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Afghanische Flüchtlinge im Iran
Afghanische Flüchtlinge im Iran Foto: picture alliance / NurPhoto | Morteza Nikoubazl

Taliban-Vormarsch in Afghanistan
 

„Human Rights Watch“ warnt vor Flüchtlingswelle nach Deutschland

BERLIN. Die Hilfsorganisation „Human Rights Watch“ hat vor einer Flüchtlingswelle aus Afghanistan nach Europa gewarnt. Grund dafür sei das Vorrücken der islamischen Terrororganisation Taliban nach dem Abzug der Nato. „Wenn der Vormarsch der Taliban weitergeht, werden wohl auch noch mehr Afghanen fliehen“, sagte der Deutschland-Direktor von „Human Rights Watch“, Wenzel Michalski, der Bild-Zeitung.

Dem Bericht zufolge befänden sich schon jetzt rund drei Millionen Binnenflüchtlinge in Afghanistan. Im Nachbarland Pakistan hielten sich laut dem UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR im vergangenen Jahr rund 1,5 Millionen afghanische Migranten auf. Doch gerade diejenigen, die vor den Taliban fliehen, haben es in Pakistan laut Michalski schwer, da das Land die Islamisten unterstütze. „Viele fliehen deshalb in den Iran, um über die Türkei nach Europa zu gelangen.“

Die Route führt demnach von der Türkei über das Mittelmeer nach Griechenland und über die Balkan-Route nach Deutschland. Berlin sei jedoch auf einen möglichen neuen Migrantenstrom nicht vorbereitet, kritisierte Michalski. „Es hätte eine Planung und ein koordiniertes Gesamtkonzept für die flüchtenden Afghanen nach dem Abzug geben müssen.“

Europa solle Abschiebungen nach Afghanistan stoppen

Auch der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Mathias Middelberg (CDU), geht von steigenden Asylzahlen aus, sollte sich die Sicherheitslage in Afghanistan verschlechtern. Wir müssen die Verhältnisse eng beobachten, um nicht überrascht zu werden“, sagte er dem Blatt.

2020 wurden in der EU rund 46.000 Asylerstanträge von Afghanen gestellt, davon etwa 8.000 in Deutschland. Derzeit befinden sich mehr als 271.000 Afghanen in Deutschland. Die Zahl hat sich seit 2015 mehr als verdoppelt. Vor wenigen Tagen hatte die afghanische Regierung die europäischen Staaten aufgefordert, Abschiebungen in das Land zeitweise auszusetzen. Zur Begründung gab das für Flüchtlinge zuständige Ministerium die zunehmende Gewalt der Taliban und die Corona-Krise an. (ls)

Afghanische Flüchtlinge im Iran Foto: picture alliance / NurPhoto | Morteza Nikoubazl
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