Terry Gilliam
Terry Gilliam Fotos: picture alliance / empics | Dominic Lipinski / NurPhoto | WIktor Szymanowicz / JF-Montage

Cancel Culture
 

„Monty Python“-Star Terry Gilliam wegen Transgender-Witz entlassen

Der nächste Akt im Drama der sogenannten „Cancel Culture“: Nun hat es den Filmregisseur und Schauspieler Terry Gilliam erwischt, bekannt als Veteran der Satiretruppe „Monty Python“. Der 80jährige sollte im Old Vic, einem der führenden Theater Londons, nächstes Jahr das Musical „Into the Woods“ inszenieren. Doch daraus wird nichts.

Das Old Vic hat überraschend die Show abgesagt – ohne konkrete Angaben. Schnell sickerte jedoch der Grund durch. Einige Mitarbeiter des Theaters hatten sich offenbar über Äußerungen von Terry Gilliam beschwert und drohten mit einem Boykott.

Konkret geht es um Bemerkungen von Gilliam über die MeToo-Bewegung und über Transgender-Personen, wie die Times berichtete. Der Schauspieler, einst als ein Weggefährte von John Cleese berühmt geworden, ist für seine spitze Zunge bekannt. Zur MeToo-Bewegung sagte er, daß sie auch eine „Hexenjagd“ ausgelöst habe. Obwohl er Harvey Weinstein abscheulich finde, gerieten auch Unschuldige wegen vermeintlicher Übergriffe an den Pranger.

Das Old Vic war unter den britischen Theatern das Epizentrum der MeToo-Vorwürfe, nachdem Beschwerden über „unangemessenes Verhalten“ von Kevin Spacey aufkamen, der dort zeitweise als künstlerischer Direktor gearbeitet hatte.

Cleese kämpft gegen Political Correctness

Terry Gilliam scheut sich auch nicht vor ketzerischen Bemerkungen über die „weiße Privilegien“ und Trans-Personen. Von der Zeitung The Independent auf seine angeblichen Privilegien als „weißer Mann“ angesprochen, blaffte er zurück: „Wenn ich jetzt ankündige, daß ich eine schwarze Lesbe im Umwandlungsprozeß bin, dann sind die Leute auch beleidigt. Warum?“ Offenbar haben einige der sensiblen Mitarbeiter des Old Vic ihm solche Worte nicht verziehen.

 Auch Monty Python-Legende John Cleese sah sich schon mit dem Vorwurf der „Transphobie“ konfrontiert. Er kämpft schon länger gegen eine übertriebene Political Correctness sowie „Cancel Culture“ und für künstlerische Freiheit. Im vergangenen Jahr hatte die BBC vorübergehend einige Folgen der Serie „Faulty Towers“ wegen vermeintlich diskriminierender Äußerungen aus dem Archiv entfernt.

Der britische Komiker John Cleese
Der britische Komiker John Cleese Foto: picture alliance/dpa | Horst Galuschka

Cleese kündigte jüngst ein neues TV-Format „Cancel me“ über das Thema „Cancel Culture“ an. Der 81jährige Satirestar kritisiert den „lähmenden Effekt“ der Politischen Korrektheit auf Komödien. Laut Channel 4 wird die Serie „erkunden, wie eine neue ‘woke’ Generation versucht, neue Regeln zu schreiben, was gesagt werden kann und was nicht“.

Kritik an der Transgender-Bewegung kann in angelsächsischen Ländern rasch zum Verlust des Arbeitsplatzes führen. Erst vor wenigen Tagen trat die Philosophieprofessorin Kathleen Stock nach einer aggressiven Kampagne von Trans-Unterstützern gegen sie zurück. Das prominenteste Ziel von Protesten und Shitstorms wegen Transgender-Bemerkungen war bislang die Autorin J.K. Rowling (Harry Potter). Sie überlebte aber als Schriftstellerin die massiven Angriffe.

Gilliam führte Regie bei „Monthy Pyton“-Klassikern

Terry Gilliam steht als neues Opfer der „Cancel Culture“ in einer illustren Reihe. Der Künstler, geboren 1940 in den USA, war nach seinem Umzug nach England ein Mitgründer der Gruppe „Monthy Pyton“. Sein Regiedebüt gab er im Film „Die Ritter der Kokosnuss“ (1975). In „Das Leben des Brian“ (1979) spielte Gilliam mehrere Rollen.

Auch am letzten Python-Kinofilm „Der Sinn des Lebens“ war er beteiligt. Insgesamt hat Gilliam bei dreizehn Filmen Regie geführt. 2009 wurde ihm für sein Lebenswerk der Ehrenpreis der British Academy of Film and Television Arts (Bafta) verliehen. 

Terry Gilliam Fotos: picture alliance / empics | Dominic Lipinski / NurPhoto | WIktor Szymanowicz / JF-Montage
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