke Mitarbeiter einer rechtskonservativen Fraktion im Chemnitzer Stadtrat ist. Sowohl die Schulleitung als auch die Schüler des Beruflichen Schulzentrums hatten sich jedoch eindeutig hinter den Maler gestellt und für den Erhalt seines Wandgemäldes plädiert.

Zschocke selbst hatte noch versucht, mit einer einstweiligen Verfügung die Übermalung in letzter Minute abzuwenden. Gegen die Protestierer der „Konservativ-Subversiven Aktion“ war die Polizei mit einem Großaufgebot vorgegangen. Die Ermittlungen soll der Staatsschutz übernommen haben.

Witwe Wolfgang Mattheuers: „absurde Posse“

Die Graphikerin Ursula Mattheuer-Neustädt, Witwe des 2004 verstorbenen Malers und Bildhauers Wolfgang Mattheuer, sprach gegenüber der JUNGEN FREIHEIT von einer „absurden Posse“, die dem Ruf Chemnitz´als einer der Kunst zugewandten Stadt schaden werde.

Der Anlaß für die Entfernung des Wandbildes sei lächerlich, die Vorgehensweise plump, meinte Mattheuer-Neustädt, die der Stadt Chemnitz in der Vergangenheit zahlreiche druckgraphische Werke ihres verstorbenen Mannes geschenkt hatte. (vo)

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