PARIS. Die Betreiber des linken Pariser Theaters „Gaîté Lyrique“ haben in einem Brandbrief an die Regierung die endgültige Schließung des Schauspielhauses bekanntgegeben – nachdem afrikanische Migranten das Theater seit Dezember besetzt halten. Die Situation habe sich vor Ort immer weiter verschlechtert, heißt es in dem Text, den die französische Nachrichtenseite Mediapart vollständig veröffentlichte.
Nach Aussage der Verfasser besetzen mittlerweile etwa 400 Personen das Theater. Dabei lebten viele dieser Jugendlichen derart dicht gedrängt, daß dies „sowohl aus gesundheitlicher als auch sicherheitstechnischer Sicht ernsthafte Risiken“ berge. Häufig komme es zu gewalttätigen Konflikten unter den Migranten, berichtet das TimeOut-Magazine.
Die Betreiber des „Gaîté Lyrique“ sehen sich selbst als „Kollateralopfer“ einer mangelhaften Migrationspolitik. „Für uns kommt es nicht infrage, daß seine Verwalter zur Verantwortung gezogen werden und allein für die Folgen aufkommen müssen. Aus diesem Grund weisen wir auch die Kulturministerin und Pariser Stadträtin auf die Notwendigkeit hin, die notwendigen Mittel bereitzustellen, um die Einrichtung zu unterstützen“, heißt es in dem Brief weiter.
Die Situation sei „explosiv“ und gewalttätig
Die Besatzer betrachten ihre Okkupation derweil als einen Akt des antikolonialen Widerstands. Jeden Sonntag demonstrieren die Migranten gemeinsam mit linken Bündnissen vor dem Theater, wie das linke Online-Magazin Auposte berichtet. In den dort gehaltenen Reden sei die Besetzung unter anderem als Vergeltung für die Vergangenheit dargestellt worden – Weiße seien die wahren Migranten, schließlich seien sie nach Afrika gekommen, bevor je ein Afrikaner nach Europa einwanderte.
Die Betreiber des Theater empfinden nach eigener Aussage in erster Linie Mitgefühl für die Besatzer. Daß die Stadt ihnen „vorübergehende Unterkünfte in Turnhallen, verlassenen Schulen und Hotels“ bereitstelle, sei „unzureichend“ und ersetze nicht die „Notwendigkeit einer würdigen und menschlichen Betreuung“.
Bereits im Februar hatten die Theaterbetreiber auf Instagram davor gewarnt, daß die Betreiber des Theaters aufgrund der katastrophalen hygienischen Zustände im Theater nicht mehr in der Lage seien, „die Instandhaltung des Gebäudes zu gewährleisten“. Die Situation sei „explosiv“ und gekennzeichnet von „Gewalttätigkeiten, die an Schwere und Häufigkeit zunehmen“.
Die Betreiber baten die Stadt, den Vertrag auszusetzen
Am 21. Februar war es im Theater zu einem Brand gekommen, bei dem die Feuerwehr einschreiten mußte. Wenige Tage später baten die Betreiber die Stadt, ihren Konzessionsvertrag auszusetzen – die Verwaltung, die Instandhaltung und der Betrieb des Gebäudes sollten allerdings wieder aufgenommen werden, sobald „die zuständigen Behörden die Bewohner in Sicherheit gebracht werden“.
Begonnen hatte alles am 10. Dezember 2024. Unter dem Titel „Die Aufnahme von Flüchtlingen in Frankreich neu gestalten“ hatte das Theater angekündigt, afrikanischen Migranten an diesem Tag freien Eintritt zu gewähren. Die kamen auch – und weigerten sich anschließend, das Theater wieder zu verlassen. Nach eigenen Angaben hatten sie keine Unterkunft.
Auch umliegende Geschäfte klagen seit der Besetzung über finanzielle Verluste. Ein nahegelegenes Bistro aus dem 19. Jahrhundert erlitt bis Januar einen Schaden von mindestens 30.000 Euro, wie die Besitzerin klagte. „Sie zerstören mir das Geschäft. Sie lungern vor meiner Terrasse herum, rauchen Joints und beginnen untereinander Schlägereien. Wir bekommen keine Theaterbesucher als Kunden mehr – weil das Theater geschlossen ist – und auch keine Passanten. Sie werden von all diesen jungen Männern verscheucht.“ (lb)