Evangelische Kirche kritisiert negatives Islambild

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Die eingestürzten Twin Towers in New York: Unzulässige Verbindung von Terror und Islam? Foto: US Army Korea – IMCOM

DORTMUND. Auf einer Tagung des Islambeauftragten der rheinischen und westfälischen evangelischen Kirche ist die öffentliche Darstellung des Islams in Deutschland verurteilt worden. Die Medien würden zu oft eine Verbindung zwischen dem Islam und negativen Ereignissen wie Terroranschlägen herstellen, berichtete der evangelische Nachrichtenagentur idea.

Die Leiterin des Instituts für Medienverantwortung, Sabine Schiffer, sprach von einem Klischee, welches dem Islam eine Neigung zur Gewalt, ein rückwärts gewandtes Weltbild, hierarchische Strukturen und Unterdrückung der Frau zuschreiben würde. Aber selbst wenn Selbstmordanschläge mit dem Islam begründet werden, so dürfen Journalisten dies nicht einfach übernehmen, forderte Schiffer.

„Hoch angesehenes Wertesystem“ des Islams sei „zu Unrecht beschuldigt“

Schiffer, die über die Islamdarstellung in den Medien promovierte, ist keine Unbekannte. So polemisierte sie beispielsweise gegen die Frauenrechtlerinnen Seyran Ates und Necla Kelek und warf ihnen eine verengte Sicht vor. Ihre Berichte von Ehrenmorden und Zwangsverheiratungen seien „Einzelfälle, von denen auf das große Ganze geschlossen wird“, behauptete Schiffer im Aufsatz „Von Kronzeugen und Halbwahrheiten“.

Weiter heißt es in dem von der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Vorderer Orient der Universität Mainz veröffentlichten Papier, daß die „Relation zwischen dieser Praxis und dem Islam“, wie sie die Frauenrechtlerinnen vornehmen, „schlichtweg falsch“ und ein unzulässiger Angriff auf das „zu Unrecht beschuldigte und hoch angesehene Wertesystem der betroffenen Menschen“ sei.

Anlaß für die Tagung war ein Artikel in der evangelischen Wochenzeitung Unsere Kirche, in der man sich mit der Forderung nach einer Erlaubnis des Muezzinrufs in Deutschland auseinandersetzte. Der stellvertretende Chefredakteur Gerd-Matthias Hoeffchen hatte darin Verständnis für ein Verbot gezeigt. Chefredakteur Wolfgang Riewe verteidigte auf der Tagung die Möglichkeit auch einer kritischen Berichterstattung über den Islam.

Tulpen statt Eroberer, um „Mißverständnisse“ zu vermeiden

Der westfälische Kirchenrat und Islambeauftragte Gerhard Duncker verteidigte das Recht muslimischer Einwanderergruppen, hier Moscheen zu bauen. Dies sei „kein Gnadenakt des Staates“ und der Hinweis auf die Tatsache, daß in ihren Herkunftsländern keine Kirchen gebaut werden dürfen, kein Gegenargument.

Dennoch erhoffte sich Duncker, der neun Jahre als Pfarrer in Istanbul lebte, mehr Rücksicht von Moslems, heißt es in einer Pressemeldung der westfälischen Kirche. So sollen sich diese überlegen, ob sie in Deutschland eine Moschee wirklich „Fatih Cami“ (Eroberermoschee) und nicht besser „Lale Cami“ (Tulpenmoschee) nennen sollten. Unnötige Mißverständisse könne man so vermeiden. (FA)

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