Konzept für Weltkriegsmuseum in Danzig stößt auf Widerstand

Westerplatte
Polnisches Ehrenmal auf der Westerplatte in Danzig Foto: WIkipedia/M. Minderhoud

DANZIG. Ein ersters Konzept für das Museum des Zweiten Weltkrieges, das in Danzig entstehen soll, sieht vor, das Kriegsleiden Polens in einen breiten europäischen Zusammenhang einzubetten. Diese Herangehensweise ist in Polen überwiegend auf Ablehnung gestoßen.

Laut der von den Historikern Paweł Machcewicz und Piotr Majewski erarbeiteten zehnseitigen Konzeption, die der JUNGEN FREIHEIT vorliegt, soll dem Leiden der Zivilbevölkerung, der Soldaten und Kriegsgefangenen breiter Raum gewidmet werden. Das Museum, dessen Grundsteinlegung für das kommende Jahr vorgesehen ist, soll auch nicht einfach ein weiterer Ort des Gedenkens an die polnischen Kriegsopfer werden.

Die Autoren räumen ein, daß das Danziger Projekt in Hinblick auf seinen Ort und die polnische Initiative dazu „die Kriegsschicksale Polens und der Polen verständlicherweise exponiert darstellt“. Das dürfe allerdings „nicht auf Kosten der Erfahrungen anderer Völker geschehen, darunter auch Deutscher und Russen.“

Ereignisse in Polen Teil eines größeren Bildes“

Machcewicz und Majewski, die auch als Berater des polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk fungieren, unterstreichen in der Konzeption, weder „ein Museum des Martyriums des polnischen Volkes noch ein Museum zur Verherrlichung der polnischen Streitkräfte“ schaffen zu wollen, „sondern eine Stätte mit universaler Perspektive, in welcher die Ereignisse, welche sich in Polen abspielten, lediglich Teil eines größeren Bildes sind“.

Der Entwurf für die Ausgestaltung des Museums war am 6. Oktober in der Kanzlei des Ministerpräsidenten Tusk vorgestellt und diskutiert worden. Zu den geladenen Gästen gehörten der Bevollmächtigte Tusks für den Internationalen Dialog, Władysław Bartoszewski, sowie die Historiker Włodzimierz Borodziej und Tomasz Szarota. Wie die polnische Tageszeitung Rzeczpospolita berichtete, wurde das Museumskonzept für Danzig heftig kritisiert.

Insbesondere mißfiel es, daß nicht nur das Leiden der Polen, sondern auch das Schicksal anderer Völker und Staaten dargestellt werden solle. Die konservativ-staatstragende Rzeczpospolita selbst veröffentlichte eine Reihe von Berichten und Kommentaren, die überaus kritisch mit der inhaltlichen Ausrichtung des geplanten Museums ins Gericht gingen.

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