Polen: Gedenktafeln sollen Deutsche als Täter ausweisen

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Durch „Hitleristen“ ermordet: Tausende Gedenktafeln sollen geändert werden Foto: JF

WARSCHAU. In Polen sollen Verbrechen der Nationalsozialisten eindeutig als von Deutschen begangene Taten gekennzeichnet werden. Das hat der Vorsitzende des Instituts für Nationales Gedenken (IPN), Janusz Kurtyka, gefordert.

Hintergrund ist die jahrzehntelang eingeführte Praxis, die Täter als „Hitleristen“ (polnisch „hitlerowcy“) oder „Nazis“ („naziści“) zu bezeichnen. Das betrifft insbesondere Hinweistafeln, die in Polen an Orten von NS-Verbrechen angebracht oder aufgestellt sind.

Der IPN-Vorsitzende Kurtyka hat jetzt in einem Brief an alle Gemeindeverwaltungen des Landes vorgeschlagen, auf Gedenktafeln neben die Worte „Hitleristen“ und „Nazis“ obligatorisch das Adjektiv „deutsch“ hinzuzufügen.

Die Rede von den „polnischen Konzentrationslagern“

„Nach Gründung der DDR 1949 begann die Regierung der Volksrepublik, die deutschen Verbrechen als ‘Hitler- oder Nazi-Verbrechen’ zu bezeichnen“, sagte IPN-Sprecher Andrzej Arseniuk. „Das war eine von politischen Rücksichten diktierte Entscheidung.“

In dem Schreiben an die Gemeinden erinnerte das IPN daran, daß es dank der Unesco gelungen sei, in den offiziellen Namen des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau das Attribut „deutsch“ aufzunehmen. Der Angabe der Nationalität von Verbrechern komme gegenwärtig eine besondere Bedeutung zu, denn in verschiedenen Ländern gebe es eine „konsequente Politik, die Nationalität der Täter zu verschleiern, um anderen Völkern eine Mitverantwortung am Völkermord zuzuschieben“, heißt es in dem Schreiben weiter.

Ausländischen Touristen könnte suggeriert werden, es handle sich um polnische Nazis. Bestätigt werde dies durch westliche Berichterstattung, in der wiederholt von „polnischen Konzentrationslagern“ die Rede sei, beklagte Arseniuk.

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